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André Vazart: Die Landung eines Überfliegers

André Vazart: Die Landung eines Überfliegers

Porträt: Vor drei Jahren war André Vazart noch der große Boss bei Schlösser. Nun fängt er wieder klein an – als Wirt vom Piefedeckel, einer Schlösser-Kneipe.

Düsseldorf. André Vazart ist kein Wirt wie jeder andere. Mit Mitte 30 war er so etwas wie ein Überflieger und wurde Geschäftsführer bei Schlösser. Heute arbeitet der 42-Jährige wieder für die Brauerei. Als ganz normaler Wirt. Am 3. August wird er offiziell neuer Wirt in der Gaststätte "Zum Piefedeckel" an der Schloßstraße in Pempelfort. "Ich wollte immer eine Arbeit, die mir Spaß macht. Und das habe ich jetzt", hadert Vazart keineswegs mit seinem Schicksal, "hier bin ich mein eigener Herr und kann die Entscheidungen selbst treffen."

Sieben Jahre hatte der gebürtige Düsseldorfer in Norddeutschland für einen Getränkevertrieb gearbeitet, der Budweiser und Pilsener Urquell vermarktete. Danach wechselte er zur Hannen-Brauerei, die damals gerade Gatzweiler geschluckt hatte. "Das war ein schmerzlicher Prozess, den ich dort miterlebt habe", erinnert er sich. Es sollte nicht der letzte sein.

1998 traf Vazart in Düsseldorf seine Jugendliebe wieder, mit der er inzwischen verheiratet ist und zwei Kinder hat. Damit war auch die Standortentscheidung für die Zukunft gefallen.

2001 wurde Vazart dann von dem Getränke-Konzern Brau und Brunnen zum Schlösser-Chef gekürt: "Es war klar, dass dies nur eine Zwischenlösung ist. Die Entscheidung, dass der Braubetrieb in Düsseldorf eingestellt wird, war da längst gefallen. Es ging nur noch darum, das abzuwickeln." Vier Jahre lang war der gelernte Autoverkäufer an der "Umstrukturierung" beteiligt, ohne dass er selbst viel Einfluss darauf nehmen konnte. 2005 wurde er überraschend entlassen: "Das Unternehmen und ich passten einfach nicht zusammen. Für Konzerne zählt der Mensch nichts mehr. Da geht es nur noch um Zahlen."

Es folgte ein kurzer Ausflug an den Niederrhein, zu Bolten-Alt: "Das ist eine gute Marke, die man langsam hätte aufbauen sollen. Aber das sollte alles zu schnell gehen." Darum ging man schon nach kurzer Zeit wieder getrennte Wege. Vazart: "Ich hatte dann die Wahl, nach Kiel oder nach Bayern zu gehen. Aber da unsere Tochter gerade die Lehre begonnen hat, wollte ich das nicht."

Von Schlösser bekam er das Angebot, den Piefedeckel zu übernehmen - und griff sofort zu: "Ich wollte eigentlich schon immer Gastronomie machen." In der gutbürgerlichen Gaststätte, in der Schützen, Karnevalisten und andere Vereine ein Zuhause haben, fühlt er sich wohl. Hier kann er endlich seine eigenen Ideen verwirklichen: "Wie die Rheinischen Tapas, das sind kleine Frikadellen, Reibekuchen oder eine Mini-Schweinehaxe. Die ist schon jetzt der Renner."

Dass andere Wirte ihn mit einer Portion Häme betrachten mögen, stört ihn kein bisschen: "Mich mag eben nicht jeder."