1. NRW
  2. Düsseldorf

Bauskandal um die alte Paketpost

Bauskandal um die alte Paketpost

Rattenhuber muss sich "gigantische Schlamperei" vorwerfen lassen.

Düsseldorf. 17,6 Millionen Euro teurer als geplant: Der Skandal um den Umbau der alten Paketpost an der Worringer Straße schlägt immer höhere Wellen. Arg in die Bredouille gerät nun Helmut Rattenhuber, Stadtdirektor und Kämmerer. In ihm sehen viele Politiker den Verantwortlichen.

In geheimer Sitzung versuchte Rattenhuber am Donnerstagabend, dem Stadtrat den Leasingvertrag mit der DAL bloß "zur Kenntnis zu geben". Und fiel durch. Nachdem ihr Bauexperte Friedrich Hassbach von einer gigantischen Schlamperei gesprochen hatte, sperrte sich sogar die CDU. Keine Fraktion wollte die Papiere zur Kenntnis nehmen, "denn damit säßen wir quasi mit im Boot", erklärt ein Ratsmitglied.

Rattenhuber verwies erneut auf den Ex-Bauamtsleiter und dessen Vertreter. Die, nicht er, hätten die Verträge für das inzwischen 57 Millionen Euro teure Projekt 2005 unterschrieben. Doch die Politik will keine Bauernopfer. Selbst wenn tatsächlich nur Amtsleiter unterschrieben hätten, stelle sich die Frage, wie der vorgesetzte Dezernent (damals: Rattenhuber) das zulassen konnte. Tatsächlich bestätigen zudem mehrere Politiker klipp und klar, dass es Rattenhuber war, der das Leasing-Modell vorher in internen Gesprächen als "alternativlos" empfohlen hatte.

Kernproblem der Verträge: Sie beinhalten keine Kostensicherheit, es gibt keinen garantierten Maximalpreis. Ein Politiker wettert: "Dümmer geht’s nicht. Es least auch niemand ein Auto, ohne zu wissen, wie hoch seine Raten am Ende ausfallen."

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP): "Die Mängel bei der Projektsteuerung sind so gravierend, dass wir wissen wollen: wer im Verwaltunsgvorstand übernimmt die verantwortung und zieht gegebenenfalls die Konsequenzen?" Und Iris Berllstedt (Grüne): "Ein solches Finanzdebakel ist beispiellos, wenn das keine Konsequenzen auf höchster Ebene hat, was sonst?" Mehr Klarheit soll im August herrschen, wenn der Bericht des Rechnungsprüfungsamtes vorliegt.

Günter Wurm (SPD) sieht dann die Verantwortung womöglich noch höher: "Selbst Rattenhuber könnte zum ein Bauernopfer werden. Er ist 61 und wird dann 2008 einfach nicht wiedergewählt. Aber auch sein Chef war voll involviert." Und wer ist sein Chef? Oberbürgermeister Joachim Erwin. . .