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Blitzinterview: Iris Bellstedt (Grüne): „Man muss ja nicht immer sein Herz auf der Zunge tragen“

Blitzinterview: Iris Bellstedt (Grüne): „Man muss ja nicht immer sein Herz auf der Zunge tragen“

20 Fragen in zehn Minuten: Grünen-Fraktionssprecherin Iris Bellstedt über Quoten, Rauchen, Tofu und Schwarz-Grün.

Düsseldorf. WZ: Sie waren in Holland im Urlaub - weil Sie dorthin mit dem Fahrrad fahren können?

Iris Bellstedt: Ja, weil ich dort gern Fahrrad fahre. Wir waren auch mit dem Bötchen unterwegs und wollten eigentlich auch mit dem Rad nach Holland, aber dafür war das Wetter doch zu unbeständig. So mussten wir eben zu viert mit dem Auto fahren.

WZ: Auf Wahlplakaten fordern Sie 10000 Solardächer für Düsseldorf, wie sieht es bei Ihnen obenrum aus?

Bellstedt: Ich habe das auch für unsere Haus probiert. Leider ist es zu klein, wir haben ja nur ein ganz kleines Häuschen. Aber ich überlege dafür, mich an einer Bürgersolaranlage zu beteiligen.

WZ: Sie gelten als sehr zurückhaltend, ist das die richtige Eigenschaft für eine Fraktionschefin?

Bellstedt: Gelte ich als sehr zurückhaltend? Diese Meinung würden bestimmt nicht alle teilen. Aber man muss ja auch nicht permanent sein Herz auf der Zunge tragen.

WZ: Sie sind bisher im Rat nicht durch Ihre mitreißenden Reden aufgefallen, ziehen Sie lieber die Strippen hinter den Kulissen?

Bellstedt: Ich finde, dass man in der Politik inhaltlich und sachlich argumentieren muss. Es zählt ja nicht nur, wer theatralisch die besten Possen reißt.

WZ: Zu welcher Gelegenheit hauen Sie mal so richtig auf die Pauke?

Bellstedt: Wenn es inhaltlich um die Sache geht, bin ich auch durchaus konsequent und kann mich dann auch durchsetzen. Privat bin ich übrigens auch eher friedlich.

WZ: Ist eine Quote für was-auch-immer im politischen Geschäft noch zeitgemäß?

Bellstedt: Ich denke schon, zumindest so lange wir erkennen können, dass beispielsweise Frauen in bestimmten Bereichen prozentual viel weniger vorkommen als Männer. Denken Sie beispielsweise an Professorinnen. Deren Zahl ist noch nicht mal zweistellig, obwohl die meisten Studierenden weiblich sind. Da kann ja irgendwas nicht richtig sein.

WZ: Sie rauchen - wie oft haben Sie schon versucht, aufzuhören?

Bellstedt: Ja, ich rauche und habe nur einmal probiert, damit aufzuhören. Das ist aber schon ganz schön lange her.

WZ: Nichtraucherschutzgesetz - lott stonn oder lott jonn?

Bellstedt: Ach, so wie es in Düsseldorf läuft, ist es ganz günstig. Es soll ja die Nichtraucher schützen, aber nicht die Raucher hetzen. Da hat man jetzt doch eine gute Lösung gefunden.

WZ: Welchen Starschnitt haben Sie als Backfisch aus der Bravo ausgeschnitten?

Bellstedt: Oh. Ich glaube Abba war damals ganz aktuell. Oder die Bay City Rollers.

WZ: Welches war Ihre erste Demo?

Bellstedt: Das war irgendein Ostermarsch. Ich weiß aber das Jahr nicht mehr ganz genau. Vielleicht 1983?

WZ: Für was gehen Sie heute auf die Straße?

Bellstedt: Also wir hatten vor einiger Zeit zu Recht Demonstrationen gegen Rechts oder eine Demo als die jüdische Gemeinde angegriffen wurde. Ich denke, dass sind notwendige Sachen, bei denen man sein Gesicht zeigen und auf die Straße gehen sollte. Aber wir haben auch Klimaschutzdemos gemacht, das ist ein anderes wichtiges Thema.

WZ: Es heißt, Sie können gut mit Oberbürgermeister Elbers (CDU), ist das ein Anzeichen für eine schwarz-grüne Koalition?

Bellstedt: Auf die Frage habe ich schon gewartet. Die Pflichtfrage. Allerdings sehe ich nicht so große Übereinstimmungen. Wir werden das erst nach der Wahl entscheiden können.

WZ: Ihre letzte politische Intrige?

Bellstedt: Intrige? Intrige? Das ist wirklich eine schwierige Frage. Was ist eine politische Intrige? Bewusst jemanden in was hereinlaufen lassen? Das ist nicht mein Stil.

WZ: Ihr letzter Lustkauf?

Bellstedt: Im Urlaub habe ich mir T-Shirts gekauft.

WZ: Steak, Tofu oder Austern?

Bellstedt: Ach, sowohl als auch. Ich bin zwar keine Vegetarierin, esse aber gern mal Tofu. Austern würde ich mir zwar selbst nicht kaufen, aber manchmal bekommt man ja eine...

WZ: Welchen Ratschlag Ihrer Eltern beherzigen Sie heute noch?

Bellstedt: Ich glaube, unabhängig zu bleiben, das ist das, was ich von zu Hause mitgenommen habe.

WZ: Die Gretchenfrage: Iris, wie hältst du es mit der Religion?

Bellstedt: Ich bin nicht regelmäßig in der Kirche, aber hin und wieder schon. Ich bin evangelisch.

WZ: Welche drei Bücher müssen mit auf die berühmte einsame Insel?

Bellstedt: Ich lese gern Krimis. Ich würde ein ganzes Päckchen von Wallander mitnehmen.

WZ: Was würde eine Oberbürgermeisterin Bellstedt sofort ändern?

Bellstedt: Sofort etwas zu ändern, ist eine sehr unrealistische Vorstellung. Aber ich würde die Verknüpfung von Wirtschaft und Umwelt nach vorn bringen. Ich denke, das ist sehr nötig.

WZ: Die Grünen sind massiv im Netz unterwegs - Sie haben jetzt die Gelegenheit, in 140 Zeichen unseren Lesern irgendwas zu twittern!

Bellstedt: In Düsseldorf die Energiepolitik nach vorn bringen, wenn wir es schaffen, das Kohlekraftwerk verhindern und gute Alternativen voranbringen.