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Auf einer Stufe mit den Schwarzfahrern?

Auf einer Stufe mit den Schwarzfahrern?

Rheinbahn: WZ-Leser kritisiert Kontrollgeräte, die im Herbst in Bussen eingeführt werden.

Düsseldorf. Technischer Segen oder entwürdigende Kontrolle? Die elektronischen Lesegeräte, die ab Herbst in rund 500 Bussen der Rheinbahn eingebaut werden, kommen nicht bei allen Kunden des Beförderungsunternehmens gut an. "Wir werden in Sippenhaft mit den Schwarzfahrern genommen", beklagt WZ-Leser Wilhelm Graf.

Für einige schwarze Schafe würden gerade jene unter Generalverdacht gestellt, die treue Kunden und damit Geldgeber der Rheinbahn seien, meint der Oberbilker. Seit Jahren erwirbt er das Abo-Ticket 2000 für 44 Euro monatlich. Bald kommt er damit an einer elektronischen Kontrolle nicht vorbei. Wie berichtet, wird das digitale Gerät mit einem neuen Fahrausweisdrucker neben dem Sitz des Busfahrers eingebaut.

Die Tickets müssen dann - ähnlich der Technik an der Supermarktkasse - vom Besitzer über ein Feld gezogen werden. Freie Fahrt gibt es nur bei Grün und Gelb (der Kunde ist beim Einstieg kurz vor der Grenze seines Tickets). Eine entsprechende "LED-Ampel" soll dabei vom Fahrer im Blick behalten werden. Schaltet sie auf Rot, ist mit dem Ausweis etwas faul und der Kunde muss aussteigen - oder er kann einen neuen Fahrschein lösen.

Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher sieht in der elektronischen Einlasskontrolle, die in vielen anderen nahen Großstädten wie Wuppertal oder Duisburg bereits eingeführt ist, eine bessere Gleichbehandlung der Kunden. Bei der bisherigen Sichtkontrolle, die zudem in Verbindung mit dem Einstieg vorn (siehe Kasten) auch für alle gelte, könnten viele mit ungültigen Ausweisen unentdeckt durchschlüpfen: Säumige Abo-Kunden beispielsweise, die ihr Ticket einfach weiter benutzen. "Das wollen wir mit den neuen Geräten beenden."

Gerade letztere "Dunkelgrau-Fahrer" könnten für die technische Neuerung sogar dankbar sein: Wer vergessen hat, eine neue Wertmarke zu kaufen und das ungültige Ticket 2000 beim Busfahrer vorzeigt, laufe Gefahr, als Betrüger sogar strafrechtlich aktenkundig zu werden. Schumacher: "Das gibt sofort eine Anzeige und geht vor Gericht. Und das ist für viele Richter kein Kavaliersdelikt mehr." Anders als in Bahnen, wo "Vergessliche" meist mit einem "erhöhten Beförderungsentgelt" in Höhe von 40Euro davonkommen.

Dennoch räumt Schumacher ein, das Schwarzfahrer-Problem nicht ganz lösen zu können. "Wenn wir es schaffen, dass 98Prozent unserer Kunden zahlen, ist das ein guter Wert." Zurzeit wird die Dunkelziffer jener, die ohne Fahrschein in Bussen und Bahnen Platz nehmen, auf bis zu acht Prozent geschätzt. Schaden: vier Millionen Euro.

Eine falsche Investition trotz niemals lückenloser Kontrolle sei die Bestellung in Höhe von zwei Millionen Euro aber nicht. "Die neuen Fahrausweisdrucker waren sowieso notwendig", so der Rheinbahn-Sprecher. Auch Kontrolleure würden weiterhin zusätzlich in den Bussen eingesetzt.