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Bezirksbürgermeisterin fordert Gedenktafeln zum Wehrhahn-Anschlag

Interview : „Tafeln sollen an Wehrhahn-Anschlag erinnern“

Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner ist die Erinnerungsarbeit wichtig. Welche anderen Themen den Stadtbezirk 1 beschäftigen und welche neuen Kontakte sie knüpfen möchte, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Sie will auf jeden Fall weiter Kommunalpolitik machen. Das macht SPD-Politikerin Marina Spillner (57) angesichts der Wahlen im kommenden Jahr deutlich. Sie ist die Bezirksbürgermeisterin für den Stadtbezirk 1 (Altstadt, Carlstadt, Derendorf, Golzheim, Pempelfort und Stadtmitte) und muss somit auch einen Blick auf die Innenstadt-Themen haben. Ein Gespräch über Aktuelles und Ausblick auf Neues im Jahr 2020.

Frau Spillner, auf der Prinz-Georg-Straße wurde eine der drei Düsseldorfer Umweltspuren eingerichtet, also in Ihrem Bezirk. Wie läuft es da?

Marina Spillner: Da läuft es gut. Ich fahre dort oft mit dem Fahrrad entlang und manchmal mit dem Auto. Ich habe noch nie im Stau gestanden. Vorher fuhr man mit dem Rad an der Düssel entlang, kam Fußgängern und Hunden in die Quere, holperte über Wurzeln. Entscheidend ist, dass das Fahrrad als Verkehrsmittel gesehen wird, mit dem man schnell von A nach B kommt. Das geht jetzt auf der Umweltspur.

Haben Sie dennoch Verständnis für die Kritik der Pendler, die nun wegen der dritten Umweltspur im Süden länger brauchen, um nach Düsseldorf zu kommen?

Spillner: Klar, verstehe ich, dass man sich ärgert, wenn die Fahrt zur Arbeit länger dauert. Aber ich habe mit Pendlern aus Wuppertal gesprochen und gemerkt: Von denen wollen viele nichts ändern. Nicht mit jemanden mitfahren, nicht die Bahn testen. Alle sagen, der Klimaschutz sei ihnen wichtig. Aber wenn man selbst nichts dafür tun will, kann ich das nicht einsehen.

Bleiben wir noch kurz beim Thema Verkehr und kommen zu einem Ärgernis für Radfahrer. Die müssen, wenn sie über die neuen Brücken an der Landskrone in die City kommen, rund um die Libeskind-Bauten absteigen.

Spillner: Ja, der Bericht in der WZ hat mich überrascht. Das war so nicht vorgesehen und ist auch nicht mehr zeitgemäß. Der Hofgarten ist ja eine Achse für den Radverkehr. Auch die Schadowstraße soll ja in der Mitte einen Radweg bekommen.

Apropos Schadowstraße. Wird die im neuen Jahr umgebaut?

Spillner: Was anderes habe ich nicht gehört. Es wird ja auch Zeit.

Wie gefällt Ihnen denn der Kö-Bogen II, das Ingenhoven-Tal?

Spillner: Ich finde den Kö-Bogen II sehr wuchtig und kann mir das alles noch nicht so richtig vorstellen. Bei mir bleibt die Sorge, dass die Wirkung des Schauspielhaus-Baus minimiert wird.

Wo Sie das Theater, das ja gerade noch saniert wird, ansprechen. Welche Wünsche haben sie für die Oper, die sich ja ebenfalls in Ihrem Bezirk befindet?

Spillner: Ich liebe die Oper, so wie sie ist. Ich weiß natürlich, dass die Technik erneuert werden muss. Aber wir brauchen keine neue Super-Oper. Das ist viel zu teuer, dann bleibt kein Geld mehr für Projekte in den Stadtteilen.

Mit dem Verkauf des Carschhauses wird auch der Vorplatz umgestaltet. Wie sehen Sie das?

Spillner: Ich weiß, dass viele den Pavillon erhalten wollen. Mir ist wichtig, dass die Bürger und die Stadt die Planung mitgestalten und es nicht allein nach dem Bedarf des Immobilienbesitzers geht.

Sie bieten als Bezirksbürgermeisterin Kinder-Sprechstunden an. Setzen Sie diese fort?

Spillner: Ja, das ist für mich auch Demokratie-Erziehung. Ich möchte gegen die Politikverdrossenheit wirken, Stadtpolitik erklären, mit den Kindern auf Augenhöhe reden, ihre Wünsche erfahren.

Welche sind das?

Spillner: Ganz konkret haben sich Kinder und Jugendliche für Behinderte eine Rollstuhlschaukel gewünscht. Die wird die Bezirksvertretung 1 auf dem Spielplatz im Hofgarten aufstellen lassen. Und auf dem Frankenplatz wurde auf Wunsch des Schülerrates der Thomas Schule kurz vor Weihnachten die Seilbahn erneuert. Das hat leider lange gedauert.

Welche Themen bewegen die Kinder noch?

Spillner: Ich war zuletzt in der Förderschule an der Franklinstraße. Die Kinder interessieren sich sehr für Umweltthemen, wissen viel darüber. Da haben wir uns spontan zu einer Dreck-weg-Aktion im Frühjahr an der Düssel verabredet.

Neben den Sprechstunden für Bürger des Stadtbezirks 1, für Kinder und für Senioren haben Sie eine neue Idee.

Spillner: Ja, ich hatte ein Gespräch mit Edeltraud Vomberg, der Leiterin der Hochschule Düsseldorf. In Derendorf studieren rund 10 000 junge Frauen und Männer. Rund 80 Prozent von ihnen sollen in Düsseldorf leben. Deshalb werde ich im neuen Jahr auch Sprechstunden für die Studierenden anbieten. Mich interessiert ihr Blick auf die Stadtteile.

Was ist Ihnen 2020 noch wichtig?

Spiller: Mir ist immer die Erinnerungsarbeit in unserem Bezirk wichtig. Am 27. Juli 2000, also bald vor 20 Jahren, ereignete sich der Wehrhahn-Anschlag. Daran möchte ich mit zwei Tafeln erinnern, einer kleineren am damaligen Explosionsort und einer größeren an der Brücke des S-Bahnhofes. Das sind wir den Opfern schuldig, die sich damals beklagt hatten, dass sie so wenig Unterstützung von der Stadt oder von Behörden bekommen haben.

Die Verschönerung des Rochusmarktes ist seit Jahren ein Thema des Stadtteilparlamentes. Passiert dort nun etwas?

Spillner: Der letzte Händler ist ja nun weg, der Platz seit einem Jahr frei. Die Verwaltung hat geplant und vorgeschlagen, Bäume zu pflanzen und Sitzgelegenheiten zu schaffen. Es wird neu asphaltiert. Das war aber manchen in der Bezirksvertretung nicht genug. Es fehlt noch etwas Besonders, etwa ein Brunnen oder eine Fahrradstation.

Vor wenigen Tagen haben Sie eine Studie der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung zur Lebensqualität in der Altstadt und Carlstadt präsentiert. Hat Sie die gute Bewertung und Zufriedenheit der Anwohner überrascht?

Spillner: Ja, in der Tat. Jetzt haben wir Politiker zudem eine gute Grundlage für weitere Planungen. Den Wunsch der Senioren nach Fitness-Geräten im öffentlichen Raum nehme ich jetzt mit in die Bezirksvertretung. Und auch die Nachfrage nach mehr Anwohnerparkplätzen in den vorhandenen Parkhäusern.

Bei den Befragungen zur Studie kam heraus, dass manche fürchten, der Carlsplatz könnte kippen, weil es dort immer mehr Weinhändler und entsprechend Alkoholausschank gibt. Teilen Sie die Sorge?

Spillner: Nein, ich meine nicht, dass das kippen kann. Verhältnis und Balance zwischen Lebensmittel-Händlern und anderen Anbietern sollte von der Marktsatzung geregelt sein. Toll war übrigens der erste Künstlermarkt auf dem Carlsplatz in diesem Jahr. Der hat noch mal ein neues Publikum gebracht.

Frau Spillner, 2020 sind Kommunalwahlen. Sie wollen wieder antreten.

Spillner: Ich werde für die Bezirksvertretung und den Stadtrat kandidieren. Als Bezirksbürgermeisterin kenne ich nun viele Menschen, viele Ecken, viele Vorgänge. Und ich bekomme von vielen Vereinen oder Schulleitungen Zuspruch für meine Arbeit.