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Bühne als virtuelle Erlebniswelt

Bühne als virtuelle Erlebniswelt

Drohnen-Tanz und Lichtballette erwarten die Zuschauer beim Festival Temps d’Images, das Technik und Sinne zusammenbringt.

Es gab eine Zeit, da wurden Filme und Videos zum Tanz als dekoratives Beiwerk eingespielt. Dass jedoch eine spartenübergreifende Verknüpfung auf Augenhöhe mindestens Interessantes hervorzubringen vermag, dafür stand von Anfang an das Festival Temps d’Images, das nach zwölf Jahren nunmehr selbstverständlich Medien-, bildende- und darstellende Kunst als Einheit auf die Bühne bringt. Ab Freitag ist das neue Programm im Tanzhaus NRW zu sehen. Die WZ sprach mit Stefan Schwarz, Festivalleiter von Temps d’Images und Programmleiter der Bühne am Tanzhaus NRW.

Herr Schwarz, Technik und sinnliche Erfahrungen stehen als Überschrift über dem aktuellen Festival Temps d’Images. Klingt eigentlich nicht so, als passt das zusammen.

Stefan Schwarz: Oh doch, Technik vermag sinnliche Erlebnismöglichkeiten zu eröffnen und wir werden dieses Mal sehen, dass wir sie nicht nur anschauen, sondern selbst herstellen. Mit Hilfe von Technik.

Wie sieht das aus?

Schwarz: Es wird kein Format geben, das nicht interaktiv ist. Bewegungen, Tanz lösen Bilderwelten aus. Stepptänzer Daniel Luka zum Beispiel koppelt in seiner Uraufführung „Resonance“ seine Bewegungen an das Licht und er erzeugt Klänge, die über das bloße Klacken der Sohlen hinausreichen, sondern vielmehr in einer Licht-Klang-Installation münden. Ein anderes Format, die Installation „DUST“, führt dem Zuschauer eine virtuelle Realität vor Augen und bindet ihn außerdem in diese ein.

Wie funktioniert das praktisch?

Schwarz: Der Zuschauer setzt eine Brille auf und wird vier Minuten lang durch eine Welt geführt, in der er die Tänzer aus jeder Perspektive betrachten kann, die ihn interessiert. Die Technik dieser 360-Grad-Videos und der virtuellen Realität wird aktuell zunehmend im Gaming und anderen kommerziellen Bereichen genutzt. Das Ziel bleibt dasselbe: Die Nutzer sollen ein Erlebnis bekommen, das sich möglichst echt anfühlt.

Daito Manabe gilt als besonders experimentierfreudig. Was bringt er dieses Mal mit?

Schwarz: Er wird einen Überblick zu technischen Verfahren der Darstellung von Bewegung geben und zur Beziehung von Tanz und Technologie. Manabe hat schon mit Robotern gearbeitet. Eine neue Produktion von ihm wird aber erst im nächsten Jahr realisiert. Der Plan ist, dass er ein Stück im Tanzhaus NRW zur Uraufführung bringt.

Worum geht es?

Schwarz: Es entsteht ein Drohnenballett. Die Tänzer beeinflussen in Echtzeit mit ihren Bewegungen den Schwarmflug von fliegenden Drohnen.

Der spartenübergreifende Anspruch birgt die Gefahr der Reizüberflutung. Da kann das Künsterleben leicht untergehen.

Schwarz: Technologie dominiert mehr und mehr alle Lebenswelten. Künstlern bietet sie neue Möglichkeiten, ihre Ideen umzusetzen und ihr Spektrum zu erweitern. Dazu gehört durchaus auch die Hinterfragung der Technologien und wie Inhalte transportiert werden. Die eingeladenen Künstler stellen sich mit Expertise und Offenheit dieser Herausforderung. Festival Temps d’Images, 12. bis 20. Januar, Tanzhaus NRW, Erkrather Straße 30, Telefon 172700.

tanzhaus-nrw.de