Abend der französischen Freude

Abend der französischen Freude

Alexandre Bloch dirigiert Debussys „La Mer“

Seit Claude Debussy haben französische Komponisten ein Faible für Wasser in der Musik. Klavier- und Orchesterwerke des frühen 20. Jahrhunderts sprudeln nur so über vom romantisierten Nass. Zu den größten musikalischen Ergüssen Debussys gehört seine dreisätzige Tondichtung „La Mer“. Sie bildet die Schaumkrönung des aktuellen Sternzeichen-Konzerts mit den Düsseldorfer Symphonikern in der Tonhalle.

Der französischen Junior-Chefdirigent Alexandre Bloch ist guter Dinge: Dem Publikum sagt er während einer langen Umräumpause auf dem Podium, wie sehr er sich auf Debussys Meisterstück freue und wie differenziert der Komponist etwa bei den Tempi vorgegangen sei und welch genaue Klangvorstellung er von Aufführungen gehabt habe. Dieser noch heute zu entsprechen sei eine spannende Aufgabe.

Schon in den ersten Takten wird deutlich, dass Bloch das richtige Fingerspitzengefühl für Debussy mitbringt. Vor allem bei den häufigen Wechseln des Rhythmus’ fällt seine um Exaktheit bemühte Zeichengebung auf — insbesondere am Schluss des letzten Satzes. Die Symphoniker folgen dem Dirigenten bereitwillig und zeigen sich auch wieder von ihrer spieltechnisch besten Seite, was ja nicht in jedem Konzert und bei jedem Dirigenten der Fall ist.

Überraschungsknüller ist ein weiteres wässriges Werk französischer Herkunft: „Cythère“ — Konzert für vier Schlagzeuger und Orchester von Guillaume Connesson (geboren 1970). Das stark an die französische Tradition mit Debussy, Ravel und Olivier Messiaen anknüpfende Tonpoem illustriert die griechische Insel Kythera, Ort der Schaumgeburt der Liebesgöttin Aphrodite. Dass die Insel wasserumspült ist, kann man der neuromantischen Komposition anhören. Die vier Soloschlagzeuger, das brillante französische Quatour Beat, erzeugen an Marimbas, Trommeln und Stabglocken flirrende und rauschende Klänge.

Es ist wie der Soundtrack zu einem französischen Film über eine Freudeninsel. Selten wird Schlagzeug so sinnlich und lyrisch eingesetzt wie hier. Genau genommen ist das Stück für fünf Schlagzeuge und Orchester komponiert, denn der gute Bert Flas, Schlagzeuger der Symphoniker, hat hinten im Orchester bei der Perkussion ein Wörtchen mitzureden bzw. zu klöppeln. Mit einem aufwärts strebenden leisen Sirren endet das Stück. Für den kräftigen Beifall gibt es noch eine witzige Zugabe: den „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow. Die vier Solisten spielen das furiose Stück an einem einzigen Marimbaphon und machen aus der Nummer einen brillanten Slapstick.

Vor der Pause gibt es die Erste Symphonie Ludwig van Beethovens. Bloch wirkt hier redlich bemüht, doch die Darbietung gerät denn doch etwas flächig und klanglich reizarm. Das Orchester findet unter seiner Leitung nicht zu der Plastizität, die es im Bereich der Wiener Klassik unter Adam Fischer entwickelt. Deutlich markanter gelingt die Interpretation von Bela Bartóks Divertimento für Streichorchester. Konzerttermin: Heute, 20 Uhr, Tonhalle. Tel. 899-6123

tonhalle.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung