Carspotter: Auf der Jagd nach schönen Luxusschlitten auf der Kö

Carspotter : Auf der Jagd nach schönen Luxusschlitten auf der Kö

Manuel Sturm hat ein seltsames Hobby: Er fotografiert gern sehr teure Autos.

Düsseldorf. Carspotter — das sind Großstadtjäger, ständig darauf bedacht, der erste zu sein, der schnellste. Böse Zungen nennen sie Paparazzi. Ihre Faszination ist die Welt der Reichen und Schönen - doch nicht die Menschen sind es, die es ihnen angetan haben, sondern das, womit sie sich fortbewegen. „Wir sind auf der Suche nach den exotischsten Autos der Stadt“, sagt Manuel Sturm. Er ist einer der Carspotter, die nahezu an jedem Wochenende an der Königsallee anzutreffen sind, immer bewaffnet mit ihren Kameras.

Sturm und seine Kollegen platzieren sich am Straßenrand und warten darauf, dass ein möglichst exotisches Gefährt an ihnen vorbeidüst — damit sie es fotografieren können. Was für Sturm exotisch ist? Ganz einfach - „der Preis“, sagt er. Wenn ein Wagen mehr als 100 000 Euro koste, sei das schon „ganz ordentlich“. Wenn ein Luxusschlitten eine Million kostet, sei das schon besser.

Es sind seltene Autos, auf die er aus ist, Autos, die man so nicht alle Tage sieht. Auch wenn Sturm eins von ihnen abgestellt am Straßenrand entdeckt, macht ihn das glücklich. „Hauptsache, ich kriege den Wagen vor die Linse“, sagt er. In der Region sei die Kö da natürlich der optimale Punkt, um die Autos seiner Träume anzutreffen. Denn es ist auch eine Welt der Träume, die er sich mit seinen Bildern schafft.

„Natürlich träume ich davon, selbst einmal in einem solchen Auto zu sitzen“, sagt der 23-jährige. Er war schon in Paris und London, auch zum Carspotting. „Da ist das natürlich nochmal eine ganz andere Nummer, da sieht man nochmal ganz andere Wagen“, sagt Manuel Sturm, der aus Erkelenz kommt und in Venlo Marketing studiert.

Alle Fotos macht er mit dem Ziel, sie auch zu veröffentlichen — sei es auf speziellen Webseiten für Carspotter aus ganz Europa oder auf der eigens dafür erstellten Facebook-Seite. „Jeder will zeigen, was er so erbeutet hat“, sagt Sturm. Die Fotos werden kommentiert und, wenn er mal wieder ein echtes Prachtexemplar abgelichtet hat, geteilt.

Geld lässt sich damit übrigens keins verdienen - „das ist alles nur Hobby“, sagt er. Die Reaktionen der Autofahrer, deren Wagen er fotografiert, seien überwiegend positiv. „Viele drehen für uns auch schon mal eine Extrarunde und fragen, wo sie sich die Fotos ansehen können.“ Ein Problem damit, dass Fotos vom eigenen Auto gemacht werden, hätten nur die wenigsten.

Angefangen hat alles vor vier Jahren. Und zwar damit, dass Sturm sich mit einem Freund auf der Königsallee getroffen hat - um Autos zu begutachten. „Erst haben wir nur geguckt und die schönsten Modelle rausgesucht, dann kam später irgendwann die Fotografie dazu. So hat das ganze seinen Lauf genommen“, erzählt er. Heute ist es sein größtes Hobby.

Sein bisher bestes Foto habe er vor ziemlich genau einem Jahr geschossen, als ein roter Aston Martin One-77 an ihm vorbeifuhr. Nur 77 Exemplare wurden davon weltweit hergestellt. Oft sei das Foto geteilt worden, viele Kommentare hätten andere Carspotter unter dem Bild hinterlassen. „Da ist man dann schon stolz“, sagt Sturm. Je schöner das Wetter sei, desto mehr Carspotter würden sich gerade im Frühling auf Düsseldorfs Prachtmeile tummeln.

Man kenne sich zwar mit der Zeit, komme aber nicht näher miteinander in Kontakt — Carspotter seien Einzelgänger. Und nicht zuletzt sei ja auch jeder andere Spotter ein Konkurrent.

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