Düsseldorf: Autofreier Sonntag: Volle Feste und menschenleere Straßen

Düsseldorf : Autofreier Sonntag: Volle Feste und menschenleere Straßen

Für Stadt und Rheinbahn war der Tag ein Erfolg. Rund um die Kontrollstellen ging es absolut entspannt zu.

Düsseldorfs erster autofreier Sonntag war nicht der große Wurf. Ab 11 Uhr war der gesamte Innenstadtbereich für Autos gesperrt. Wer in die Stadt wollte, konnte Busse und Bahnen umsonst nutzen. Das taten auch viele, trotzdem war die Resonanz unterschiedlich. Während das Hohe-Straßen-Fest, der Weltkindertag und der Fischmarkt gut besucht waren, blieben andere Teile der Stadt menschenleer. Sogar auf den Terrassen an der Königsallee, wo man sonst an einem schönen Sonntag keinen Platz bekommt, waren nur wenige Tische besetzt. Für die Stadt und die Rheinbahn war es trotzdem ein voller Erfolg.

Um Punkt 11 Uhr wurde der Innenstadtbereich abgesperrt. Das sei ohne große Probleme und ganz entspannt passiert, versicherte ein Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes, der am Kontrollpunkt Ratinger Straße den Verkehr ableitete: „Die meisten Autofahrer wissen von dem autofreien Sonntag.“ Einiges war bei der Premiere allerdings noch unklar. Die Fahrradstreife der Polizei wussten nicht, ob Taxifahrer mit einem Auftrag passieren durften. Durften sie, so die Kollegen vom OSD. Das machte allerdings kaum jemand.

An der Königsallee gab es
jede Menge freie Tische

So waren viele Straßen im abgesperrten Bereich nicht nur autofrei, sondern auch menschenleer. Das galt für die Breite Straße als auch für die Königsallee, wo sonst am Sonntag viel Trubel herrscht. Tino’s Bar hatte seine große Terrasse erst gar nicht geöffnet. Nachmittags wurde es zwar etwas voller, trotzdem war es kein Vergleich zu einem „normalen“ Sonntag an der Kö.

Ganz anders ging es bei den Festen zu. „Wir haben überhaupt nicht unter dem autofreien Sonntag gelitten. Hier es voll, alle haben gute Laune mitgebracht“, freute sich Frank Hermsen vom Altstadtmarketing, der das Fest an der Hohe Straße organisiert, „wir haben nicht weniger Besucher, aber auch nicht mehr.“ Ganz begeistert war Fischmarkt-Chefin Gabriela Picariello: „Ich habe mir schon ein bisschen Sorgen im Vorfeld gemacht. Aber der Besuch ist sensationell.“ Prita Wilcke, Mitarbeiterin von Cornelia Millack Design: „Ich bin mit der Bahn gekommen. Das war alles ganz prima. Genervt bin ich nur von den vielen E-Scootern.“

Viel los war auch an der Info-Meile Heinrich-Heine-Allee. Von der Rheinbahn über den ADFC bis zur Radstation gab es hier alle möglichen Stände zu umweltbeusstem Verhalten im Verkehr. Rheinbahnchef Klaus Klar hatte einen von zwei Elektrobussen mitgebracht, die im Düsseldorfer Süden schon im Einsatz sind: „Tagsüber fahren sie, nachts werden sie aufgeladen.“ Bis zum nächsten Jahr sollen noch zehn weitere E-Busse dazu kommen. Oberbürgermeister Thomas Geisel verzichtete ebenfalls aufs Auto: „Ich habe meinen ersten Termin in Benrath gemacht.“ Danach hatte er mit einem Kombination aus Rad, Regiobahn und Rheinbahn seinen Terminplan abgearbeitet. „Viele Menschen haben den heutigen Tag genutzt, um autofrei die Verkehrswende zu testen. Gratis, entspannt und umweltfreundlich haben sie Düsseldorf mit Bus und Bahn erkundet. Die tolle Resonanz zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Erfreulich war auch das große Interesse an der Infomeile in der Innenstadt, wo Experten neue Verkehrsangebote vorstellten und die Besucher einen Vorgeschmack auf die Mobilität der Zukunft erhielten“, so das Resümee des Oberbürgermeisters.

Die Rheinbahn präsentierte noch eine weitere alternative Energie – Muskelkraft. Mit einer Rikscha beförderte Carina Heinz, die sonst in der Projektleitung arbeitet, Besucher der Infomeile durch die Stadt. Johannpeter Halbach ließ sich von ihr von der Heinrich-Heine-Allee zum Rheinufer befördern: „Ich kenne das aus Wuppertal. Da ist das ein Renner.“ In Düsseldorf wird die Rheinbahn-Rikscha allerdings vorerst nicht regelmäßig unterwegs sein und nur zu Werbezwecken eingesetzt.

Trotz des autofreien Sonntags kam es in der City zu einem schweren Unfall. Dabei wurde ein Porsche so stark beschädigt, dass er einen Totalschaden davontrug. Wie ein Polizeisprecher erklärte, wollte der Fahrer eines VW nach den bisherigen Ermittlungen um 13.15 Uhr verbotswidrig von der Graf-Adolf-Straße in die Berliner Allee abbiegen. Dabei stieß der Wagen frontal mit dem Porsche zusammen. Eine Person wurde bei dem Zusammenstoß leicht verletzt.

(Dieter Sieckmeyer)
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