„Bei uns im Fußball sind alle willkommen“

„Bei uns im Fußball sind alle willkommen“

Bernd Biermann, Vorsitzender des Fußballkreises, über Fortunas Aufstieg, was sein Sport von der Leichtathletik lernen kann und die Folgen des Falles Özil für die Basis.

Herr Biermann, die neue Amateursaison hat am Wochenende begonnen. Wie ist die Stimmung im Fußballkreis Düsseldorf?

Foto: Sergej Lepke

Bernd Biermann: Die Stimmung ist gut. Sehr gut sogar. (lacht)

Hat Fortunas Aufstieg die Amateure also beflügelt?

Biermann: Der Aufstieg von Fortuna ist für den Düsseldorfer Fußball grandios, und wenn sie die Klasse hält, ist das noch besser. Obwohl die Anstoßzeiten der Bundesliga Auswirkungen bis in den Amateurbereich haben werden, da werden wir das ein oder andere Problem bekommen. Das gab es ja auch in Westfalen. Bei uns am Niederrhein könnte es passieren, wenn die Fortuna gegen Bayern, Dortmund, Schalke oder Mönchengladbach spielt.

Fürchten Sie um Zuschauer?

Biermann: Weniger, an solchen Tagen fehlen aber Schiedsrichter und Jugendspieler, die samstags oder sonntags selbst im Einsatz sein müssten. Dann wird es Anträge auf Verschiebungen geben, was natürlich nachvollziehbar, aber nicht immer positiv für uns ist.

Nicht positiv ist ein gutes Stichwort. Für die Stimmung an der Basis ist auch die Nationalmannschaft nicht unwichtig. Nach dem WM-Erfolg gab es 2014 einen neuen Boom. Fürchten Sie, dass die schwache WM das Gegenteil bewirkt und die Kinder vielleicht mehr zur Leichtathletik wollen, weil sie diese Woche gesehen haben, dass es andere tolle Sportarten gibt?

Biermann: Nein, das wird sich nicht auswirken. Aber wo Sie gerade das Thema Leichtathletik ansprechen: Ich war vergangene Woche komplett in Berlin bei der EM. Das ist eine Welt, die wünscht man sich auch in anderen Sportarten. Die Begeisterung der Zuschauer war einmalig, da gibt es null Aggressionen. Auch die Sportler waren sowas von offen, die haben hinterher bei den Fans auf der Tribüne gesessen. Am Sonntag bin ich mit einem Silbermedaillengewinner zusammen in der S-Bahn vom Stadion weggefahren. Da ist niemand abgehoben, die reden auch alle ganz normal. Es war einfach grandios.

Würden Sie sich davon mehr beim Fußball wünschen?

Biermann: Von der Stimmung her, vom Umfeld her und von den Aktiven her würde ich mir das wünschen. Da kann der Fußball von der Leichtathletik lernen.

Der große Fußball hat dagegen zuletzt nicht das beste Bild abgegeben. Der Streit um den Nationalmannschaftsrücktritt von Mesut Özil hat hohe Wellen geschlagen. Gehören Sie zu denen, die befürchten, dass die jahrelange Integrationsarbeit in den Vereinen darunter leiden wird?

Biermann: Nein, das, was da passiert ist, hat nur indirekt mit der Basis zu tun. Aber trotzdem erleben wir so ein Verhalten wie das von Herrn Özil auch bei uns immer wieder.

Was meinen Sie?

Biermann: Dass die Schuld immer bei anderen gesucht wird, nie bei sich selbst. Und dann wird das auf die Schiene gesetzt, die wir nicht haben wollen.

Aber es gibt doch auch im Amateurfußball Rassismus.

Biermann: Sicher gibt es einzelne Fälle, wir leben nicht in einer ganz heilen Welt, aber so wie das hochgespielt ist, erleben wir das nicht.

Nun hat sich der DFB aber auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Biermann: Um Gottes Willen. Der DFB mit Herrn Grindel (Präsident), Herrn Löw (Bundestrainer) und Herrn Bierhoff (Manager) hat sich überhaupt nicht so verhalten, wie er es hätte machen sollen und müssen. Der Umgang mit dem Thema war nicht gut.

Im Düsseldorfer Fußball ist das anders? Da funktioniert das Zusammenleben der Kulturen?

Biermann: Ja, absolut.

Ohne Migranten würden die meisten Vereine ja nicht mal eine Mannschaft auf den Platz stellen können. Blicken wir auf die Entscheidungsträger, ist das aber anders. In der Führungsetage des Fußballkreises gibt es in Hamit Uzun nur einen Migranten. Müssen Sie da nicht noch nachbessern?

Biermann: Das sehe ich nicht so, gucken Sie mal genauer in die Vereine, da sehen Sie viele Funktionsträger mit Migrationshintergrund. Ich persönlich würde mir aber wünschen, dass es noch mehr werden, dass noch der ein oder andere mehr sagt: „Komm, ich möchte bei euch mitmachen.“ Bei uns im Fußball sind alle willkommen. Bei den Schiedsrichtern ist der Migrantenanteil schon recht hoch, und das klappt hervorragend.