Blaugrüner Ring: Fast alle Planer wollen Rheinufertunnel verlängern

Stadtplanung : Blaugrüner Ring: Fast alle Planer wollen Rheinufertunnel verlängern

Die Ideen reichen von der Oberkasseler Brücke als Park bis zur autofreien City. Jetzt sollen die Bürger mitreden.

Der blaugrüne Ring ist zum ersten Mal sichtbar in der Stadt — zumindest symbolisch. Denn über den ganzen Weg vom Ehrenhof durch den Hofgarten über die Kö, das Ständehaus und die Rheinuferpromenade wieder zurück symbolisiert ein über Absperrgitter gespanntes Banner das großangelegte Stadtumbauprojekt. Der Grund: 45 Entwürfe haben nun nationale und internationale Planungsbüros vorgelegt, um die Kulturinstitute der Stadt mit mehr Bäumen, Wiesen, Grünstreifen und Parks miteinander zu verbinden. Bis Mittwoch sind sie — anonym — auf großen Plakaten an Ausstellungswänden zu sehen, die die Stadt vom Ratinger Tor aus in den Hofgarten hinein aufgestellt hat. Und die Düsseldorfer sind aufgerufen, den Umbau der Stadt mitzudenken. Ideen, Kritik, Lob — all das wird jetzt im Projekt-Zentrum im Ratinger Tor gesammelt und soll in die weitere Planung einfließen.

Die Jury wählt im April 20 Büros aus, die ihre Pläne weiter ausarbeiten sollen. Im Dezember wird der Sieger gekürt. Ein Überblick über erste Tendenzen und besondere Ideen für die vor allem im Mittelpunkt stehenden Orte.

Rheinufertunnel Die Düsseldorfer dürfen sich schon mal auf die nächste große Baustelle in der Innenstadt einstellen. Denn in einem Punkt sind sich bis auf wenige Ausnahmen alle Planer einig: Ohne die Verlängerung des Rheinufertunnels nach Norden bis zum Rheinpark können wichtige Ziele des Projekts nicht erreicht werden. Ehrenhof und Rheinufer wachsen auf zahlreichen Plänen zusammen. Der Hofgarten wächst bis ans Ufer heran. Der entstehende Freiraum wird etwa mit Tribünen zum Rhein hin gefüllt, Flächen mit Beachvolleyball-Feldern, anderen Sportflächen und Spielplätzen oder mit wellenförmigen Wegen. Mancher denkt auch an Stege, die im Halbkreis über ein Stück Fluss führen.

Auffällig: Wiederholt greifen die Beteiligten die Idee für ein Badeschiff auf, und legen genau vor der Tonhalle ein Schwimmbecken im Rhein an.

Die alte Idee für ein Schwimmbad im Rhein wird in diesem Entwurf wieder aufgegriffen. Foto: ale

Und: Ans Fortuna-Büdchen wagt sich kaum einer heran. Im Gegenteil: es taucht in vielen Entwürfen ausdrücklich auf.

Ungewöhnlich: Die Idee für eine längliche, bebaute Plattform, die im Rhein liegen würde, vom Burgplatz bis zum Ehrenhof. Zugänglich über mehrere Stege.

Kunstakademie Der verlängerte Tunnel führt in vielen Entwürfen dazu, dass auch die Fritz-Röber-Straße unterirdisch verlaufen soll. Vor der Akademie entsteht damit eine Menge Platz, der vielfach mit einem Park, zum Teil auch mit Wasserflächen gestaltet wird. Die Unterführung von der Tonhalle zur Akademie nehmen sich ebenfalls einige Planer vor, sie wird deutlich vergrößert, mal auch mit Galerien oder Shops gefüllt.

Vor der Kunstakademie entsteht auf diesem Entwurf eine große Wasserfläche. Foto: ale

Graf-Adolf-Platz Ein sensibler Punkt für die Planung ist der Graf-Adolf-Platz, den viele Bürger bei einer Umfrage als weiteren besonderen Ort mit Verbesserungsbedarf neben der Rheinuferpromenade ausgemacht hatten. Hier sind die Ideen der Architekten sehr unterschiedlich. Mal sind Brücken für Fußgänger und Fahrradfahrer vom Ständehauspark zur Kö angedacht, mal schwebt auch hier einigen ein Tunnel oder eine Unterführung für den Verkehr vor. Auch Brücken vom Ständehaus-Park zum Spee’schen Graben sind denkbar.

Königsallee Auch für die Königsallee gibt es eine Reihe von Vorschlägen. Auffallend bei einigen Ideengebern: das Wasser soll erlebbarer werden. Mancher lässt Bötchen auf dem Kö-Graben fahren und baut einen Café-Pavillon direkt ans Ufer. Ein anderer Entwurf setzt auf Wege, die direkt am Wasser entlang, also unterhalb der Straße verlaufen.

Der Kö-Graben soll erlebbarer werden, mit Stufen zum Wasser, Bötchen fahren und Bar. Foto: ale

Ständehaus-Park Die Aufenthaltsqualität im Ständehauspark soll gesteigert werden. Stege führen da zum Teil übers Wasser, es gibt Sitztreppen am Ufer, ein Restaurant und einen Bootsverleih. Auf einigen Plakaten ist zudem zu sehen, wie sich die Kulturinstitute nach außen öffnen können. Am Ständehaus etwa mit einer begehbaren Ring-Skulptur, die halb ins Wasser ragt. Die Wege zum Theatermuseum oder zum Goethe-Museum werden auf einem Plakat mit Schriftzügen gestaltet. Auch Flächen für Ausstellungen oder Aufführen unter freiem Himmel schweben einigen Teilnehmern vor.

Für den Ständehaus-Park bringen Architekten mehrfach einen Bootsverleih ins Spiel. Foto: ale

Verbindende Elemente Auch auf anderem Weg sollen Kunst und Kultur in den öffentlichen Raum rücken. „Kometen“ bringt ein Büro ins Spiel, die als Skulptur oder Ausstellungsraum fungieren könnten, sie würden über den Ring verteilt platziert. Ein anderer sieht Türme vor, die auch als Aussichtsplattform dienen könnten.

Ein simpler, allerdings gleichsam spektakulärer Entwurf sieht einen Höhenweg vor, der auf Stelzen in Form eines Quadrats auf die Stadt gesetzt wird. Zwei seiner Seiten führen sogar über den Rhein, vor der Kunstakademie sind hier etwa Flächen für Skulpturen angedacht, ansonsten soll der Spaziergang schlichtweg ein besonderes Panorama bieten.

Ein Team schlägt einen Höhengang vor, der im Quadrat auf die Innenstadt gestellt würde. Foto: ale

Eine andere Idee ist eine erhöhte Wasserstraße mit Wanderweg daneben, eine weitere beinhaltet als Highline angelegte Fuß- und Radwege. Auch eine Fußgängerbücke über den Rhein wird vorgeschlagen, samt Ausstellungsraum auf der anderen Uferseite. Ein Architekt will dort übrigens auch die Oper neu bauen.

Realistischer sind die Vorschläge für ausgebaute Alleen, die den Ring stärker ausbilden sollen. Ein Planer schlägt zudem spielerische Elemente vor: Ein Spiegelkabinett etwa, Speakers’ Corner oder einen verglasten Proberaum für Bands.

Verkehrswende Viele Planer denken die Verkehrswende gleich mit und wollen den Autoverkehr deutlich reduzieren. Hier werden Fahrspuren für Autos entfernt oder das Innenleben des Rings gleich zur autofreien Zone erklärt. Der Ring selbst wird hier wie bei einigen anderen Vorschlägen zum Shared Space, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt unterwegs sind.

Eine Idee geht davon aus, dass der Verkehr auf Heine-Allee und Breite Straße auch in Richtung Süden geführt werden könnte, sodass die Kurve vor dem Wilhelm-Marx-Haus samt Kasernenstraße vom Verkehr befreit würde. Ein Planer geht noch weiter: Er verwandelt die Oberkasseler Brücke in eine Art Galerie-Park, die Autos werden durch einen neuen Rheintunnel geführt.

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