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Betrug: Aufstieg in die besseren Kreise begann auf der Rennbahn

Betrug: Aufstieg in die besseren Kreise begann auf der Rennbahn

In der feinen Gesellschaft ging Kai von Bargen ein und aus: Der frühere Henkel- Manager ist in einen Wirtschaftskrimi tief verstrickt.

Düsseldorf. Er kam aus dem Westfälischen in die Landeshauptstadt, aus der Provinz in eine Stadt mit vielen Vorzügen - gute Verbindungen, Spaß, Geld und schöne Frauen lockten. Kai von Bargen, der frühere Chefredakteur eines Lokalradios und Ex-Henkel-Manager, hat das alles geliebt und tut’s vermutlich immer noch. Um seinen Lebensstil zu finanzieren, soll er sich tief in atemberaubende Betrugsfälle verstrickt haben.

Vor einigen Wochen kam raus, dass Kai von Bargen mit seinem Komplizen Willi L. Henkel-Forderungen fingiert und an einen Finanzdienstleister verkauft haben soll. 45 Millionen Euro wurden in einem Schneeballsystem umgesetzt, von elf Millionen fehlt jede Spur. Gegen ihn wird wegen Betrugs und Urkundenfälschung ermittelt. Im gestern bekannt gewordenen Streit zwischen Henkel und Mercedes um ein 90-Millionen-Sponsoring für die Formel 1 soll der 43-Jährige sogar die Hauptrolle spielen.

Wer ist Kai von Bargen? Er fiel um die Jahrtausendwende in Düsseldorf neben seinen journalistischen Aufgaben zunächst als Netzwerker auf, besuchte einen Termin nach dem anderen und knüpfte, etwa bei vielen Besuchen auf der Rennbahn, Kontakte. Er wirkte stets ungezwungen, sympathisch, redegewandt. Nebenbei bildete er Radio-Nachwuchs aus und hielt sich geradezu obsessiv mit Jogging fit. Ein Marathonläufer.

Rastlos, getrieben - auch vom Wunsch nach mehr. Er lernte den inzwischen ebenfalls bei Henkel ausgeschiedenen Kommunikationschef Ernst Primosch kennen, die beiden verstanden sich bestens. Von Bargen wechselte vor rund fünf Jahren zum Konzern. Bald berichtete er ehemaligen Berufskollegen von Besprechungen in Gabriele Henkels Haus, von Abenden mit Aufsichtsratschef Albrecht Woeste. Bei Henkel machen sie heute drei Kreuze...

Dort ließ sich gutes Geld verdienen - das von Bargen gebrauchen konnte. Schließlich hatte er einen luxuriösen Bauernhof in Duisburg-Rheinhausen gekauft, in der Scheune stand ein schmucker Oldtimer - ein roter Mercedes SL. Dann kam die Trennung von der bodenständigen Freundin und der Umzug in einen Loft. Stolz erzählte von Bargen vor einigen Monaten, sich einen Porsche Cayman geleast zu haben. Zuletzt staunten die Henkel-Kollegen nicht schlecht, mit welchen Fahrzeugen von Bargen vorfuhr - in einem Aston Martin fährt ja sonst James Bond durch die Gegend.

Am Ende bleibt bei allen Straftaten die Frage nach dem Motiv. Warum verstrickt sich ein beruflich erfolgreicher Mann in ein riskantes und betrügerisches Schneeballsystem? Staatsanwalt Johannes Mocken will sich zwar nicht zum konkreten Fall äußern, gibt aber eine grundsätzliche Einschätzung. "In den meisten aller Betrugsdelikte ist das Motiv für die Täter Geldgier." Vielen ginge es um Vermögensvermehrung und Statussymbole. Eher selten seien Schulden die Ursache.

Die wichtigste Ressource eines Hochstaplers sei dabei die Überzeugungskraft. "Hochstapler sind absolute Sympathieträger und ungeheuer flexibel im Umgang mit Menschen", sagt Mocken. Die Folge: Die Opfer fühlen sich wohl, während sie über den Tisch gezogen werden. "Es ist immer wieder erschreckend, wie leicht Menschen zu manipulieren sind."