Baby Bee ist ein neuer Treffpunkt für Eltern in Düsseldorf

Freizeit mit Kindern : Spielraum „Baby Bee“ ist ein neuer Treffpunkt für Eltern an der Nordstraße

Jenna Witt und Eduardo Diaz haben im Nord Carree einen Spielraum für Kinder bis fünf Jahre eröffnet. Inspiration für das Konzept mit Mitmach-Angeboten und nachhaltiger Ausstattung bekam das deutsch-amerikanische Paar auf Reisen.

Ein kleines Mädchen mit rosa Bommelmütze auf dem Kopf drückt sich außen die Nase  an der Glasscheibe platt. Nicht nur Nachbarn und Passanten sind neugierig, was da hinter dem Schaufenster, nur wenige Meter vom Kinder- und Babycafé Pantakea im Nord Carree passiert. Eduardo Diaz, eigentlich gerade drinnen mit dem Feinschliff beschäftigt, entdeckt das Mädchen, schneidet Grimassen, biegt seinen Oberkörper nach links und rechts, trommelt mit den Fingerspitzen von innen gegen das Glas. Auch er kann es wohl kaum noch abwarten, bis die ersten Kinder den Spielraum „Baby Bee“ stürmen.

Während der Öffnungszeiten werden Kurse angeboten

Eduardo Diaz und seine Frau Jenna Witt haben mit dem Spielraum im Hinterhof der Nordstraße den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. „Wir sind selbst Eltern und haben für unsere Töchter immer eine schöne Spielumgebung gesucht. Jetzt haben wir sie einfach selbst geschaffen“, sagt die 33-Jährige. Ihren Mann lernte sie in Miami kennen. „Als Flugbegleiterin war ich damals ein- bis zweimal im Monat dort, abends in der Diskothek begegneten wir uns das erste Mal.“ Eine Zeit lang führten die Wuppertalerin und der gebürtige Kubaner eine Fernbeziehung, 2015 zogen sie gemeinsam nach Wuppertal. Ein Jahr später kam die erste Tochter Skadi auf die Welt. „Wir sind viel gereist, waren in Thailand, USA und Kuba“, erzählt Diaz auf Englisch. Dort lernte das Paar auch verschiedene Indoor-Spielplätze, Spieletreffs und Kurssysteme für Eltern mit Kindern kennen. „Wir wussten dann, was wir nicht wollen und haben uns einige Sachen abgeschaut, die wir gut fanden. Und bei denen wir überzeugt waren, dass es in Deutschland auch, wenn nicht sogar noch besser, funktionieren könnte“, sagt Diaz. Als mittlerweile vierköpfige Familie möchten sie jetzt „Baby Bee“ in Düsseldorf etablieren. Von Begriffen wie Indoorspielplatz oder Elterncafé will sich das Paar dabei aber distanzieren.

Der 190 Quadratmeter große Spielraum im Nord Carree bietet Spiel- und Klettermöglichkeiten für Kinder bis fünf Jahre. Die Ausstattung folgt den Prinzipien von Maria Montessori. „Die Kinder sollen selbst entscheiden, wozu sie Lust haben. Alle Spielsachen sind auf Augenhöhe, Kinder brauchen keine Hilfe der Erwachsenen, um sie zu erkunden“, erklärt Jenna. Der Spielraum ist offen, es gibt keine Einteilung in Spielbereiche für ältere oder jüngere Kinder. „Die Kinder können zusammen spielen und voneinander lernen.“ Auch auf Nachhaltigkeit legen die Inhaber viel Wert. Der große Rutsch- und Kletterturm ist aus nachhaltigem Zedernholz. Neben Holzspielzeug, Büchern und Kleidern für Rollenspiele gibt es Spieleautos aus recyceltem Plastik. „Einige Spielsachen, auch den Kletterturm, haben wir aus den USA mitgebracht“, erzählt Jenna Witt.

Auf der 15 Quadratmeter großen Freifläche im hinteren Bereich des offenen Spielraums werden ab Februar auch deutsch-englisch angeleitete Mitmach-Angebote für Kinder stattfinden — Tanzen, Yoga oder Gleichgewichtsübungen mit sogenannten Wobbel Boards sind geplant. Die Kinder, die den Spielraum besuchen, sollen selbst entscheiden, ob und wie lange sie mitmachen möchten. Zusätzliche Kosten für Eltern entstehen durch die Teilnahme nicht. „Wir orientieren uns an den Bedürfnissen der Kinder“, sagt Jenna. Damit sei das Konzept bisher in Düsseldorf einzigartig. „Viele Eltern denken, ein Tanzkurs müsste einen Anfang und ein Ende haben. Und sie haben die Vorstellung, das Kind müsse dann auch mitmachen, wenn man schon dafür bezahlt hat. Das fällt bei uns komplett weg.“

 Dass das bei Düsseldorfer Eltern bekannte Baby- und Kindercafé Pantakea nur wenige Meter entfernt liegt, sieht Witt nicht als Problem. „Wir verstehen uns nicht als Konkurrenten, sondern wollen uns ergänzen. Auch über gemeinsame Aktionen wie Sommerfeste haben wir bereits gesprochen“, sagt die 33-Jährige. Das Pantakea richte sich eher an Eltern jüngerer Kinder, biete klassische Kurse wie Geburtsvorbereitung oder Babymassage an und verkauft Frühstück, Snacks und verschiedene Kaffeespezialitäten. „Auch bei uns gibt es zwar Kaffee, Besucher können Essen und Getränke aber von zu Hause mitbringen“, sagt Jenna. Wichtig ist ihr, dass sich Mütter und Väter nicht zum Kaffeetrinken verabreden, sondern sich im Baby Bee mit ihren Kindern beschäftigen. „Wir wollen auch auf keinen Fall, dass Eltern sich hier hinsetzen und auf ihrem Handy herumspielen. Zur Not stellen wir  auch ein Handyverbotsschild auf.“

Auch mit dem Bezahlsystem wollen Witt und Diaz dafür sorgen, dass sich eine „Community“ bildet. „Wir möchten, dass unser Laden ein Treffpunkt für Eltern wird, die unsere Auffassung von einer schönen Spielatmosphäre teilen“, sagt Witt. Diejenigen seien dann auch bereit, eine Monatskarte (98 Euro für zwei Elternteile und ein Kind) oder eine Zehnerkarte (49 Euro, ein Stempel pro Person) zu kaufen, so die Hoffnung des Paares. Nur zum einmaligen Ausprobieren sei der Preis von 4,90 Euro pro Stunde gedacht. „Wir werden sehen, wie es angenommen wird. Es ist auch für uns alles ein großes Experiment“, sagt die 33-Jährige.

Baby Bee, Nord Carree 6, Öffnungszeiten sind montags bis samstags 9 bis 17.30 Uhr, sonntags und feiertags 9 bis 18 Uhr; an jedem ersten und letzten Sonntag im Monat 9 bis 14.30 Uhr.