„Bei einem Drittel ist das Methadon der Beikonsum“

„Bei einem Drittel ist das Methadon der Beikonsum“

Rund 1450 Menschen erhalten jeden Tag Methadon, die meisten in sieben Arztpraxen. Das System ist umstritten.

Düsseldorf. In Düsseldorf bekommen derzeit etwa 1450 Menschen täglich den vollsynthetisch hergestellten Heroin-Ersatzstoff Methadon. Nur gut zehn Prozent von ihnen werden vom Gesundheitsamt versorgt, der Rest bekommt das Methadon in flüssiger Form in einer von sieben Arztpraxen.

An diesem System gibt es immer wieder Kritik. Streetworker etwa meinen, dass oft nicht genug versucht werde, die Abhängigen ganz von Drogen loszubekommen. Zudem sei manche Praxis eher eine „Tankstelle“ ohne echte Betreuung, bei der die „Junkies“ im Fließbandbetrieb abgefertigt würden. Auch Jochen Alxnat, Chef des Drogenhilfevereins sieht — ohne dass er dafür den Ärzten die Schuld gibt — dieses Grundproblem: „Viele Betroffene werden mit dem Methadon allein gelassen, es gibt darüber hinaus keine echten Hilfsangebote für sie.“

Unstrittig ist, dass viele Substituierte „Beikonsum“ haben, heißt: nebenher Drogen nehmen und/oder Alkohol konsumieren. Alxnat schätzt, dass ein Drittel damit gut lebt, ein Drittel hat mal mehr, mal weniger Beikonsum. Und beim letzten Drittel ist praktisch das Methadon der Beikonsum.

Das soll regelmäßig überprüft werden durch Urin-Kontrollen, doch es gibt den Verdacht, Ärzte nähmen es damit nicht so genau, um nicht viele Patienten zu verlieren. Bernhard Hoff ist Hausarzt und behandelt mit zwei Kollegen an der Charlottenstraße seit Jahren Drogenabhängige, derzeit sind es mehr als 100. Er weist solche Verdächtigungen zurück: „Wir machen die Substitutionsbehandlung streng nach Vorschrift.“

Die Methadonvergabe müsse aus organisatorischen Gründen morgens vorgezogen werden, „eine weitere Betreuung findet dann oft später am Tag in der Praxis statt“, sagt er. Allerdings stellt er auch klar, dass etwa die Stadt gut reden habe, die ihre Leistungen aus Steuermitteln schöpfe: „Wir finanzieren alles auf Basis von Kassenhonoraren. Und die Kassen zwingen uns, nur das Notwendigste zu tun.“ Psychosoziale Hilfe etwa sei keine ärztliche Leistung, dafür gebe es ja eine Reihe von Stellen — dennoch beschäftige er auch eine Sozialarbeiterin.

Während Alxnat für eine Diamorphin-Vergabestelle ist, wenn das der geeignetere „Stoff“ ohne Beikonsum sei, ist Hoff skeptisch: „Ich sehe nicht den Bedarf, der den riesigen Aufwand rechtfertigen würde. Das liegt schon daran, dass immer weniger Heroinsüchtige den Stoff spritzen, wie es in den Vergabestellen vorgesehen ist.“

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