„Licht im Raum“: An der Graf-Adolf-Straße geht das Licht aus

„Licht im Raum“ : An der Graf-Adolf-Straße geht das Licht aus

Seit den 1950er Jahren gibt es das Lampen-Fachgeschäft „Licht im Raum“. Nun ist Schluss. Nur Manufaktur und Planungsbüro sollen an anderer Stelle bleiben.

Ende Januar geht eine Einzelhandels-Geschichte zu Ende und der offizielle Räumungsverkauf beginnt: Mit „Licht im Raum“ schließt wieder ein Traditionsgeschäft in der Innenstadt, diesmal an der Graf-Adolf-Straße.

Die Gründe dafür sind gar nicht so einfach in einem Satz zusammenzufassen, denn das Ende allein auf den sich immer weiter ausdehnenden Internethandel zu schieben, wäre etwas zu kurz gegriffen. Wenn dessen Anteil auch nicht unerheblich ist. „Die Kunden stimmen nun mal mit den Füßen ab“, ist Geschäftsführer Daniel Klages überzeugt und verweist auf die Veränderungen am Standort Graf-Adolf-Straße. „Sind wir ehrlich, zum Bummeln lädt hier nichts ein“, meint er. Zwar habe man die Verkehrsader zwischen Graf-Adolf-Platz und Hauptbahnhof vor einigen Jahren mit breiteren Bürgersteigen und Bepflanzungen aufgehübscht, danach sei das Engagement der Einzelhändler und der Stadt allerdings wieder eingeschlafen, durch ein attraktives Angebot mehr Laufkundschaft anzuziehen. „Mit dem Umbau des alten Kaufhofs und der Eröffnung von Zurheide hatten wir schon die Hoffnung einer Belebung verbunden“, gibt der Geschäftsmann zu. Doch der Lebensmittelhändler hatte erhebliche Startschwierigkeiten und lockte nicht die erwünschten Käuferscharen an die Berliner Allee/Ecke Graf-Adolf-Straße, die Richtung Bahnhof flanieren würden.

Immer öfter heißt es: Beratung im Laden, Kauf im Netz

„Wir haben vor allem Stammkunden und solche, die ganz gezielt zu uns kommen, um sich beraten zu lassen“, erklärt Klages. Gerade die fundierte Beratung sei es, die den Fachhändler ausmacht und die immer öfter zwar in Anspruch genommen wird, allerdings nicht um dann auch im Laden zu kaufen, sondern günstiger im Internet zu bestellen. Eine Entwicklung, die schon andere alteingesessene Düsseldorfer Einzelhändler zur Aufgabe gezwungen hat. In manchen Fällen, wie etwa nach der Schließung des Stern Verlages an der Friedrichstraße, führte das zu herben Einbußen im Umsatz bei den umliegenden Geschäfte, denen die Laufkundschaft nun fehlte. Gerade das Beispiel der einst florierenden Einkaufsstraße Friedrichstraße zeigt, wie gravierend sich die veränderte Kundennachfrage auswirken kann.

Nun hatte die Graf-Adolf-Straße nie den Ruf einer Shoppingmeile, könnte aber durch die Nähe zum Bahnhof durchaus Publikum anziehen, wie das positive Beispiel der Immermannstraße zeigt.

Für Daniel Klages und Jule Dinnebier, Tochter der Firmengründer Lisa und Johannes Dinnebier, kommen diese Überlegungen zu spät. „Die rückläufige Nachfrage ist einer der Gründe. Ein anderer, der uns ziemlich unvorbereitet getroffen hat, ist eine Mieterhöhung, die in keinem Verhältnis mehr zum Umsatz steht“, bedauert Klages.

1956 hatte das Ehepaar Dinnebier zunächst eine Handelsvertretung für Lampenhersteller im dritten Stock des Hauses an der Graf-Adolf-Straße gestartet. Drei Jahre später kam am gleichen Standort ein Ladenlokal hinzu.

Dessen 700 Quadratmeter große Geschäftsräume plus Lager sind auf drei Etagen verteilt. Der Show-Room mit den zum Teil selbst designten Leuchten und einem umfangreichen Sortiment aus Lampen, Zubehör und Wohnaccessoires nimmt zwei Etagen davon ein. „Den Umbau mit Empore haben wir damals selbst gestaltet. Hier sind allein rund 600 Kilometer Kabel verlegt“, erinnert sich Klages an die Anfänge und fügt hinzu: „Wir sind bis heute ohne Heizkörper ausgekommen, weil die Lampen immer genug Wärme abstrahlten“.

Für die 16 Mitarbeiter haben Klages und Dinnebier Lösungen gefunden. „Wir sind eine kleine Branche, zum Teil konnten sie bei Geschäftspartnern unterkommen, andere gehen in Rente“, erzählt der Geschäftsführer.

Ganz ist es mit „Licht im Raum“ allerdings nicht zu Ende. Denn das Unternehmen hat seit seiner Gründung vor rund sechzig Jahren drei Standbeine: Neben dem Einzelhandel sind dies noch das Design von Leuchten in eigener Manufaktur und Beleuchtungskonzepte. So entwickelte Daniel Klages mit seinem Team das Lichtkonzept für das „Crown“, gleich gegenüber seiner Geschäftsräume an der Graf-Adolf-Straße, und auch für die Halle an der Siegburger Straße, die Neanderkirche oder Prestige-Projekte wie die Beleuchtung der Krypta Dormitio in Jerusalem. Ebenso wie für die Flughäfen Moskau und Düsseldorf.

Weitergeführt werden soll der Standort in Solingen

Am Standort Solingen sollen Lichtplanung und die Manufaktur für Designleuchten auch nach Schließung des Ladens bestehen bleiben.

Der beherbergte auch lange ein Lampenmuseum. „Das entstand eigentlich mehr aus der Situation heraus als durch Planung“, erinnert sich Klages. „Licht im Raum“ war bekannt dafür, Lampen zu reparieren und zu restaurieren. „Manche Exemplare konnten wir nicht wieder herstellen, da haben wir gefragt, ob wir sie gewissermaßen als Ersatzteillager verwenden dürfen“. Andere hätten die Kunden ihnen gerne überlassen, und so sei mit der Zeit das „Lampen-Museum“ mit rund 150 Exemplaren entstanden, von denen im Wechsel immer rund 40 im Untergeschoss ausgestellt wurden.

Was wird denn nun mit diesen alten Schätzchen? „Die werden wir erst einmal einlagern und dann ganz in Ruhe entscheiden, was wir damit machen werden“, verspricht Daniel Klages. Und so ganz mag er sich von der Idee eines direkten Kundenkontakts in einem Laden nicht verabschieden: „Ich kann mir durchaus vorstellen, irgendwann wieder ein kleines Geschäft zu eröffnen. Allerdings nur noch mit eigenen Designs“.