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Amokdrohung: „Ich war wütend auf die Lehrerin“

Amokdrohung: „Ich war wütend auf die Lehrerin“

Ein 19-Jähriger gab gestern zu, seiner Ex-Schule mit „tödlichem Besuch“ gedroht zu haben. Nun wird er untersucht.

Düsseldorf. "Ich werde mich rächen und euch einen tödlichen Besuch abstatten." Als diese Worte im Dezember 2007 in einer E-Mail auf dem Bildschirm der Jan-Daniel-Goergens-Schule an der Oberbilker Allee erschienen, schrillten bei der Polizei die Alarmglocken. Sie schlossen die Schule für den besagten Tag und schickten alle Schüler nach Hause.

Mutmaßlicher Täter ist ein ehemaliger Schüler der Förderschule, der bereits im Sommer 2006 seinen Abschluss gemacht hatte. Der 19-Jährige muss sich seit gestern wegen Störung des öffentlichen Friedens vor dem Jugendgericht verantworten.

Er gab die Vorwürfe sofort zu. Er sei noch immer wütend auf seine Lehrerin gewesen - obwohl er die Schule bereits anderthalb Jahre zuvor verlassen hatte. "Außerdem haben mich meine Klassenkameraden immer gehänselt." Von einem Internetcafé aus hätte er die Amokdrohung von der Adresse eines ehemaligen Schulfreundes losgeschickt. "Der hat mir mal Geld gestohlen", sagte er.

Was die Polizei besonders aufgeschreckt hatte, war die Tatsache, dass der 19-Jährige unter dem Namen "Sturmgeist" aufgetreten war - so hatte sich auch der Attentäter genannt, der bei einem Amoklauf in Finnland acht Menschen getötet hatte. In einem Vermerk der Polizei heißt es: Er habe weder optisch noch im Gespräch einen altersgerechten Eindruck hinterlassen. Der 19-Jährige sei völlig geschockt gewesen, dass man ihn tatsächlich habe ermitteln können.

In einem anderen Fall soll er in seinem Wohnhaus die Türen mit Sekundenkleber verklebt haben. Hausmeister und Eigentümer soll er anschließend in einem anonymen Brief gedroht haben, sie umzubringen. Die Begründung: "Ich habe mich geärgert, dass der Eigentümer alle Deutschen als Schweine bezeichnet hat."

Die Richterin fand dafür deutliche Worte: "Das ist kein angemessener Umgang mit Konflikten." Es ist die Chronik eines verkorksten Lebens: Der Vater war Alkoholiker und tyrannisierte die Familie, der Junge zog schon früh zur Großmutter, einen Kindergarten besuchte er nicht. Auch heute hat er keinen Kontakt zur Gleichaltrigen und keine Berufsausbildung.

Nun soll ein ein medizinischer Sachverständiger den 19-Jährigen untersuchen. "Entweder ist er eingeschränkt schuldfähig oder gefährlich - und dann sind weitere Straftaten von ihm zu erwarten", sagte der Staatsanwalt.