80 Proberäume sollen schließen

80 Proberäume sollen schließen

Der Hochbunker in Lierenfeld muss wegen mangelnden Brandschutzes wohl bald zumachen. Protest formiert sich.

Düsseldorf. Ein Proberaumkomplex in Lierenfeld steht offenbar kurz vor der Schließung. Der Pächter des Hochbunkers am Gatherweg 98, Heinz Camp, kündigt in einem Brief vom 8. Dezember an die Mieter der rund 80 Proberäume an, dass „Sie höchstwahrscheinlich zeitnah Ihren Proberaum nicht mehr nutzen können, da die Nutzungsuntersagung des Bauaufsichtsamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf unmittelbar bevorsteht“.

Ein harter Schlag für die Düsseldorfer Musikszene, sind Proberäume in der Stadt doch sowieso rar gesät. Aufgrund von Doppelbelegungen im Hochbunker würden mit dessen Schließung kurzfristig mindestens 160 Bands und Musiker auf der Straße stehen. „Wo sollen wir so schnell mit unseren Sachen hin?“, fragt Daniel Hitpass, der seit drei Jahren im Keller des Bunkers probt.

Die Nutzungsunterlassung, von der Camp schreibt, beruht offenbar auf länger währenden Gesprächen mit dem Bauaufsichtsamt. Grund ist laut Aussagen von betroffenen Musikern unzureichender Brandschutz. Camp nennt in dem zweiseitigen Schreiben finanzielle Gründe, warum er den Bunker nicht retten kann. Zum einen wolle der Bund als Eigentümer das Gebäude zeitnah an einen Dritten verkaufen, der wohl höhere Pachtzinsen von ihm einfordern würde, die er selbst nicht tragen könne, zum anderen sei er finanziell nicht imstande, die „erheblichen Investitionen“, die in den Hochbunker gesteckt werden müssten, zu leisten.

Bisher ist laut Hitpass zwar keine Nutzungsunterlassung bei den Mietern eingegangen, die Musiker formieren sich dennoch zum Protest. „Momentan sammeln wir Unterschriften, um ein Begehren gegen die Schließung des Bunkers bei der Stadt einzureichen. Außerdem wollen wir einen Verein gründen, der den Bunker möglicherweise selbst betreiben kann“, erklärt Hitpass.

Die Wunschvorstellung der Musiker: Die Stadt kauft das Gebäude vom Bund, investiert — wie schon vor mehreren Jahren in den Werstener Bunker — in den Brandschutz und verpachtet das Gebäude dann an den Verein. Hitpass: „Für jede andere Lösung sind wir aber natürlich ebenso offen.“

Für die Musiker ist die bevorstehende Unterlassung unverständlich. „Im Vergleich zu anderen Proberaumkomplexen in Düsseldorf sind die Zustände sehr gut. Ich als Laie schätze auch das Sicherheitsrisiko wesentlich niedriger ein als anderswo“, sagt Hitpass. Und auch ein anderer, der seit 35 Jahren Musik macht, sieht einen „Superzustand“. „Um einige Klassen besser als beispielsweise im Konsum an der Ronsdorfer Straße“, sagt der 53-Jährige, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Laut Camp lässt sich die Nutzungsunterlassung „aus wirtschaftlichen, gesundheitlichen und persönlichen Gründen“ zwar nicht mehr vermeiden, wann diese eintreten wird, ist jedoch ungewiss. Hitpass: „Wir stehen vor einer Leere. Bisher wurde niemand von offizieller Seite benachrichtigt.“ Der Pächter Heinz Camp war für eine persönliche Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kulturdezernent Hans-Georg Lohe weiß jedoch um das Problem. „Bei der Proberaumsituation in Düsseldorf ist das ein Schlag. Das Kulturamt hat Kontakt zum Eigentümer, dem Bundesvermögensamt, um zu erfahren, ob ein Verkauf ansteht.“ Kaufen könne das Amt den Hochbunker allerdings nicht.