700.000 Menschen feiern am Rhein den Japan-Tag

700.000 Menschen feiern am Rhein den Japan-Tag

Konzerte, Mitmach-Aktionen und am Abend ein spektakuläres Feuerwerk: Trotzdem kamen 150.000 Besucher weniger als im Vorjahr.

Düsseldorf. Mit dem guten Wetter, das den ganzen Tag über herrschte, war es leider vorbei, als um 23 Uhr die ersten Feuerwerkskörper von Oberkassel aus in den Himmel geschossen wurden. Pünktlich zum Höhepunkt des Japan-Tags öffnete Petrus seine Schleusen - und viele Besucher ihre Schirme.

Mangas, Smileys, Goldregen und immer wieder bunte Herzen leuchteten am bedeckten Himmel auf. Das schlechte Wetter indes tat der Begeisterung keinen Abbruch. Trotz des Regens gab es nach dem bunten Spektakel viel Applaus für die japanischen Feuerwerker.

Das sind die Pyrotechniker aus ihrer Heimat nicht gewöhnt: "In Japan sind die Leute so höflich, da wird nach dem Feuerwerk nicht einfach gejubelt", sagte Feuerwerker Hideki Takayasu, der die Begeisterung erfreut zur Kenntnis genommen haben dürfte.

Zehn Stunden lang wurde der Japan-Tag am Rhein gefeiert. Rund 700.000 Gäste kamen an den Rhein, 150.000 weniger als im Vorjahr. Für Japan-Fans ist das Fest ein Highlight im Terminkalender. An 60 Ständen präsentierte die japanische Gemeinde ihre Kultur. Besonders die Mitmachangebote wurden von neugierigen Besuchern gestürmt, die wissen wollten: Wie falte ich die kleinen Kunstwerke aus Papier (Origami), wie stecke ich diese komplizierten Blumengebinde (Ikebana) oder wie steht mir ein Kimono?

Und vor der großen Bühne am Burgplatz gab es kaum noch ein Durchkommen, als die Japaner sich - vornehmlich musikalisch - bei den Düsseldorfern für die Gastfreundschaft bedankten. Auch wenn das manchmal schön schräg klang, wie beim Kinderchor, der die "Ode an die Freude" auf japanisch sang.

Hochbetrieb herrschte auch an der Karaoke-Bühne. Allerdings waren es hier hauptsächlich deutsche Jugendliche, die sich beim typisch japanischen Karaoke-Singen auf die Bühne wagten. "In Japan singt man Karaoke inzwischen eher vor Freunden und weniger in der Öffentlichkeit", sagte Khaled Naib (18), der aus Karlsruhe zum japanischen Kulturfest gekommen war. 6,5 Stunden Zugfahrt nahm er dafür in Kauf. "Aber das ist es absolut wert gewesen, die Veranstaltung ist richtig schön", freute er sich.

Eine noch längere Anfahrt hatte die Delegation der Präfektur Chiba hinter sich, die extra zum Fest aus Japan angereist ist. Neben traditionellen Kunstgegenständen wie dem Nachbau der 400 Jahre alten Samurai-Rüstung hatten sie wohl auch jede Menge Idealismus im Gepäck. "Das Fest unterstützen zu können ist doch viel wertvoller, als einfach nur eine Urlaubsreise zu machen", fand Sohmiya Yoshikazu. Und Hiroko Kubo, die an ihrem Stand Düsseldorfer in die Kunst des Origamifaltens einführte, ergänzte: "Ich liebe den Japan-Tag, weil er uns die Chance gibt zu zeigen, wie sehr wir Düsseldorf lieben - unsere Landesleute sind da sonst viel zu schüchtern für."

Spektakulärer als das fast schon meditative Origami waren die Kampfkunstvorführungen am Unteren Rheinwerft. Ob dynamisches Karate, elegantes Aikido oder traditionelles Bogenschießen, die Vorführungen ließen bei einigen Zuschauern die Münder offen stehen. Für eine Mischung aus Erstaunen und Bewunderung sorgten auch die vielen Manga-Fans und Cosplayer. Sie nutzten das Fest, um mal wieder in aller Öffentlichkeit ihre schrillen Kostüme tragen zu können.

Mehr von Westdeutsche Zeitung