Agata Grzenia: „Orte sollten als Zeugen weiter existieren“

Agata Grzenia: „Orte sollten als Zeugen weiter existieren“

Agata Grzenia hat zahlreiche Fahrten nach Auschwitz organisiert und betreut.

Agata Grzenia ist Referentin beim Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund (IBB).

Warum ist es für Schüler wichtig, sich vor Ort ein Bild zu machen?

Agata Grzenia: Die Vermittlung des Wissens über Medien wie Bücher und Filme ist eine Möglichkeit, um die Zusammenhänge in der Geschichte zu verstehen. Sich an den authentischen Ort zu begeben heißt, sich dem Ort und seiner Wirkung als Gedenkstätte aber auch als einem Ort der Beweise für die nationalsozialistischen Verbrechen auszusetzen und Dinge mit eigenen Augen zu sehen, die als Abbildung vielleicht weiter entfernt und unwirklich scheinen. Wenn es immer weniger Zeitzeugen gibt, die über Ihre persönlichen Erlebnisse berichten können, dann sollten diese authentischen Orte als Zeugen weiter existieren, die zugleich an die Opfer erinnern, Geschichte vermitteln und für die Gegenwart und Zukunft mahnen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren verändert?

Grzenia: Es sind immer mehr Lehrer und Jugendgruppen an Fahrten nach Auschwitz und Majdanek interessiert, wobei die Schüler nicht mehr zu denjenigen gehören, die über die Geschichte von den Großeltern erfahren haben, da die oft schon nach dem Krieg geboren worden sind.

Was halten Sie von der Idee, Schüler zu KZ-Besuchen zu verpflichten?

Grzenia: Was aus Pflicht geschieht, führt nicht unbedingt zum Lernen aus der Geschichte oder zu einer Sensibilisierung dafür. Viel besser finde ich, wenn in der Schule ein Angebot gemacht wird, das interessierte Schüler wahrnehmen, um das Thema NS-Zeit und ihre Auswirkungen zu vertiefen. Wenn dann Schüler, die zum Beispiel in Auschwitz waren, anderen Schülern davon erzählen und sie so neugierig machen, hat das einen größeren Wert, als wenn Fahrten zu Gedenkstätten für alle angeordnet werden. pasch

Mehr von Westdeutsche Zeitung