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Anwohner in Düsseldorf wehren sich gegen neue Bäume

NRW : Lieber Parkplätze statt Bäume

Das Gartenamt will Bäume an der Alfred-Döblin-Straße, an der Carl-von-Ossietzky-Straße und der Walter-Kyllmann-Straße pflanzen.

Düsseldorf muss grüner werden. Um dieses Ziel zu erreichen setzt die Stadt das sogenannte Stadtbaumkonzept – früher bekannt als „1000-Bäume-Plan“ – um, und sucht dafür nach Standorten, an denen angeschlagene Straßenbäume ersetzt werden müssen oder neue Baumscheiben entstehen können. Normalerweise trifft das verantwortliche Garten-, Friedhofs- und Forstamt mit diesem Vorhaben auf Zustimmung aus der Bevölkerung, denn auch die Bürger wünschen sich mehr Grün vor der Haustür. Doch das ist nicht immer der Fall, wie in der Sitzung der Bezirksvertretung 10, zuständig für Garath und Hellerhof, klar wurde.

Eigentlich hätte das Stadtbaumkonzept dort einen Punkt auf der Tagesordnung darstellen sollen, der schnell abzuhaken gewesen wäre. Neben Baumsanierungen plant das Gartenamt in der anstehenden Pflanzperiode sieben neue Standorte, im Detail eine Stadtulme an der Alfred-Döblin-Straße, drei Eichen an der Carl-von-Ossietzky-Straße und drei Purpur-Eschen an der Walter-Kyllmann-Straße. Doch vor allem der letzte Standort wurde von anwesenden Anwohnern scharf kritisiert. Der Grund: Für die Bäume sollen Parkplätze entfallen, vier für das aktuelle Projekt. In einer Sitzungsunterbrechung wurde einer der Bürger von der Walter-Kyllmann-Straße angehört. „Wir haben in unserer Straße genug Grün, Parkplätze hingegen sind Mangelware. Das Vorhaben der Stadt, dieses Verhältnis noch weiter zu verrücken, haben wir mit Entsetzen zur Kenntnis genommen.“

Tatsächlich ist die Walter-Kyllmann-Straße sehr grün, mit Gärten vor und hinter den Häusern, mehreren Straßenbäumen, dafür teils sehr schmalem Bürgersteig und einer engen Fahrbahn. Das Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe beginnt keine 100 Meter Luftlinie entfernt. Zudem wachsen Purpur-Eschen, häufig auch mit dem englischen Namen Raywood bezeichnet, sehr hoch, können eine Höhe von bis zu 18 Metern und eine Kronenbreite von zehn bis zwölf Metern erreichen. „Das verschattet uns die Balkone und Gärten; bei so viel Schatten gehen andere Pflanzen in den Gärten ein“, klagt der Anwohner. Der Standort, den die Stadt ins Auge gefasst hat, sei ungeeignet, neue Baumscheiben würden das ohnehin existierende Parkproblem verschärfen.

Stadt wählt gezielt
robuste Baumarten aus

Vom Gartenamt heißt es, dass eine möglichst geringe Belastung des fließenden und ruhenden Verkehrs ein Kriterium bei der Wahl der Standorte sei – neben der Analyse klimatischer Lasträume und der Vitalität der vorhandenen Bäume – aber dass sich ein Konflikt zwischen Autos und Bäumen nicht immer vermeiden lasse. Verschattung, Abkühlung und Staubbindung durch Bäume im Straßenraum seien wichtige Ziele der Landeshauptstadt, man achte dabei besonders darauf, dass die gewählten Arten sowohl mit den hiesigen Wintern, als auch mit der zu erwartenden Häufung heißer, trockener Sommer zurecht kommen. Dafür werden für jeden neuen Baum inklusive Baumscheibe und Pflege von der Stadt 63 000 Euro investiert.

Dennoch will die Lokalpolitik im Stadtbezirk 10 den so deutlich erklärten Bürgerwillen nicht ohne weiteres ignorieren. Daher wurde die Entscheidung über die Neupflanzungen an dieser Stelle vertragt, die Mitglieder der Bezirksvertretung wollen bis zu ihrer Oktober-Sitzung eine Ortsbegehung vornehmen, bevor sie ihren Entschluss fassen. Außerdem sollen alternative Standorte für neue Straßenbäume gesammelt werden.

Das Gartenamt erklärte sich einverstanden, wies jedoch darauf hin, dass es danach zügig gehen müsse, wenn die anstehende Pflanzperiode mit den nötigen Vorbereitungen – etwa der Prüfung, ob im Boden Leitungen oder Rohe einer Pflanzung im Wege stehen – eingehalten werde soll. Denn damit die Bäume im Frühjahr kräftig wachsen können, muss im Herbst mit den Arbeiten begonnen werden.

Neben den Neupflanzungen sollen auch vorhandene Bäume an zehn Standorten in Garath und Hellerhof ersetzt werden. Diese sind zum Teil beschädigt und krank. Auch im Stadtbezirk 9 sind Neupflanzungen und Ersatz geplant, 13 neue Baumscheiben sollen eingerichtet werden, jeweils eine Am Haferkamp und an der Bahlenstraße, zwei an der Benrodestraße, drei an der Harfstraße und sieben Am Mönchgraben. Fünf Parkplätze müssen dafür weichen. Hier hat die zuständige Bezirksvertretung ihre Einwilligung in der jüngsten Sitzung bereits gegeben.