Abkühlung mit Ansage – aber keine Rezession

Abkühlung mit Ansage – aber keine Rezession

Die Stimmung in den Unternehmen in Düsseldorf und am Niederrhein trübt sich ein, vor allem in der Industrie. Das ergibt eine aktuelle IHK-Umfrage.

Die Gefahr von sich selbst erfüllenden Prophezeiungen ist in der Wirtschaft immer präsent, denn Stimmungen und Erwartungen haben zum Beispiel auf Investitionsentscheidungen von Unternehmen einen großen Einfluss. Insofern mutet es leicht fahrlässig an, dass auch im Großraum Düsseldorf und am Niederrhein die Rezession seit Wochen herbeigeredet, fast beschworen wird. „Ja, es herrscht schon länger eine Stimmung nach dem Motto: Wann kommt denn nun endlich der Absturz?“, sagt Gregor Berghausen, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf. Doch diese Lust an der Krise wollten er und sein Amtskollege Jürgen Steinmetz von der IHK Mittlerer Niederrhein (u.a. Krefeld, Mönchengladbach, Neuss) am Dienstag nicht noch befeuern, als sie ihre neue Konjunkturumfrage vorstellten: „Seriös betrachtet haben wir eine Abkühlung mit Ansage zu konstatieren, aber von einer echten Rezession kann keine Rede sein“, sagte Berghausen.

Rund 850 Unternehmen mit zusammen etwa 85 000 Beschäftigten haben sich an der Umfrage der beiden IHKs im September beteiligt. Der Zusatz „mit Ansage“ bezieht sich auf die nun schon zehn Jahre anhaltende starke Konjunktur, denn dass die nicht ewig anhalten kann, ist klar. Dennoch sind alle nun gemessenen Verschlechterungen bei der Beurteilung von aktueller Lage und den Zukunftserwartungen relativ. So steigt zwar die Zahl von Betrieben, die eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage angeben, insgesamt aber vermelden weiterhin deutlich mehr eine Verbesserung (der Geschäftslage-Indikator als Differenz von Positiv- und Negativmeldungen von Unternehmen steht bei plus 19). Andererseits ist dies der niedrigste Index seit sechs Jahren, was wiederum angesichts des zuvor so hohen Niveaus weder überraschend, noch dramatisch ist.

Die Industrie ist derzeit das Sorgenkind

Dass die Konjunktursorgen mit Blick auf 2020 zunehmen, hat im wesentlichen externe Gründe: Da ist der Handelskonflikt zwischen den Riesen USA und China, die Konflikte am persischen Golf und in Nord-Syrien und natürlich die immer noch nicht behobenen Unsicherheiten um den Brexit. Demgegenüber nachgeordnet sind die Risiken, die regionale Unternehmen in der Inlandsnachfrage und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland sehen.

Schaut man auf die großen Wirtschaftssektoren, ist derzeit die Industrie das Sorgenkind. In fast allen ihren Branchen sind die Auftragseingänge zuletzt zurückgegangen, vergleichsweise gut ausgelastet sind nur noch die Maschinenbauer. Aber: Erstmals seit der Weltfinanzkrise 2008/09 gehen mehr Betriebe von einer schlechten als einer guten Entwicklung ihrer Geschäfte aus. Ein wenig in den negativen Sog der Industrie gerät der Großhandel, jedenfalls bei den eher produktionsorientierten Vertretern.

Bei weitem besser sieht es immer noch und immer weiter in der Bauwirtschaft aus. 71 Prozent der befragten Betriebe nennen die Lage „gut“, nur 2,6% „schlecht“. Dauerhaft stabile Mini-Zinsen halten den Boom insbesondere beim Hausbau unter Dampf, auch fürs nächste Jahr bleiben die Erwartungen positiv. Kummer macht der Baubranche nach wie vor der Fachkräftemangel, zwei von drei Unternehmen fehlt Personal.

Ebenfalls weiterhin robust schätzt der Einzelhandel seine Lage ein, sowohl der stationäre als auch der Online-Handel mausern sich somit zu Stabilitätsankern für die Konjunktur.

Bei den Dienstleistern bleibt das Gesamtbild positiv, eingetrübt hat es sich aufgrund der Sorgen in der Industrie bei den unternehmensnahen Sparten, also etwa im Güterverkehrs- und Logistikgewerbe. „Zu hoffen ist, dass die Situation in der Industrie kein Vorbote für die anderen Zweige ist und sich auf sie überträgt“, sagt Jürgen Steinmetz von der IHK Mittlerer Niederrhein.

Tatsächlich zeigen sich die Unternehmer branchenübergreifend zurückhaltender bei ihren Investitionsplänen. Die gute Nachricht: Auf den Arbeitsmarkt insgesamt dürfte das (noch) nicht durchschlagen, bei den Beschäftigungsplänen flacht laut Umfrage  gerade mal die Expansion ab. Schon aufgrund des Fachkräftemangels überlegen sich die Unternehmen jeden Stellenabbau lieber dreimal.