Bei der Feuerwehr Düsseldorf arbeiten nur vier Frauen

Personal : Nur vier Frauen in der Feuerwehr: Weibliche Verstärkung gesucht

Dem weiblichen Quartett stehen 750 Männer gegenüber. Noch bis zum 12. Oktober sind Bewerbungen für das nächste Ausbildungsjahr möglich.

Bei der Polizei sind Frauen in Uniform längst angekommen. Bei vielen Behörden ist das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen. Doch bei der Feuerwehr will sich die Begeisterung der weiblichen Bewerber nicht einstellen. Unter den 750 Feuerwehrleuten im aktiven Dienst sind in Düsseldorf nur vier Frauen. Eine davon ist Cornelia Wagner, 26 Jahre alt und seit 2011 dabei. Bereut hat sie ihren Entschluss nie: „Man muss sich halt durchsetzen.“

Warum sich so wenige weibliche Bewerber für den hoch angesehenen Beruf interessieren, kann sich auch Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen nicht erklären. Im vergangenen Jahr waren unter den rund 700 Kandidaten nur zehn Prozent Frauen. Durch die Prüfungen schaffen es aber nur wenige. Schülpen: „40 Prozent fallen schon beim Online-Test durch.“ Danach beginnt erst das eigentliche Auswahlverfahren mit weiteren schriftlichen Prüfungen, persönlichen Gesprächen und dem Fitness-Test. Dabei sei die Durchfallquote bei Männern und Frauen in allen Bereichen etwa identisch.

Beim Sport gelten für alle
die gleichen Anforderungen

Anders als bei der Polizei werden beim Sport die gleichen Anforderungen an beide Geschlechter gestellt. „Wenn eine Person gerettet werden muss, müssen alle in der Lage sein, sie zu bergen. Auch wenn sie mehr als 50 Kilogramm schwer ist“, sagt der Feuerwehrsprecher. Das sei aber nicht der Grund, warum der Unterschied so groß sei. Auch viele männliche Bewerber scheitern beim Fitness-Test, weil sie Höhenangst haben oder nicht genügend Balance auf dem Schwebebalken zeigen.

Für Cornelia Wagner ist das alles kein Thema. Sie wurde nicht in eine „Feuerwehr-Familie“ hinein geboren, wie das bei vielen Kollegen der Fall ist. Die 26-Jährige nimmt mit ihrem Riesenschnauzer an Einsätzen der Rettungsorganisation Isar teil: „Dabei habe ich auch Feuerwehrleute kennen gelernt. Der Teamgeist hat mir sofort gefallen.“

Vor sieben Jahren begann sie ihre dreijährige Ausbildung, zunächst mit dem handwerklichen Teil. Inzwischen ist sie Brandmeisterin, Rettungs- und Notfallsanitäterin abgeschlossen. Eine Zusatzausbildung zur Rettungstaucherin steht auf ihrem Wunschzettel zur weiteren Fortbildung. Für sie ist die Arbeit mit den männlichen Kollegen längst selbstverständlich geworden: „Man muss hat wissen, ob man in die Welt der Feuerwehr passt.“

Was das heißt? 24–Stunden–Dienst, gemeinsam frühstücken, gemeinsam kochen, Sport treiben, rund um die Uhr auf engstem Raum zusammen sein. Auch Heiligabend wird manchmal gemeinsam auf der Wache gefeiert. Und bei den Einsätzen müssen sich alle aufeinander verlassen können. Cornelia Wagner kann alles, sie sitzt auch am Steuer des großen Löschzugs und fährt mit Blaulicht durch die Stadt: „Es ist die Arbeit in einem tollen Team, die mir Spaß macht.“

Ob sie sich mehr Frauen bei der Feuerwehr wünscht? Darauf antwortet die 26-Jährige diplomatisch: „Manchmal ist es bei Einsätzen gut, wenn eine Frau dabei ist. Zum Beispiel, wenn wir es mit Personen aus anderen Kulturkreisen zu tun haben.“ Auch in Notfallsituationen verweigern manche Männer die Behandlung ihrer Frauen, wenn nur Ärzte zur Verfügung stehen. Inzwischen gebe es bei den Notfallmedizinern aber auch mehr Frauen. Mit dem 24-Stunden-Dienst hat die Feuerwehrfrau kein Problem. Denn der wird durch längere Freizeitblöcke ausgeglichen. Die Frage, was ihr an dem Beruf am besten gefällt, beantwortet Cornelia Wagner ganz schnell: „Das Feuer-Ausmachen im Angriffstrupp. Und dass kein Tag wie der andere ist.“

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