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Arzttermine online buchen: Taugt das System etwas?

Internet : Arzttermine lassen sich immer öfter online buchen - taugt das System etwas?

Mehrere Unternehmen bieten die Online-Buchung von Arztterminen an. Wir haben uns zwei angeschaut, die in Düsseldorf aktiv sind.

Bei Reisen per Flugzeug oder Bahn sind Buchungen übers Internet Standard. Auf einen Blick lassen sich die angebotenen Termine vergleichen, Serviceleistungen wie Verspätungshinweise per SMS aktivieren. Die Terminvergabe beim Arzt läuft für die meisten Düsseldorfer noch anders, nämlich zumeist per Telefon. Doch nach und nach hält die Digitalisierung auch hier Einzug. Wir haben uns das Angebot der neben Doctena größten Anbieter Jameda und Doctolib angeschaut.

Wer sind die Unternehmen? Doctolib ist fünf Jahre alt und in Frankreich sehr erfolgreich gestartet, mit nach eigenen Angaben mittlerweile 60 000 angeschlossenen Ärzten. Seit zwei Jahren versucht das Unternehmen nun in Deutschland Fuß zu fassen, seit Anfang 2017 in Düsseldorf. Burda-Tochter Jameda ist vor zehn Jahren als Bewertungsportal für Ärzte gestartet. Mittlerweile bietet das Unternehmen auch Online-Buchungen an.

Wie verbreitet ist das Angebot bei Düsseldorf Ärzten? Doctolib gibt an, dass „in der Region Düsseldorf“ rund 300 Ärzte angeschlossen sind. „Wir haben hier sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Ilias Tsimpoulis von Doctolib. Jameda nennt eine Zahl für das Stadtgebiet Düsseldorf, sie liegt bei 237.

Wie läuft die Buchung konkret ab? Über die Internetseiten der beiden Anbieter lassen sich die gesuchten Ärzte nach Fachgebiet und Spezialisierungen herausfiltern. Ein Vorteil bei Jameda: Die Nutzer sehen, wie die zu buchenden Mediziner von anderen Patienten bewertet wurden. Das Prozedere selbst ist sehr einfach. Möglich ist die Buchung nicht nur auf den Internetseiten der Unternehmen, sondern auch der angeschlossenen Ärzte. Eine kurze Registrierung mit Name und E-Mail-Adresse ist nötig, bei der Terminwahl müssen Versicherungsart und Besuchsgrund angegeben werden. Unterschied: Bei Doctolib ist der Termin direkt gebucht, bei Jameda muss eine Bestätigung der Praxis abgewartet werden, da Online- und Praxiskalender nicht übereinstimmen.

Eine Testbuchung unserer Redaktion schlug sogar fehl, da ein Termin als frei angezeigt wurde, der es eigentlich nicht war. Immerhin folgte prompt der Anruf der Praxis.  Laut Jameda-Pressesprecherin Anne Schallhammer ist geplant, dass Ärzte bald „feste Terminarten definieren können, die ohne Rückbestätigung online buchbar sein sollen“.

Stornierungen sind in beiden Fällen mit einigen wenigen Klicks möglich.

Welche Vorteile haben Patienten von der Online-Buchung?  Zwar gibt es keinen persönlichen Kontakt mehr zur Praxis, dafür ist der passende Termin schneller zu finden, da der Patient die Kapazitäten auf einen Blick vor sich hat. Terminerinnerungen per SMS sind zudem Standard. Großer Vorteil bei Doctolib ist der Verspätungsalarm. Das heißt: Zeichnet sich im Laufe des Tages ab, dass der Patient mit Wartezeiten rechnen muss, wird er darüber informiert. Er kann dann den Termin verschieben oder eben entsprechend später kommen. Bei Jameda ist ein solcher Service laut Sprecherin Schallhammer „aktuell in Arbeit“.

Auch an einer anderen Stelle hat Doctolib die Nase vorn, Patienten können einstellen, dass sie über frühere, freiwerdende Termine informiert werden. Bei Jameda kann dieser Wunsch nur recht unverbindlich in ein Notizfeld eingegeben werden.

Mit einem Pfund können allerdings alle Ärzte wuchern, die Online-Buchungen anbieten: Die Patienten können auch abends und sonntags, also außerhalb der Sprechzeiten, einen Termin vereinbaren.

Welche Erfahrungen machen Ärzte? Efthimios Giannakoudis, Zahnarzt und Mitgründer des Zentrums „360°zahn“, setzt auf Doctolib und ist sehr zufrieden. „Wir gewinnen bei der Verwaltung freie Kapazitäten, die dann dem Patienten zugute kommen.“ Zudem gebe es auch weniger Terminausfälle, da es die automatische Erinnerungsfunktion gebe. „Das Angebot wird von unseren Patienten gut angenommen.“