Düsseldorf: So sollen wieder mehr Kinder in NRW schwimmen lernen

Schwimmunterricht : So sollen wieder mehr Kinder in NRW schwimmen lernen

Nordrhein-Westfalens Kinder sollen sichere Schwimmer werden. Dazu hat die Landesregierung nun einen Aktionsplan vorgestellt - die Maßnahmen im Überblick.

„Wir haben uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass die Kinder bis zum Ende der vierten Klasse sichere Schwimmer sind, spätestens aber bis zur sechsten Klasse“, verkündete Mattias Richter (FDP), Staatssekretär im Bildungsministerium, am Montag im Freizeitbad Düsselstrand. Dass Kinder mit dem Schuleintritt bereits schwimmen können, sei heutzutage nicht mehr selbstverständlich. „Schwimmen ist nicht nur ein sportliches oder gesundheitliches Thema, sondern auch eine Frage der Sicherheit: Denn Schwimmen können ist lebenswichtig“, meinte Richter. Erst vor wenigen Wochen beklagte die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), dass 60 Prozent aller Grundschulkinder nicht sicher schwimmen können. Die DLRG warnte vor „einem Land der Nichtschwimmer“. Staatssekretär Richter und die Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz (CDU), konnten diese Zahlen zwar nicht bestätigen, sehen aber den Bedarf an zusätzlichem Schwimmunterricht. „Wir haben festgestellt, dass die bisherigen Programme nicht ausreichen“, sagte Richter.

Qualifizierung im Anfängerschwimmen für pädagogisches Personal

Das will die Landesregierung mit einer Vielzahl an Maßnahmen ändern. So soll neben dem einjährigen Schwimmunterricht in der Grundschule mit mindestens 30 Minuten Wasserzeit auch in der Sekundarstufe I Schwimmen im Lehrplan festgeschrieben werden. Dementsprechend sollen sowohl angehende als auch schon vorhandene Lehrkräfte aus- und weitergebildet werden. Zudem sollen auch andere Pädagogen und Erzieher qualifiziert werden. „Wir wollen auch mit Kindergärten reden, damit die Kinder beim Schuleintritt schon an Wasser gewöhnt sind“, sagte Staatsministerin Andrea Milz.

Neben dem Schulschwimmen plant die Landesregierung auch die Ferienkurse auszubauen. Das Programm „NRW kann schwimmen“, welches seit elf Jahren Kindern der Klassenstufen drei bis sechs die Teinahme an Ferienschwimmkursen ermöglicht, soll um die Klassenstufen eins und zwei erweitert werden. Außerdem wolle das Land die Kurse mit 350 Euro, statt wie bisher mit 250 Euro, bezuschussen.

Der Aktionsplan zum Schwimmen sieht ebenfalls eine Lösung für das Problem der Belegungszeiten vor. „Wir haben Kapazitäten an ungenutzten Wasserflächen“, sagte Milz. Deshalb solle der Badbetrieb zeitlich ausgeweitet werden. Lehrschwimmbecken zum Beispiel, die normalerweise an Wochenenden und in den Ferien geschlossen sind, sollen für Kurse geöffnet werden. Das dafür benötigte Personal soll durch Verbände und Kommunen einheitlich qualifiziert werden. Außerdem kündigte Staatsminister Richter eine Woche des Schulschwimmens an. Diese wird in der kommenden Woche erstmals in Essen durchgeführt. „Mit einer Doppelstunde täglich soll das Thema Schulschwimmen sichtbar und intensiv gefördert werden“, betonte Richter. In den kommenden Jahren sollen sich alle Schulformen und Klassenstufen für diese Woche anmelden können.

Schwimmenlernen ist auch Elternaufgabe

Damit das Schwimmenlernen nicht alleinige Aufgabe der Schule bleibt, will die Regierung das Image des Wassersports aufpolieren. Dabei stehen neben den Kindern und Jugendlichen selbst vor allem die Eltern im Fokus. „Wenn Eltern sagen, dass Schwimmen in ihrer Kultur kein Freizeitvergnügen ist, dann müssen wir klar machen, dass es um Lebensrettung geht“, erklärte Milz.

Um als sicherer Schwimmer zu gelten, müssen Kinder laut Empfehlungen der Kultusministerkonferenz einmal ins tiefe Wasser springen, mindestens 15 Minuten durchgehend schwimmen sowie 200 Meter in einer beliebigen Schwimmart absolvieren. Außerdem stehen ein Kopfsprung und 100-Meter-Zeitschwimmen im Anforderungskatalog.

Für 2021 ist in dem Maßnahmenkatalog der Regierung ein Schwimmkongress angesetzt, auf dem unter anderem die besten Schwimmprojekte ausgezeichnet werden sollen. Eine Gesamtevaluation der Schwimmleistungen der Schüler Nordrhein-Westfalens ist erstmals für 2022 vorgesehen.

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