Bergung: Eine Million Euro fürs alte Schiff

Bergung: Eine Million Euro fürs alte Schiff

Archäologen holen in Kaiserswerth das Plattbodenschiff aus dem Schlamm – es soll in Schloss Gottorf in Schleswig konserviert werden.

Düsseldorf. Ein teurer Fund, dieses Boot aus dem 18.Jahrhundert, das derzeit aus dem Morast des Kaiserswerther Rheinufers geborgen wird. 650000 Euro geben Stadt und Land im Rahmen der Deichsanierung für seine Hebung und erste Dokumentierung aus. Sobald es Mitte September zersägt und in Containern verstaut ist, wird es ins Schloss Gottorf nach Schleswig verfrachtet.

Die Fachleute in Norddeutschland werden das Holz in eine Lösung aus Zucker und Chemikalien stecken und schockgefrieren. Nach einer langwierigen Behandlung von sechs Jahren kehren die Einzelteile nach Düsseldorf zurück. Rechnet man 300000 Euro für diese Kur hinzu, die die Stadt allein trägt, so kosten Bergung und Konservierung knapp eine Million Euro.

Am Donnerstag spielte bei der Ortsbesichtigung am Herbert-Eulenberg-Weg Geld fast keine Rolle. Man habe für die Deichsanierung 4,7 Millionen Euro veranschlagt, aber günstigere Angebote erhalten, so dass der Deich nur 3,3Millionen Euro kostet, erklärte Kämmerer Helmut Rattenhuber. Der alte Deich muss von Grund auf erneuert werden.

In der Grube selbst wird weiterhin Grundwasser abgepumpt und in den Rhein geleitet, damit das Boot gehoben werden kann. Patrick Jülich und Eva Augustin entfernen mit Wasser und Spachtel Schlick und Schlamm vom Eichenholz. Aus dem Schiffsinneren bergen sie Funde aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Ein kleiner, weißer Pfeifenkopf mit Schmauchspuren und eine Tellerscherbe mit dem Datum 1743 beflügeln die Fachleute. Nur Helmut Luley vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege wiegelt ab: "Wir wissen nicht, ob die Funde vom Schiff oder einer Verfüllung sind."

Das 15 Meter lange Boot war viel im Einsatz, es hat Ramm-Spuren, Risse und zerbrochene Spanten. Aber der konkrete Schaden, der zum Sinken geführt hat, ist noch nicht erkennbar.

Im September werden die zersägten Einzelteile reisefertig sein. In der Zwischenzeit können sich die Düsseldorfer Gedanken zur endgültigen Bleibe des Fracht- oder Fährboots machen. Stadtdirektor Rattenhuber erklärte Donnerstag: "Wir suchen einen Standort, wo viele Leute hinkommen. Das kann ein Bahnhof oder ein U-Bahnhof sein." Auch das Pumpenhaus in Kaiserswerth bleibe im Gespräch.

Bis Anfang 2010 soll der Deichbau abgeschlossen sein.

Mehr von Westdeutsche Zeitung