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Düsseldorf: Airport: Norwegian plant Basis in Düsseldorf

Düsseldorf : Airport: Norwegian plant Basis in Düsseldorf

Der norwegische Billigflieger steuert ab 2017 zunächst fünf spanische Ziele an. Aber perspektivisch sind auch Langstreckenflüge geplant.

Düsseldorf. Nein, es ist nicht Ryanair. Nachdem der irische Billigflieger Anfang November in die Lufthansa-Heimatbasis Frankfurt am Main eingedrungen war und dort ab März 2017 zwei Mittelstreckenjets stationieren will, war vermutet worden, dass die Fluggesellschaft auch Düsseldorf im Visier hat. Stattdessen präsentierte Flughafenchef Thomas Schnalke am Dienstagmorgen die skandinavische Low-Cost-Airline Norwegian als neuen Partner.

Ab dem Frühjahr 2017 bis Oktober werden von Düsseldorf zunächst fünf spanische Ziele angeflogen: Barcelona (dreimal wöchentlich, ab 27. März), Teneriffa (zweimal wöchentlich, ab 1. Mai), Málaga (viermal wöchentlich, ab 1. Mai), Alicante (dreimal wöchentlich, ab 4. Juni) und Mallorca (sechsmal wöchentlich, ab 8. Juni). Doch für Schnalke und sein norwegisches Gegenüber, Chief Commercial Officer Thomas Ramdahl, soll das nur der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden.

„Wir bieten unseren Kunden damit Alternativen an“, weist Schnalke Kritik zurück, Düsseldorf sichere sich mit dem neuen Partner keine neuen Reiseziele. Derzeit sei Spanien „extrem stark nachgefragt“ — Reaktion darauf, dass die Türkei und Nordafrika politisch bedingt mehr und mehr aus dem Fokus der Urlauber geraten.

Aber Spanien soll auch nur der Anfang sein. „Perspektivisch reden wir über die Stationierung von Flugzeugen, um in Düsseldorf eine Basis aufzubauen“, kündigt Schnalke an. Die Norweger sind auf starkem Expansionskurs. „Wir wollen ein Hauptakteur in Deutschland werden“, sagt Ramdahl. Die Fluggesellschaft, 1993 gegründet und seit 2003 im Billigflugsektor unterwegs, startet in Deutschland schon von Hamburg, München, Berlin und Köln und wird zeitgleich mit Düsseldorf auch in Hannover Flugangebote einführen. Und der Norwegian-Manager stellt auch Langstreckenflüge ab Düsseldorf in Aussicht, beispielsweise in die USA und Südamerika, nach seinen Angaben zu Preisen, die sich bis zu 50 Prozent unter dem bisher üblichen Niveau bewegen.

Mit der neuen Partnerschaft öffnet sich der Düsseldorfer Flughafen verstärkt dem Billigsegment. Die ersten Gespräche mit den Norwegern waren bereits im vergangenen Jahr geführt worden.

Norwegian operiert derzeit von weltweit 21 Basen aus. Mit einer Flotte von aktuell 120 Flugzeugen werden 450 Strecken zu 150 Destinationen bedient. In diesem Jahr sollen insgesamt rund 30 Millionen Passagiere befördert werden. Damit ist die Fluggesellschaft der weltweit sechstgrößte Billigfluganbieter. Und will weiter wachsen: 260 Flugzeuge sind bestellt.

Die mit einem Durchschnittsalter von 3,6 Jahren sehr junge Flotte wird wegen der modernen Maschinen auch als im Branchenvergleich umweltfreundlich gepriesen. Als erste Linie bot sie ihren Passagieren kostenloses WLAN an Bord an.

Flughafenchef Schnalke nutzte die Präsentation des neuen Partners gleich, um erneut für die beim NRW-Verkehrsministerium beantragte Kapazitätserweiterung am Tag auf bis zu 60 Flugbewegungen (Slots) pro Stunde werben. „Das brauchen wir für Gesellschaften wie Norwegian.“ Es sei extrem schwergefallen, noch genügend Slots zu finden. Auch das weitere Wachstum der Linie am Standort Düsseldorf hänge von dieser Frage ab. „Ich gehe davon aus, dass der Antrag bald positiv beschieden wird.“

„Wem soll das nutzen außer dem Flughafen selbst?“, reagiert Christoph Lange, Vorsitzender von „Bürger gegen Fluglärm“, auf das Argument. Denn auch die kriselnden Linien wie Air Berlin oder Lufthansa mit ihren Töchtern drängten aus purer Not immer mehr in den Billig- und Urlaubssektor. Ähnlich sei es mit der erwünschten „Flexibilisierung“: „Der Nachtflugrekord beweist doch erneut, dass schon das jetzt Genehmigte offenbar zu viel ist.“

Für den Fall, dass weitere Zeitfenster für Norwegian gefunden werden können, seien Flüge nach Oslo, Kopenhagen und Stockholm schnell zu erwarten, erklärt Ramdahl. Finanzielles Entgegenkommen bei den Gebühren, wie es Ryanair in Frankfurt erfahren hat, kann er für die Wachstumsprognosen aber nicht erwarten. „Wir haben eine öffentlich zugängliche Entgeltordnung und die gilt auch für Norwegian“, stellt Schnalke klar.

norwegian.com