Am Düsseldorfer Kirchplatz fehlen die Berufsschüler

Reportage : Düsseldorfer Kirchplatz: Händlern fehlen die Schüler

Das Albrecht-Dürer-Kolleg ist umgezogen. In den umliegenden Läden ist nun weniger los.

Frühstückspause am Albrecht-Dürer-Kolleg: Am Kirchplatz war das noch bis zum Sommer deutlich zu sehen. Scharen von Jugendlichen strömten vom Fürstenwall aus in das Viertel. Heute: gähnende Leere rund um die Stände. Das Albrecht-Dürer-Kolleg ist mit seinen Tausenden von Schülern in den Neubau in Benrath umgezogen. Einige Verkäufer merken das schmerzlich: Die jungen Kunden fehlen, auch in den Läden entlang der Straße.

Es ist die Zeit der ersten Frühstückspause, gegen 9.30 Uhr. Immer wieder kommt jemand bei Aynur Özdemirs Backwaren-Verkauf vorbei, holt sich Brötchen, einen Snack für zwischendurch. Mitarbeiter aus umliegenden Geschäften, Anwohner, junge Leute auf dem Weg zur Arbeit oder zur Uni. Mehr als zwei oder drei auf einmal sind es aber selten. Das war vor ein paar Monaten noch anders. Mit der Pause im Kolleg bildete sich rasch eine Schlange vor ihrem Stand, sagt Özdemir. Das bleibt nun aus. Sie könne das allerdings noch gut wegstecken.

In der Bäckerei Wolff, direkt gegenüber, sieht das schon ganz anders aus. Kurz vor acht waren früher beide Theken prall gefüllt mit Brötchen und süßen Teilchen. Bis mittags war alles weg. Auf dem Weg ins Kolleg, noch vor Schulbeginn, legten viele Schüler noch einen Zwischenstopp ein, holten sich ein kleines Frühstück, einen Kaffee. Das ist vorbei.

Richtig voll wurde es in den Pausen, junge Leute drängten sich im Verkaufsraum bis zu den Türen. Jetzt hingegen ist der Laden weitgehend leer, mehr als zwei, drei Kunden gleichzeitig sind es nicht. Eine Verkäuferin, die lieber anonym bleiben möchte, erzählt, dass sie jetzt deutlich weniger belegte Brötchen vorbereitet.

Bäckerei hofft auf neue Kunden aus der Lore-Lorentz-Schule

„Wir haben ganz schön daran zu knapsen, dass das Kolleg nicht mehr da ist“, sagt sie. Ihre Kollegin beendet schon am Vormittag ihre Schicht, für zwei Leute gibt es einfach nicht mehr genug zu tun.Beide hoffen, dass es bald besser wird, wenn Schüler der Lore-Lorentz-Schule vorübergehend ins Viertel kommen. Es ist geplant, dass sie teils ins alte Kolleg-Gebäude ziehen, während ihre Schule einen Neubau erhält.

Das könnte auch dem Kebaphaus Ramukkale Imbiss zugute kommen. Gökhan Yalcin verkauft vormittags meistens gar nichts mehr. „Es kommt immer wieder vor, dass wir Essen wegschmeißen müssen“, sagt sie bedauernd. Kleine Snacks wie gefüllte Teigtaschen mit Käse, Gemüse oder Fleisch gingen sonst in den Frühstückspausen gut weg. Nun hat ihre Familie morgens nicht mehr viel zu tun, außer sich schon um die Speisen für die Mittagszeit zu kümmern. Um 10 Uhr dreht sich der Fleischspieß für Döner, Salate und Pasta sind schon fertig vorbereitet, gefüllte Paprika und Auberginen, ein Reisgericht sind hergerichtet. Die Familie ist jetzt vollständig auf das Mittagsgeschäft angewiesen, darauf, dass viele andere Kunden kommen.

Im Supermarkt ist noch viel los, lange Schlangen fallen weg

Ähnlich sieht es an den weiteren Ständen auf dem Platz aus. Außer beim Bäcker nirgends ein Kunde in Sicht. An den Tischen rund um die Imbissbuden lässt sich auch eine Stunde später, gegen 10.30 Uhr, keiner nieder, auch am Obst- und Gemüsestand ist weiterhin nichts los. Alles in Ruhe vorbereiten für die Mittagspause, warten oder sich gegenseitig besuchen, um ein wenig über die Veränderungen zu plaudern, damit verbringen die Verkäufer ihren Vormittag.

Im Supermarkt hingegen fällt auf den ersten Blick kaum eine Veränderung auf. Vereinzelte Schüler, die aus einer Dependance der Leo-Statz-Schule kommen, Studenten, Senioren, Familien, Angestellte aus umliegenden Büros verteilen sich über den gesamten Laden, holen sich meist Kleinigkeiten. „Dass das Dürer-Kolleg nicht mehr hier ist, merke ich um diese Zeit kaum“, sagt Barbara Hackmann, die regelmäßig dort einkauft. Es ist immer was los. Mittags hingegen sei das noch mal etwas anders, da merke man schon eine Veränderung.

Es konnte dann auch mal vorkommen, dass Jutta Kraft, eine andere Kundin, wieder umgedreht ist, ihre Erledigungen auf später verschoben hat. Schlangen an der Kasse, die Gänge voll mit Menschen, das wollte sie sich einfach nicht antun.

Dass sie sich früher ein zweites Mal auf den Weg machen musste, manchmal auch schon vormittags vor einem vollen Laden stand, das hat sie zwar nie gestört; nun ist es aber nicht mehr nötig. Sie denkt allerdings an die Geschäfte und die Buden und hofft, dass die nicht zu sehr darunter leiden, dass die Schülerscharen nun vom Kirchplatz verschwunden und in Benrath sind.

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