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Analyse zur Arbeit der 2017 ins Leben gerufenen Kunstkommission

Analyse : Aller Anfang ist schwer in der Kunstkommission

2017 wurde die Gruppe ins Leben gerufen. Bei allem Enthusiasmus hat es viele Fehler gegeben, weil die Argumente und der Sachverstand auf Seiten der Künstler wie der Politik fehlten.

Die Kunstkommission berät den Stadtrat bei der Vergabe von Aufträgen für Kunst am Bau und auch bei der Annahme von Schenkungen. Sie war 2017 mit viel Vorschuss-Lorbeeren und einem großen Enthusiasmus aus der Künstlerschaft angetreten. 18 Künstler als ordentliche Mitglieder oder als ihre Stellvertreter machen mit, wenn es um die Kunst im öffentlichen Raum geht. Viele Projekte wurden unter dem nimmermüden Idealisten Jörg Thomas Alvermann erarbeitet und vom Stadtrat abgesegnet. Dennoch lief vieles schief, was sich in der nächsten Kunstkommission ändern sollte. Bevor sie parallel zum neuen Stadtrat ihr Ehrenamt Ende Oktober antritt, wird es Zeit, Rückblick und Ausblick zu halten. Bei allem Enthusiasmus hat es viele Fehler gegeben, weil die Argumente und der Sachverstand auf Seiten der Künstler wie der Politik fehlten. Nicht immer gelang es, ein tragfähiges Konzept zu präsentieren. Ausgerechnet ein Denkmal der Einheit spaltete die Stadtgesellschaft.

Der kapitalste Missgriff ist rund zwei Monate alt. Er betrifft das knappe Ergebnis in der Abstimmung der Kunstkommission beim Siegerentwurf für den Reeser Platz. Die Entscheidung für die Konzeption von „Ultrastudio“ mit einer Brücke über dem nationalsozialistischen Soldatendenkmal fiel selbst in der Kommission denkbar knapp aus, bei zehn zu neun Stimmen. Unter solchen Bedingungen hätte man zunächst einmal intern weiter diskutieren müssen. Was sich hinter den verschlossenen Türen abspielte, wird daran deutlich, dass sich Katharina Sieverding als ordentliches Mitglied der Kommission im Protestbrief von Ingrid Bacher öffentlich auf die Seite der Protestler stellte.

Es gab Ungereimtes, weil der öffentliche Auftritt sehr zu wünschen übrig lässt, auch im Internet. Dafür ist die Geschäftsstelle verantwortlich, die als Teil der Verwaltung dem Kulturdezernat untersteht. So wurde Sebastian Freytag auch während des Wettbewerbs für den Reeser Platz als stellvertretendes und beratendes Mitglied im Internet geführt, obwohl er während des Wettbewerbs sein Mandat in der Kunstkommission niedergelegt hatte. Freytag gehört zu den Siegern von „Ultrastudio“. Generell muss die Plattform der Kunstkommission besser und informativer werden.

Unglücklich verlief die Entscheidung für das Evonik-Denkmal des Thomas Schönauer. Hier hätten die Künstler ästhetische Argumente bringen müssen. Stattdessen kritisierten sie das Vorgehen der Politik, allen voran das von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Sie hätten auch die CDU rüffeln können, denn Ratsherr Alexander Fils gilt als bester Freund von Schönauer und vertritt ihn sogar in seinem Galerieprogramm. Man hätte also seinen Redebeitrag im Rat wegen Befangenheit ablehnen können.

Der Umgang mit der Politik will gelernt sein. Die Künstler müssen aber auch den aktuellen Diskurs bei den Denkmälern kennen. Sie sollten wissen, dass Kunst im öffentlichen Raum nicht mit Kunst in einem Ausstellungsraum verwechselt werden kann. In der aktuellen Kommission sitzen allzu viele junge, unerfahrene Maler, Installationskünstler und Computerfreaks, die noch nie ein Werk für die Öffentlichkeit geschaffen haben. Es gab lediglich zwei Bildhauer in der Kommission, einer als ordentliches und der andere als stellvertretendes Mitglied. Das ist einfach zu wenig.

Nach dem missglückten Versuch, das Projekt am Reeser Platz mit einer stählernen Brücke zu überbauen, haben unzählige Persönlichkeiten dagegen protestiert und so getan, als ob sie es besser wüssten. Unter ihnen waren mehrheitlich Literaten, Maler, Literaturwissenschaftler, Fotografen und Galeristen, die die neuen Modelle gar nicht kannten. Aber auch einige kapitale Bildhauer signierten den Protestbrief der Dichterin Ingrid Bacher. Wenn sich wenigstens einer von ihnen für das Ehrenamt in der Kunstkommission bereitstellen würde, wäre viel gewonnen.

„Es ist ein sehr junges Gremium. Wir stecken noch in den Kinderschuhen“, sagt Katharina Monka, die derzeitige Stellvertreterin in der Kunstkommission. Sie hofft, dass sie auch in die neue Gruppe „hineinrutscht“. Sie gibt unumwunden zu: „Ich habe gelernt, wie man zwischen einer künstlerischen und einer politischen Perspektive vermitteln muss. Wir müssen uns sprachlich annähern, um zueinander zu finden.“ Ein paar weitere Argumente wären allerdings ebenfalls wünschenswert.

So viel steht derzeit fest: Wahlberechtigt für einen Sitz in der Kunstkommission ist jeder Künstler, der eine Künstlerkarte besitzt oder an der Kunstakademie studiert. Allzu viel wird sich allerdings nicht ändern, denn einige Mitglieder der Kunstkommission wollen weiter machen. Die Chancen dafür sind gut, denn die Vorschläge für die Künstlerliste machen die noch amtierende Kunstkommission sowie der Kunstbeirat. Aus dieser Liste wählt der Kulturausschuss die Hälfte der Mitglieder. Die andere Hälfte wird gewählt. Aus der Akademie ist zu hören, dass sich engagierte Studenten der Bildhauerklasse zur Wahl stellen werden.

Kunst im öffentlichen Raum wird international immer mehr beachtet. Das zeigte sich bei der Gestaltung der U-Bahnhöfe, mit denen Düsseldorf plötzlich bis in New York bekannt wurde. Dass die Stadt selbst zu Corona-Zeiten eine stattliche Stange Geld für die Kunst bereit hält, ist ein Wunder. Das sollte die Künstler wie die Politiker auch in der nächsten Kunstkommission beflügeln.