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Arme Pauline: Frust statt Lese-Spaß

Arme Pauline: Frust statt Lese-Spaß

Regelbruch: Der Vorlesewettbewerb der sechsten Klassen der Gymnasien ist schiefgegangen. Die zwölfjährige Pauline ist schwer enttäuscht.

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p class="text">Für Pauline ging am 25. Februar die Welt unter. Beim Stadtentscheid des Vorlesewettbewerbs für die Gymnasiasten der sechsten Klassen wurde ausgerechnet ein Junge zum Sieger gekürt, der sich nicht an die Regeln gehalten hatte. Er hatte dieselbe Stelle vorgetragen, die er sich auch schon für den vorangegangenen Kreisentscheid in der Dumont-Lindemann-Schule ausgesucht hatte. Das ist gemäß den Regeln des Ausrichters, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, nicht erlaubt. Vorgeschrieben ist: In jeder Runde muss aus einem neuen Buch gelesen werden. Doch am 25. Februar war niemandem aus der Jury der Fehler aufgefallen.<h3 align="center">Bei der Suppenverschwörung fühlte sich Pauline selbst hintergangen

Pauline ist maßlos enttäuscht gewesen. Da stand die Zwölfjährige nun mit ihrem Buch "Serafina und die große Suppenverschwörung" und fühlte sich selbst böse hintergangen. "Sie kam nach Hause, hat nichts mehr gegessen und sich sofort ins Bett gelegt", erzählt ihre Mutter Sabine Leu.

Die hat sich dann auch sogleich für ihre Tochter ins Zeug gelegt und beim Börsenverein in Frankfurt nachgefragt. Dort ließ man sich mit einer Reaktion allerdings Zeit. Schließlich kam vor fünf Tagen die wenig zufriedenstellende Nachricht des Veranstalters: Die Regelmissachtung sei bekannt, dennoch werde man am Ergebnis nichts ändern.

"Hier ist etwas passiert, was nicht sein sollte", gibt Lothar Sand, Sprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, zwar zu. Aber: "Der Junge wusste es nicht besser, ihm hat offenbar niemand die Regeln erklärt. Man kann ihm seinen Sieg jetzt nicht aberkennen." Dass ausgerechnet die Jury den Regelbruch nicht bemerkt hat, ist Familie Leu absolut schleierhaft. Lothar Sand hat dafür eine fade Erklärung: "Bei jeder Runde wird eine neue Kommission zusammengesetzt. Die weiß nicht, was vorher gelesen wurde."

Zwar soll sich eigentlich jeder Teilnehmer für jede neue Wettbewerbsrunde mit dem jeweiligen Buchtitel beim Börsenverein anmelden, so dass man theoretisch die Titel vergleichen könnte. "Aber wir bekommen nicht immer alle Informationen", sagt Sand. Kurzum: Es gibt nichts und niemanden, der den korrekten Ablauf des Vorlesewettbewerbs nachhält.

Das Missgeschick vom 25. Februar will man wiedergutmachen und hat daher ausnahmsweise auch den zweitplatzierten Düsseldorfer Sieger zum Bezirksentscheid in Essen am 10. April zugelassen. Wer das sein wird, vermochte Sand allerdings noch nicht zu sagen. "Wir haben die Daten noch nicht."

Veranstalter: Bereits seit 1969 führt der Börsenverein den Vorlesewettbewerb zusammen mit Schulen, Buchhandlungen oder anderen Kultureinrichtungen durch. Mitmachen können jeweils die sechsten Klassen. Fast 700 000 Kinder beteiligen sich jedes Jahr.

Preise: Gewinnen können die kleinen Leseratten Bücher-Schecks. Die Sieger dürfen einen berühmten Schriftsteller kennen lernen und auf dem Kinderkanal selbst einen TV-Buchtipp geben.

Finale: In diesem Jahr findet die Endausscheidung am 12. Juni in Frankfurt statt.