95-jährige Düsseldorferin ist Fortuna-Fan seit sie neun war

Fortuna Düsseldorf : Gisela Euler (95) trägt die Fortuna im Herzen: Seit 86 Jahren Fan

Vor kurzem feierte die überzeugte Fortuna-Anhängerin ihren 95. Geburtstag und ist am Samstag beim Spiel gegen Bayern nach vielen Jahren wieder im Stadion.

Es gibt ja jede Menge Fortuna-Fans. Die einen fiebern etwas mehr mit dem Verein, die anderen etwas weniger. Doch wenn jemand das rot-weiße Gen zu 100 Prozent im Herzen trägt, dann ist das Gisela Euler. Vor kurzem hat sie Geburtstag gehabt und mit nun 95 Jahren hat sie auch noch eine ganz besonders traditionelle Zahl erreicht. Schließlich wurde der Verein 1895 gegründet. Viele Jahre hat sie kaum ein Fußball-Spiel ihres Lieblingsvereins verpasse. Doch aus gesundheitlichen Gründen ist sie nun doch schon eine ganze Weile nicht  mehr im Stadion gewesen. Doch am Samstag traut sie sich noch einmal. Dann geht sie mit ihrem Sohn Bernd zum Spiel gegen den FC Bayern München. Die Partie ist natürlich schon seit vielen Wochen ausverkauft. Ein ganz besonderer Moment, schließlich kann sie die Bayern überhaupt nicht leiden: „Die sind mir viel zu hochnäsig.“ Das gilt für sie vor allem für die Chefetage um Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge. Es gibt allerdings noch einen anderen Verein, den sie überhaupt gar nicht leiden kann und das ist der 1. FC Köln. „Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich Düsseldorferin bin.“

Als sie das erste Mal gegen den Ball tritt wird Fortuna Meister

Die ältere Dame wohnt seit zwei Jahren im Edmund-Hilver-Haus in Derendorf an der Rossstraße. „Dann ging es leider nicht mehr anders. Ich musste meine Wohnung an der Pfalzstraße aufgeben. Aber hier gefällt es mir auch gut.“ Ihr Zimmer ist gemütlich eingerichtet. An der Wand hängen viele Bilder. Sie mag Kunst. In einem kleinen Sekretär bewahrt sie ihre Papiere auf. Die Couch hat ein buntes Blumenmuster. Blumen mag sie sowieso. Auf der Fensterbank stehen jede Menge Blumentöpfe, um die sie sich kümmert. Ein großes Mannschaftsfoto der Fortuna hängt auch an der Wand. Auf dem Tisch steht eine Schale mit Gummibärchen, davon kann sie gar nicht lassen: „Ich gehe nie aus dem Haus, ohne vorher ein paar Gummibärchen zu essen, das geht immer. Schokolade mag ich dagegen nicht so sehr.“

Doch wie ist sie eigentlich Fortuna-Fan geworden? Wir schreiben das Jahr 1933. Gisela Euler wächst in Borkheide auf, einer kleine Gemeinde im Zentrum des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Sie liegt etwa 60 Kilometer Süd-Östlich von Berlin. Neun Jahre war sie alt, als sie das erste Mal gegen einen Ball getreten hat. „Den Jungs fehlten drei Mädchen. Da haben wir die Erlaubnis bekommen, bei ihnen mitzuspielen. Und gegen die  Bauernkinder war das immer ziemlich lustig“, erinnert sie sich. Geschont wurden die Mädchen nicht, es ging immer ordentlich zur Sache. Aber sie wollte auch genauso behandelt werden wie die Jungs.  Das war 1933, also in dem Jahr, als Fortuna Deutscher Meister wurde. „Ich trat das erste Mal gegen den Ball und Fortuna gewann den Titel. Das hat mich irgendwie geprägt.“ Von Ende der 1940er Jahre bis Ende der 90er hat sie kaum ein Fortuna-Spiel verpasst, worauf sie sehr stolz ist.

Nach dem zweiten Weltkrieg ist ihr Heimatdorf so gut wie zerstört und es verschlägt sie nach Düsseldorf, genauer gesagt nach Benrath. Jetzt hat sie sogar zwei Lieblingsvereine. Den VfL Benrath, der damals sehr guten Fußball spielte und 1957 sogar Deutscher Amateurmeister wurde und die Fortuna. Die setzte sich dann nach ein paar Jahren durch. Viele Jahrzehnte verpasst sie kein Spiel. Paul Janes und Toni Turek waren ihre Idole. „Und da war noch einer, den Namen hab ich aber leider vergessen. Der hat bei Café Heinemann gearbeitet und ich bin dann öfter hin, um dort ein Stück Kuchen zu essen.“ Mehr aber nicht, denn ihren späteren Mann Wilhelm hat sie auch bei einem Fortuna-Spiel kennen gelernt.

Vergessen wird sie auch nicht eine Auswärtsfahrt nach Oberhausen. „Wir waren etwa 25 Fans und der Sonderzug hatte Verspätung. Als wir dort angekommen sind, sind wir direkt in den nächsten Block gelaufen. Das war allerdings der Fan-Block von Oberhausen und die Jungs haben sofort angefangen sich zu kloppen. Aber viel ist nicht passiert.“  Bei einem der beiden Pokalsiege 1979 oder 1980 war sie auch dabei. Bei welchem weiß sie allerdings nicht mehr.

Das Europapokal-Finale hat sie leider verpasst

Nach ihrem schlimmsten Fortuna-Erlebnis gefragt kommt die Antwort auch wie aus der Pistole geschossen. „Eigentlich war es ja ein freudiges Ereignis. Aber als in Basel das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger ausgetragen wurde lag ich im Krankenhaus und ich habe noch nicht einmal eine Minute des Spiels sehen können. Das ärgert mich bis heute.“ Hoffentlich muss sie sich am Samstag nicht wieder ärgern. „Aber ich weiß, das wird ein schweres Spiel.“ Heutzutage informiert sie sich über Zeitung und TV über ihren Lieblingsverein. Oliver Fink und Adam Bodzek mag sie besonders gerne. Und auch den Trainer Friedhelm Funkel. „Ich hoffe, er bleibt noch ein paar Jahre.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung