Baby getötet: Mutter muss ins Gefängnis

Baby getötet: Mutter muss ins Gefängnis

38-Jährige wurde am Mittwoch wegen Totschlags zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Düsseldorf. "Ein fataler Irrtum führte zu dieser Tragödie." Deutliche Worte fand der Vorsitzende Richter am Dienstag bei der Urteilsbegründung gegen die 38-jährige Mutter. Zuvor hatte die Schwurgerichtskammer die Frau wegen Totschlags zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Die Floristin, die aus einer früheren Beziehung zwei weitere Töchter hat, hatte im Juli im Marien-Hospital Baby Jenna zur Welt gebracht. Nach der Entbindung hatte sie sich mit dem Neugeborenen in einen Hauseingang an der Nettelbeckstraße gesetzt. Dort erstickte sie den Säugling und warf ihn in einen Müllcontainer.

Die Tat sei deshalb so tragisch, weil sie besonders sinnlos gewesen sei, betonte Richter Wolff. Denn alle Zeugen aus dem Umfeld der Frau hätten ausgesagt, sie wären froh gewesen, wenn das Kind noch leben würde. Die 38-jährige Floristin hätte aus Angst, ihre bürgerliche Existenz zu verlieren, ihre Schwangerschaft verheimlicht, heißt es. Ihr Freund (selbst Vater von erwachsenen Kindern) soll in einem Gespräch einmal angedeutet haben, dass er keine weiteren Kinder wolle.

Staatsanwalt Ralf Herrenbrück sprach in seinem Plädoyer von einer Vertuschungsspirale. Die blonde, schlanke Frau habe sich in eine Mischung aus Notlügen und Verschweigen hineinmanövriert.

"Ihre Selbstbeherrschung ist phänomenal", hatte zuvor eine psychiatrische Gutachterin betont. So habe die Frau ihrem Lebensgefährten und ihrem Vater gegenüber von Magen-Darm-Problemen gesprochen, obwohl sie längst mit Wehen im Bett lag. Sie stufte die 38-Jährige als voll schuldfähig ein.

Eine Gefahr für ihre beiden großen Töchter (fünf und acht) sei die Frau nicht. "Vielleicht können die Kinder irgendwann in die Familie zurück", sagte der Anwalt der Frau. Ihr Lebensgefährte hält zu seiner Freundin. Die 38-Jährige durfte den Gerichtssaal am Dienstag in Freiheit verlassen. Sie bekommt demnächst eine Ladung zum Strafantritt.

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