Briefträgerin verschenkt Bücher

Briefträgerin verschenkt Bücher

Die Post will zum Welttag des Buches zum Lesen animieren — was nicht an jeder Tür gelingt.

Normalerweise sind Montage für Postboten wie Nadine Lei vergleichsweise entspannt. Da am Wochenende kaum Post verschickt wird, muss am Montag auch nur ein Bruchteil zugestellt werden. Gestern hatte die 35-Jährige, die in Eller Briefe einwarf, aber eine weitere Aufgabe. Zum Welttag des Buches war sie in Düsseldorf dafür zuständig, Menschen mit einem Buch zu überraschen, und damit zum Lesen zu animieren. Insgesamt verschenkte die Deutsche Post deutschlandweit 1000 Bücher, um auf den Weltbuchtag aufmerksam zu machen.

Deshalb klingelte sie in der Nachbarschaft, egal ob die Bewohner an dem Tag einen Brief bekamen, oder nicht, um ihnen ein Buch zu schenken. Jeder durfte sich ein Buch vom Postfahrrad aussuchen. Bei Kunden, die Nadine Lei schon gut kannte, wusste sie aber schon vorher, wem sie mit welchem Buch eine Freude machen konnte: „Zwar sind die meisten Leute vormittags nicht zu Hause und ich werfe die Briefe ein, aber manche lernt man mit der Zeit schon ein wenig kennen.“ Um verschiedene Geschmäcker zu bedienen, wurden Bestseller aus diversen Genres mit auf das Postfahrrad aufgeladen. Auch Briefmarkenbücher mit Marken im Wert von insgesamt 80 Euro wurden verteilt. Jasmin Hammes-Caufal, die für ihre Kindertagespflege ein Kinderbuch aussuchte, gefällt die Aktion sehr gut: „Ich habe zwar vom Weltbuchtag gehört, hätte aber nicht damit gerechnet, so nett überrascht zu werden.“

Es gehe aber nicht darum, nur den Kunden die Bücher zu schenken, die sie sowieso lesen würden, erklärte Pressesprecher Rainer Ernzer: „Das Ziel ist es, auch Menschen zum Lesen zu animieren, die es sonst kaum machen.“ Dennoch kamen die positivsten Reaktionen von denen, die ohnehin viel lesen. Roland Schmidt, der sich mit einem Liebesroman für seine Frau hat beschenken lassen, ist sich deswegen unsicher, ob die Aktion den gewünschten Erfolg bei Nichtlesern hat: „Klar ist es eine gute Sache, wenn Bücher verschenkt werden, aber ich habe kaum Zeit zum Lesen und denke, dass es den meisten so gehen wird.“ Andere wollten auch gar kein Buch annehmen, weil sie skeptisch waren, dass sie tatsächlich etwas gratis und ohne Verpflichtungen bekommen würden, oder weil sie niemandem, der die Bücher eher lesen würde, ein Exemplar wegnehmen wollten. Deshalb hat Lei an diesem sonst entspannten Tag auch noch nicht alle Bücher verteilt bekommen und wird auch heute noch die ein oder andere Person mit einem Buchgeschenk überraschen können.

Mehr von Westdeutsche Zeitung