20 Millionen Euro Beute mit Mogel-Mahnungen

20 Millionen Euro Beute mit Mogel-Mahnungen

Staatsanwalt hat Anklage gegen elf mutmaßliche Betrüger erhoben. Inkasso-Büro hat die Lizenz verloren.

Viele der Opfer dachten, dass sie für ihren Eintrag ins Handelsregister zahlen. Tatsächlich steckte hinter dem amtlich aufgemachten Schreiben der „GWE Gewerbeauskunftszentrale“ aber eine Betrüger-Firma, der es nur darum ging, Firmen, Vereine, aber auch Behörden abzuzocken. Insgesamt elf Mitglieder einer mutmaßlichen Bande wurden jetzt von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft angeklagt. Sie sollen mit der Masche in den vergangenen Jahren rund 20 Millionen Euro ergaunert haben.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen die Täter mindestens 862 Firmeninhaber, aber auch Freischaffende wie Ärzte, Taxiunternehmer oder Steuerberater angeschrieben haben. Verschickt wurde ein Formular, auf dem angeboten wurde, den jeweiligen Betrieb in ein Register einzutragen. Dabei wurde der Eindruck erweckt, dass es sich um einen offiziellen Vorgang wie den Eintrag ins Handelsregister handelte. Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft Hinweise darauf, dass ein solches Register offenbar gar nicht geführt wurde.

As Gegenleistung wurde ein so genannter „Marketingbeitrag“ von 39,85 Euro verlangt. Das hört sich zunächst nicht viel an. Bei einer Laufzeit von zwei Jahren kam dabei aber ein Betrag von mehr als 1138 Euro zusammen. Wer keine Lust hatte, auf das Angebot einzugehen, war damit keineswegs aus dem Schneider. Denn zu dem Firmengeflecht, das hinter der dubiosen Gewerbeauskunftszentrale stand, gehörte auch noch ein Inkasso-Unternehmen. Auf sehr aggressive Weise sollten damit die geforderten Beträge eingetrieben werden: Dem Inkasso—Unternehmen wurde inzwischen die Lizenz entzogen.

Nachdem es eine Vielzahl von Strafanzeigen gab, leitete die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Ein Teil der Beschuldigten soll bereits einschlägig in Erscheinung getreten sein. Darunter auch ein 42-Jähriger, der noch während der laufenden Ermittlungen im Ruhrgebiet eine neue Firma gegründet haben soll. Er saß im vergangenen Jahr auch zeitweise in Untersuchungshaft.

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