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Am Düsseldorfer Walter-Eucken-Berufskolleg fürs Leben lernen

Schulserie : Schulserie: Am Walter-Eucken-Berufskolleg fürs Leben lernen

Drei Schulen, ein Name: Am Walter-Eucken-Berufskolleg lernen 3000 Schüler am Wirtschaftsgymnasium, der Höheren Handelsschule und der Berufsschule.

Vergangenes Jahr gab es einen runden Geburtstag: 50 Jahre. Dass das Geburtstagskind jedoch nicht zum alten Eisen gehört, sondern, ganz im Gegenteil, voller Energie und frischen Ideen steckt, beweist es jeden Tag.

Seit dem 8. September 2017 ist das Walter-Eucken-Berufskolleg, das früher Kaufmännische Schule III der Stadt Düsseldorf hieß, nun 50 Jahre alt und ist mit Schuljahresbeginn 1974/75 gemeinsam mit dem Max-Weber-Berufskolleg im Schulzentrum an der Suitbertusstraße in Düsseldorf-Bilk beheimatet. Das Berufskolleg ist eine Schule mit vielen Gesichtern. Eigentlich könnte man sogar sagen, es sind drei Schulen in einem. Da ist das Wirtschaftsgymnasium, die Höhere Handelsschule und auch noch die Berufsschule - alle zusammen heißen Walter-Eucken-Berufskolleg.

Etienne Schlarmann und Selina Barbe Rolando arbeiten derzeit an einem Europaprojekt. Foto: Michaelis, Judith (JM)

Rund 500 Schüler besuchen die Höhere Handelsschule und das Wirtschaftsgymnasium, hinzu kommen 2500 Berufsschüler. Sie alle werden von 120 Lehrkräften unterrichtet und beraten. Das Spannende: Am Walter-Eucken-Berufskolleg unterrichten nicht nur hauptberufliche Lehrkräfte, sondern auch nebenberufliche. Vor allem Ärzte und Zahnärzte, die ihr Spezialwissen direkt an die Schüler weitergeben.

„Wir bereiten unsere Schüler sehr gut auf ihr zukünftiges Leben vor“, sagt Direktorin Heike Joerß, die das Berufskolleg seit dem Schuljahr 2011/2012 leitet. In ihren Augen führen „berufliche Gymnasien immer noch ein Schattendasein und viele Dinge dringen nicht nach außen“. Zu Unrecht, wie sie findet, denn die Schüler, die an das Kolleg kommen, werden nicht nur fundiert ausgebildet, bekommen viele externe Angebote und „starten auch ganz neu“. Sie erklärt: „Bei uns gibt es noch den Klassenverband. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es den Schülern sehr gut tut, in ihren Stammklassen gemeinsam zu lernen“. In der Höheren Handelsschule gibt es sogar zwei Klassentypen zur Auswahl: die „Classic-Klasse“ und die „Ganztages-Klasse“. Letztere beinhaltet noch fachlehrerbetreutes Üben und Anwenden, Hausaufgabenhilfe und einen individuellen Lernrhythmus mit individueller Förderung.

Das Logo der Schulserie. Foto: WZ

Stichwort „gemeinsames Lernen“: Das macht die GJ 16 A gerade in ihrem Leistungskurs Betriebswirtschaftslehre. Lehrer Frederik Bartles hat das Thema „Globalisierung - Chance oder Risiko für Deutschland“ in den Raum gestellt. Nun müssen die Schüler aus Sicht des Arbeitgebers, Arbeitnehmers und des Konsumenten argumentieren. Suna Cikin (18) will später Lehrerin für BWL und Sport werden. Die Schülerin des Wirtschaftsgymnasiums ist von ihrer Schule begeistert. Denn, so sagt sie, dort „lernt man für das Leben“. Und sie hat, wie viele andere hier, sichtlich Spaß dabei und Freude.

Beim Knopf annähen auf Zeit hat sich Ahmed El Abdouni besonders gut geschlagen. Hinter ihm stehen Antje Weßler und Mitschüler Ilia Ahangarha. Foto: Michaelis, Judith (JM)

Für einen Rundgang haben einige Schüler extra eine Ausstellung zu ihren Herzensprojekten konzipiert. So wie Selina Barba Rolando (18) und Etienne mit ihrem „Europa-BWL“-Kurs. Sie haben sich dem Thema „Street Art“ gewidmet und sind der Straßenkunst nicht nur in Düsseldorf auf der Spur gewesen, sondern haben auch in Polen und Litauen mit Schülern Kontakt aufgenommen, um die dortige Szene kennenzulernen. In den vergangenen Wochen sind sie nun selbst tätig geworden. Entstanden sind nicht nur kleine Kunstwerke aus Bügelperlen, sondern auch bunte Bilder, die sich kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzen.

Emilie Braun (16), Cihan Gürtz (17) und Maurice Schulz (17) wiederum haben sich in ihrem Unternehmensgründer-Kurs mit „Fair Trade“ auseinandergesetzt. Die Erkenntnis nach vielen Wochen intensiver Recherche: „Es gibt kein einziges Handy auf dem Markt, das komplett fair produziert ist“. Maurice Schulz erklärt: „Es sind über 200 Einzelteile in einem Handy. Man kann zum Teil nicht nachvollziehen, wo sie überhaupt herkommen. Das hat mich sehr erstaunt“. Und es hat sie alle nachdenklich gestimmt, als sie sich mit dem Thema Jeans beschäftigt haben. „Wir haben hier eine günstige Hose an und kriegen nicht mit, dass es dem Kind in China, dass die Hose produziert hat, schlecht geht“, bemerkt Emilie Braun. Noch ein halbes Jahr werden sie sich „Fair Trade“ widmen und versuchen, ein komplett nachhaltiges Unternehmen zu konzipieren. “ Emilie Braun: „Ich habe das Gefühl, hier wirklich etwas Sinnvolles zu tun!“

Lautes Lachen schallt aus einem anderen Raum. Hier übt, wobei man auch sagen dürfte, hier spielt Lehrerin Nicole Hentzschel mit Schülerinnen der Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten im Rahmen des Förderprogrammes „Lions_Quest Erwachsen werden“. Spielerisch sollen hier Schlüsselkompetenzen erlernt werden. Wer also gelegentlich einige junge Damen durch die Schulgänge hüpfen sieht, der braucht sich keine Sorgen machen. Das gehört hier eben auch mal zu den Hausaufgaben.