Aus Flüchtlingen werden Obdachlose

Aus Flüchtlingen werden Obdachlose

Knapp 3000 anerkannte Asylbewerber finden keine Wohnung. Auch für sie baut die Stadt eine neue Unterkunft, aber auch für andere Nutzer.

Düsseldorf. Nächste Woche wird der Planungsausschuss den Bau einer weiteren Wohnanlage im Flingerner „Märchenland“ für 160 Flüchtlinge beschließen. Die Kosten können noch aus dem bereits im Frühjahr 2016 genehmigten 69-Millionen-Euro-Paket beglichen werden, weil aus dem die geplante Wohnanlage an der Ickerswarder Straße nie realisiert worden ist. Mindestens auf den ersten Blick ist das trotzdem eine erstaunliche Nachricht, denn die Flüchtlingszahlen befinden sich auch in Düsseldorf längst im freien Fall.

Foto: Gstetenbauer/Stadt Düsseldorf

Die letzte offizielle Zahl 5862 stammt vom 1. Dezember, „inzwischen sind es sicher noch einmal deutlich weniger“, sagt Miriam Koch, die Leiterin des neuen Amtes für Migration und Integration. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von satten 24 Prozent, geplant hatte die Stadt für das ganze Jahr 2017 mit 9000 Flüchtlingen.

Warum also neue Unterkünfte? Weil es für sie neue Nutzergruppen gibt. SPD-Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke nannte sie jetzt im Sozialausschuss „die neuen Obdachlosen“. Gemeint sind — in Unterscheidung zu den heimischen Obdachlosen in der Stadt — anerkannte Flüchtlinge.

Von denen gibt es immer mehr, aktuell sind es gut die Hälfte aller Asylbewerber, also rund 2900. „Für sie bräuchten wir eine reguläre Wohnung, aber das ist auf dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt leider vollkommen utopisch“, sagt Miriam Koch.

Die beiden zweigeschossigen Modulbauten im „Märchenland“ sollen der Stadt aber auch lange vermisste Spielräume geben. So verschwinden die ungeliebten Notlösungen komplett. Koch: „Wir haben keine Flüchtlinge mehr in Hotels und in Leichtbauhallen.“ Zudem könne man auch andere Gruppen, etwa die klassischen Obdachlosen in den Modulanlagen vorübergehend unterbringen. Koch denkt aber noch weiter, hat auch Studenten, für die der Düsseldorfer Wohnungsmarkt ja ebenfalls ein Alptraum ist, im Blick: „Gut vorstellbar wäre das zum Beispiel in den großen Modulanlagen in Holzbauweise an der Oberlöricker und an der Völklinger Straße — wenn die frei würden.“ Das allerdings ist in Deutschland wegen des rigiden Baurechts schwierig, im Rathaus prüft die „AG Baurecht“ gerade, was da geht. Bis Ende Februar soll die Verwaltung nun ein Konzept für die Weiterentwicklung bisheriger Flüchtlingsunterkünfte für neue Nutzergruppen erarbeiten, das beschloss der Sozialausschuss einstimmig. Dabei interessiert die Politik auch, „wie ein friedliches Miteinander von Flüchtlingen und ,klassischen’ Obdachlosen gestaltet werden kann“, heißt es in dem Prüfauftrag.

Zum Ausgleich für Neubauten hat die Stadt neben den Leichtbauhallen auch eine ganze Reihe fester Standorte für Asylbewerber für neue Nutzungen freigegeben, so die Schulgebäude an der Lacomblet- und der Borbecker Straße sowie Objekte an der Emil-Barth-, Rückert-, Küppersteher- oder der Posener Straße.

Dem seit anderthalb Jahren geltenden Trend folgend sind alle Planungen auf weiter sinkende Flüchtlingszahlen ausgerichtet. Miriam Koch ist nicht ganz wohl dabei: „Das kann sich schnell wieder drehen. Ich war gerade auf Sizilien, da waren neue Flüchtlinge Thema Nummer eins im Fernsehen.“

Sollten wieder mehr Asylsuchende nach Deutschland und Düsseldorf kommen, hat die Stadt aktuell noch „Puffer-Grundstücke“ an der Itter- und an der Further Straße.

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