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Billigjobs: Wenn der Lohn nicht reicht

Billigjobs: Wenn der Lohn nicht reicht

Nicht alle profitieren vom Aufschwung. In Düsseldorf steigt die Zahl der Niedriglöhner. 4200 Düsseldorfer bezogen 2006 trotz fester Jobs Unterstützung von der Arge.

Düsseldorf. Eigentlich ist Nils Groß (Name von der Redaktion geändert) ein ruhiger Mensch. Aber manchmal, da packt den 23-Jährigen die Wut. Zum Beispiel, wenn er schaut, was auf seinem Konto nach Abzug aller Fixkosten übrig bleibt. Große Ausgaben erlaubt sich seine vierköpfige Familie nicht. "Trotzdem reicht das Geld nicht", sagt Groß.

Dabei hat der 23-Jährige eine volle Arbeitsstelle, als Gas-Wasser-Installateur. Er hat die Schule zügig abgeschlossen, danach eine Ausbildung gemacht und sich fortgebildet. Nils Groß ist also das, wonach der Arbeitsmarkt momentan angeblich schreit: jung, ausgebildet, motiviert.

Und dennoch ist Groß auf Unterstützung durch die Arge aus Arbeitsagentur und Stadt angewiesen. Die ist für die Betreuung Langzeitarbeitsloser zuständig - und für Fälle wie Nils Groß. "Aufstocker" heißen diese im Behördendeutsch. Weil sie auf ihr Gehalt noch Teile des Arbeitslosengelds II drauf bekommen.

Dabei scheint in der Wirtschaft ein Umdenken einzusetzen. Sylvia Knecht vom Zeitarbeitsriesen DIS am Seestern sagt: "Ein Mindestlohn würde uns vor unseriöser Konkurrenz schützen. Denn wir zahlen jetzt schon anständige Löhne - sind aber im Wettbewerb mit Anbietern, die uns mit Lohndumping unterbieten wollen." Ähnliches sagt Dienstleistungsunternehmer Josef Klüh: "Ein Mindestlohn schützt uns vor Billigkonkurrenz."

Recht: Vereinfacht gesagt haben jene Arbeitnehmer Anrecht auf Aufstockung ihres Gehalts durch die Arge, deren Einkommen niedriger ist als jene Zahlungen, die einem vergleichbaren Arbeitslosen aus dem Arbeitslosengeld II zustünden.