7-Jähriger stirbt in Düsseldorfer Notfallambulanz: System auf dem Prüfstand

7-Jähriger stirbt in Düsseldorfer Notfallambulanz: System auf dem Prüfstand

Debatte um bessere Strukturen in der Notfallmedizin.

Düsseldorf. An seiner Schule gedachten am Dienstag die Mitschüler dem am zweiten Weihnachtstag gestorbenen siebenjährigen Jungen sehr eindrucksvoll: Sie ließen bunte Luftballons aufsteigen, an die sie ihre persönlichen Wünsche für den Jungen geheftet hatten. Nach wie vor ist unklar, warum und woran er gestorben ist, das von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Todesermittlungsverfahren läuft noch. Seine Mutter erhebt (wie berichtet) schwere Vorwürfe gegen die Notfallpraxis (NFP) an der Florastraße und das Evangelische Krankenhaus (EVK), weil die ihr Kind nicht schnell genug und nicht richtig behandelt hätten.

Am Mittwoch war der tragische Fall Thema im städtischen Gesundheitsausschuss — allerdings hielten sich alle Politiker mit Wertungen und Mutmaßungen komplett zurück. Beleuchtet wurde stattdessen das System der Notfallmedizin in Düsseldorf. Es sei insgesamt gut, da waren sich Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke und Frank Bergmann, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (die letztlich Träger der Notfallpraxen ist), einig — dennoch sieht und prüft man Verbesserungsmöglichkeiten: „Wir analysieren konkret, ob in Düsseldorf eine zweite Notfallpraxis eröffnet wird“, sagte Bergmann. Er betonte freilich, dass es jetzt über Weihnachten in der Praxis am EVK keine besondere Häufung von Patienten gegeben habe. Entscheidend sei, dass eine Notfallpraxis enger mit dem Krankenhaus kooperiert, in dem sie Räume angemietet hat. Bergmann: „Wir brauchen einen Tresen, an dem sofort entschieden wird, ob ein neuer Patient in den Krankenhaus-Apparat mit Labor oder EKG muss oder ob die Praxis für ihn genügt“. Heißt: Die Praxis ist wirklich in die Klinik integriert, bietet auch die gleichen Fachrichtungen an — und ist nicht nur Untermieter. Auch Meyer-Falcke ist die Qualität einer solchen Anlaufstelle wichtiger als ihre Anzahl.

Zwar sind die Wartezeiten an manchen Abenden und Wochenenden lang, dennoch stagnieren generell die Fallzahlen an der NFP Düsseldorf bei rund 78 000 im Jahr (davon 12 000 Kinder). Dagegen gehen immer mehr Menschen gleich in die Ambulanz einer Klinik oder rufen den Notarzt über 112.

Auch deshalb gab es vor Jahren bei den Ärzte-Verbänden sogar Überlegungen, die Notfallpraxen aufzugeben. Davon will die KV Nordrhein jetzt nichts mehr wissen.