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Büdchen wird zum zweiten Wohnzimmer

Büdchen wird zum zweiten Wohnzimmer

Bei Evangelos Vrakas in Flingern geht es familiär zu. Hier trifft man sich, man hilft sich — und feiert.

Düsseldorf. Es ist Samstagabend, Ivica Popic genießt entspannt seinen Feierabend. Wie immer trinkt er sein Bier bei Evangelos Vrakas im Büdchen an der Degerstraße, gleich bei ihm ums Eck. Die beiden kennen sich seit fast 30 Jahren, als Popic zum ersten Mal Bonbons und Eis kaufte. Sie sind gute Freunde geworden, quatschen über Fußball, übers Essen, über alte Zeiten. Weitere Freunde oder alte Bekannte kommen vorbei — die meisten sind regelmäßig hier.

Das Büdchen ist der Treffpunkt im Viertel — wie hunderte in anderen Teilen Düsseldorf auch. Bei einem stadtweiten Büdchentag am 24. August wird diese Besonderheit, die Atmosphäre, die Welt auf kleinstem Raum mit Aktionen gefeiert. „Bei uns ist auch sonst immer wieder was los“, sagt Vrakas; das zeigen allein schon die Wände, die voller Fotos hängen. Fast 30 Jahre ist es her, dass er zum ersten Mal im Büdchen stand und so Teil des Lebens im Viertel wurde. Geburtstags-Partys werden hier gefeiert, der erste Liebeskummer beklagt, bei Fußballspielen mitgefiebert und gefeiert, Kochrezepte ausgetauscht — und auch schon mal ausprobiert. Kinder holen sich einzelne Bonbons für fünf Cent das Stück; eine Gruppe Frauen kommt des Öfteren für ein Glas Sekt. „Wenn sie mal den leckeren Ouzo probiert haben, bleiben sie den ganzen Abend hier“, wie Vrakas lächelnd erzählt.

Für einige Kunden es bei ihm wie in einem zweiten Wohnzimmer. Und so ist es auch eingerichtet, unter der Decke und im Fenster hat der Büdchen-Betreiber seine Pflanzen stehen. An einem Eck hängt ein Fernseher, neben der Kasse ist die kleine private Küche mit Heizplatte und Gewürzregal.

Geplaudert wird an zwei Tischen direkt am Eingang, zwischendrin steht Vrakas auf, um eine Zeitung oder Getränke zu verkaufen. Es sind deutlich weniger geworden im Lauf der Jahre, sagt er. Was ihm bleibt, sind vor allem seine Stammkunden.

„Ich bin mit dem Büdchen aufgewachsen“, erzählt Stephan Hartwig. „Früher, mit 16, hab ich mir mein Wassereis hier geholt. Das gehörte damals einfach dazu, wie der Jugendtreff, der Platz vor der Kirche zum Kicken mit dem Fußball. Heute, mit 45 Jahren, komme ich, um mein Bier mit Freunden zu genießen — und zu sehen, wer sonst noch da ist.“

Die Männer bleiben aber nicht nur im Büdchen, feiern dort, sondern unternehmen auch was zusammen. Vrakas hat beispielsweise mit Popic und Hartwig das Wasserskifahren gelernt. „Da war ich schon über 50 — es war ein Riesenspaß“, berichtet er stolz. Und wenn er mal was braucht, sind sie für ihn da. Vrakas tut aber mindestens ebenso viel für die Menschen im Viertel: „Ich habe gerade wieder ein paar Schlüssel bei mir. Wie viele, weiß ich gar nicht. Die Leute vertrauen sie mir an, wenn sie im Urlaub oder aus anderen Gründen länger nicht in der Stadt sind.“ Er holt die Post aus dem Briefkasten, gießt bei Bedarf die Blumen, kümmert sich ums Auto.

„Einmal war ich auch bei einem Benefizlauf der Sponsor für ein Mädchen. Was für ein Energiebündel. Sie kommt manchmal mehrmals täglich, um Süßes für 25 Cent zu kaufen.“ Kinder wie das Mädchen sind teils schon die Enkel seiner ersten Kunden. Manche wohnen längst nicht mehr in Flingern, kommen aber ab und zu auf Besuch, um zu erzählen, was die Familie jetzt so macht. „Ich bin gerne hier, auch mit 66 Jahren noch. Das Büdchen ist mein Hobby.“

Es sind die Kontakte, die Vrakas so schätzt. Das Büdchen an sich mit einem eigenen Tag zu feiern, findet er daher auch gut. Hauptsache es ist was los. Letztes Jahr gab es eine Spieleaktion — organisiert von Kunden. „Was es diesmal wird, werden wir sehen.“