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Weihnachten: Als der Salon-Zucker den Baum schmückte

Weihnachten : Als der Salon-Zucker den Baum schmückte

Ich glaube, mich an das erste Mal zu erinnern, als ich bewusst den Zauber des Heiligenabends erlebte, an den traditionell ungarisch mit Salon-Zucker geschmückten Baum, die wohlig warme Stimmung, die ersten Geschenke.

Wohl eher mittels einer Mehrfachbelichtung meiner Erinnerungen, durch die sich mehrere erste Weihnachtsfeste zu einem etwas nebligen, aber hell-golden leuchtenden Bild zusammenfügen. Oft mehr ein Gefühl, eine Ahnung, als eine wirkliche Erinnerung.

Das Foto zeigt mich – Mitte der 80er Jahre wohl im Alter von vier oder fünf – am oder um einen dieser Tage herum, gemeinsam mit meinem Vater. Das Foto hat meine Mutter geschossen. Die freudige Aufregung ist deutlich aus meinem Gesichtsausdruck abzulesen. Und der stolze Papa strahlt nicht minder mit seinem Sohn.

Die rauschend blonden Haare trägt jetzt die Tochter

Die rauschendgoldenen Haare gehören heute der Vergangenheit an, doch vieles von dem, was auf dem Foto zu sehen ist, umgibt uns heute noch. Nur dass ich heute der freudig strahlende Papa bin und die rauschgoldenen blonden Haare heute meine Tochter trägt und nicht minder freudestrahlend den Zauber von Heiligabend auf sich wirken lässt.

Die Geschenke sind heute andere – nicht mehr das Kettcar, mit dem ich den Zoopark unsicher machte, oder die LGB Eisenbahn, die gerne kreuz und quer durch die Wohnung gebaut wurde.

Auch den Salon-Zucker, das sind übrigens in goldenes oder auch buntes Stanniolpapier eingepackte Dragees umhüllt mit einem Schokoladenmantel, gibt es heute bei uns zu Weihnachten eher selten. Den brachten nämlich meine Großeltern immer aus Ungarn mit und sie leben leider nicht mehr – alte Traditionen gehen verloren.

Aber neue werden geboren. Wir feiern jetzt mit den neuen Großeltern – jenen meiner Tochter – zusammen bei uns, und bestimmt wird sich eines Tages dann meine Tochter zurückerinnern und ein ähnliches Foto hervorkramen; dann allerdings wahrscheinlich aus der Cloud.