Alfred-Adler-Schule: Unterricht auf Krankenschein

Alfred-Adler-Schule: Unterricht auf Krankenschein

In die Alfred-Adler-Schule gehen Kinder mit Krebs, Depressionen oder Magersucht.

Düsseldorf. Zu Jutta Hinne-Fischers Arbeitskleidung gehören manchmal Kittel, Mundschutz und Handschuhe. Sie ist keine Krankenschwester, sondern Schulleiterin. Allerdings ist die Alfred-Adler-Schule eine besondere Schule. Hier werden kranke Kinder unterrichtet. Nicht nur im Klassenzimmer, auch am Krankenhausbett.

Unter den rund 90 Schülern sind Kinder mit Krebs oder schweren Knochenbrüchen, psychosomatisch erkrankte Kinder, beispielsweise mit Magersucht, und psychisch erkrankte Kinder, unter anderem solche mit Depressionen.

Die Erkrankungen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. So ist die Schule mit drei Abteilungen über das Düsseldorfer Stadtgebiet verteilt. Die Lehrer unterrichten an der Uni-Klinik, im Evangelischen Krankenhaus und in der Landesklinik in Grafenberg.

Jutta Hinne-Fischer ist Direktorin für alle drei Abteilungen und sie springt überall ein, wenn Lehrerkollegen ausfallen. Die Unterrichtsgestaltung ist in jedem Bereich anders. In der Landesklinik an der Bergischen Landstraße wird im Klassenverband gelehrt, im Krankenhaus gibt es in der Regel Einzelunterricht, nicht selten direkt am Krankenbett, manchmal auch mit Mundschutz und Kittel. "Die Lehrer müssen bei uns absolut flexibel sein", sagt Hinne-Fischer.

Frontalunterricht und eine einheitliche Aufgabenstellung gibt es in der Adler-Schule nicht. In den Klassen treffen Schüler mit unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen und aus verschiedenen Altersstufen aufeinander. Jeder Schüler hat andere Probleme, auf die die Lehrer eingehen müssen. Deshalb sind die Gruppen mit sechs bis 14 Kindern kleiner als in den meisten anderen Schulen. Außerdem leiten immer zwei Lehrer als Team den Unterricht.

Die Schüler bleiben in der Regel nicht länger als einige Monate. "Wir sind nur eine Übergangslösung, für den Zeitraum der Behandlung", sagt Hinne-Fischer. Dennis (18) ist eine Ausnahme.

Er ist bereits zum vierten Mal an der Schule und wird hier seinen Hauptschulabschluss machen. Nachdem bei ihm eine Psychose diagnostiziert wurde, kam er 2008 erstmals stationär in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Grafenberger Landesklinik und damit an die angeschlossene Schule.

Probleme haben viele Schüler mit der Rückkehr in den Alltag der alten Schule - so war es auch bei Dennis. "Die Klasse war schon viel weiter im Stoff und ich hatte Schwierigkeiten, diesen aufzuholen", erzählt er. Nach einem Rückfall kam er wieder an die Schule in Grafenberg.

Dass Kinder auch während ihrer Krankheit unterrichtet werden, hält Jutta Hinne-Fischer für wichtig. "Das bringt in die schlimme Ausnahmesituation ein Stück Normalität." Im Krankenhaus bedeutet der Lehrerbesuch auch Ablenkung von Spritzen und Infusionen. Erfolge im Unterricht sind zudem gut für das Selbstbewusstsein. So gehen die Schüler gestärkt in die nächste Behandlung.

Für die Lehrer ist die Arbeit im Krankenhaus nicht immer einfach. Kinder mit Krebs und anderen schweren Krankheiten zu unterrichten, das bedeutet manchmal auch, Abschied zu nehmen. "Wenn Kinder sterben, nimmt es einen sehr mit", sagt die Direktorin. Trotz trauriger Momente will sie nicht an einer anderen Schule lehren: "Die Arbeit ist anspruchsvoll. Das Lächeln der Kinder entschädigt aber für alles."