Berufskolleg will Europa und Digitalisierung verknüpfen

Schulserie : Das Max-Weber-Berufskolleg will Europa und die Digitalisierung verknüpfen

In unserer Serie stellen wir die Schulen dieser Stadt vor. Unsere Autoren besuchen die Einrichtungen an einem normalen Schultag und berichten davon. Am Ende des Jahres wählt eine Jury die Träger des Schulpreises, den die WZ und die Stadtwerke vergeben. Dieses Mal: das Max-Weber-Berufskolleg in Bilk.

Auf der Merowinger Straße lärmt der Berufsverkehr, nicht weit davon entfernt liegt das Max-Weber-Berufskolleg in der Suitbertusstraße. Das Viertel macht sich: Gegenüber der Schule sind die Townhäuser der Karolinger Höfe entstanden und auch die Schule erhält einen Erweiterungsbau, der die bisherige Außenstelle überflüssig machen wird. An dem Berufskolleg lernen hauptsächlich Berufsschüler (93 Prozent), weitere Ausbildungszweige sind die Höhere Handelsschule und die Fachoberschule. Für Christine Vogt war das Max-Weber-Berufskolleg ein Glücksgriff. Die 21-jährige hat nach zweieinhalb Jahren ihre Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement in diesem Sommer abgeschlossen. „Nach dem Abitur habe ich zunächst an der Uni Köln studiert“, sagt Christine Vogt. „Ich habe aber gemerkt, dass ich das Schulische brauche und besser in kleinen Klassen lernen kann.“

Mit dem Erasmus-Projekt drei Wochen in Polen

Die Schulleiterin Sabine von Zedlitz (l.) mit Barbara Stieldorf und Nick Denis. Foto: Zanin, Melanie (MZ)

Christine Vogt brach das Studium ab und bekam ein Ausbildungsplatz bei der Metro Advertising in Düsseldorf. Inzwischen ist sie übernommen worden und studiert nebenberuflich an der FOM in Düsseldorf, einer Hochschule für Berufstätige. „Es gibt viele Studienabbrecher an der Berufsschule“, sagt die Schulleiterin Sabine von Zedlitz-Neukirch. Ab dem Schuljahr 2020/21 bietet das Berufskolleg eine studienintegrierte Ausbildung an, mit der Berufsschüler Leistungen erbringen können, die von der FOM angerechnet werden. Damit wird den Schülern der Weg geebnet, die im Anschluss an ihre Ausbildung berufsbegleitend studieren wollen.

Blick in einen Unterrichtsraum: Hier steht Digitales im Vordergrund. Foto: Zanin, Melanie (MZ)

Das Max-Weber-Berufskolleg bot Christine Vogt zusätzlich eine interessante Perspektive: Sie konnte während ihrer Ausbildung mit einem Erasmus-Projekt für drei Wochen in einer Filiale der Metro in Polen arbeiten. „Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt in Warschau, obwohl ich das erste Mal alleine in einem fremden Land gelebt habe“, sagt Vogt. Das Berufskolleg bietet seit 2014 das Auslandsprogramm an, mit dem etwa 25 bis 30 Schüler pro Jahr einen Teil der Ausbildung im Ausland absolvieren. Wobei es immer von den einzelnen Betrieben abhängt, ob der Aufenthalt unterstützt wird. „Es gibt keine Kultur der Auslandsaufenthalte. Die Schüler müssen sich häufig selbst einen Betrieb suchen. Dabei übernehmen die Jugendlichen Verantwortung und das verändert sie“, sagt Nick Denis, Koordinator der Auslandspraktika.

Das Kolleg als Sprungbrett zum Ausbildungsplatz

Das Max-Weber-Berufskolleg ist aber auch Sprungbett, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „Vor meiner Ausbildung habe ich viele Bewerbungen geschrieben. Das war damals ein Drama“, sagt Josephine Moore. Dann nahm sie am Projekt Super-Azubi teil und bekam einen Ausbildungsplatz zur Kauffrau für Büromanagement bei der Creditreform Düsseldorf. Die Ausbildung hat sie inzwischen abgeschlossen und ist übernommen worden. Walaa Jassem fühlt sich mit ihrem Fachabitur für die Zukunft gut vorbereitet. Die Irakerin, die außer Deutsch auch Kurdisch, Arabisch und Englisch spricht, hat das beste Zeugnis in der Abschlussklasse gemacht. Gerade absolviert sie ein sechsmonatiges Praktikum, um an der FH Düsseldorf Internationales Business zu studieren.

Neben der Internationalisierung setzt das Berufskolleg auf den zielgerichteten Einsatz von digitalen Medien. „Wir wollen die Schüler auf eine multimedial vernetzte Berufswelt vorbereiten“, sagt Barbara Stieldorf. Sie ist für die Zentralabteilung Digitale Medien, Internationalisierung und Zusatzqualifikationen zuständig. „Die Arbeitswelt verändert sich, deshalb muss sich der Unterricht auch verändern“, sagt sie. Die Schüler übernehmen Verantwortung für den eigenen Lernprozess, indem sie ihre Tablets, Laptops und Computer nutzen, um sich Wissen anzueignen. Den Weg erarbeiten sie sich dabei selbst.

„Es reicht nicht, smarte Medien zu haben. Viel wichtiger ist, zu wissen, wie man sie im Unterricht einsetzt.“ Die Schüler lernen unter anderem, wie sie einen Podcast erstellen, im Netz recherchieren oder Erklärvideos schneiden. „Wir sind nicht nur Wissensvermittler, sondern wollen Schüler dazu bringen, selbst Lösungen zu finden“, sagt Stieldorf. In einem weiteren Schritt sollen die beiden Schwerpunkte des Berufskollegs verbunden werden. „Europa und die Digitalisierung werden verknüpft“, sagt Schulleiterin Sabine von Zedlitz-Neukirch. Im Herbst startet das neue Erasmus+-Programm „Digital Europeans“. Ziel ist es, neben der Sprache auch die digitalen Werkzeuge in anderen Ländern kennenzulernen.

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