Öffentlicher Nahverkehr in Düsseldorf Pro Bahn kritisiert S-Bahnhof-Bewertung des VRR scharf

Update | Düsseldorf · Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bewertet einmal im Jahr alle Stationen im gesamten Verbundgebiet. Wie Düsseldorf abschneidet.

 Die Haltestelle Düsseldorf-Derendorf schneidet im Stationsbericht des VRR als einer von drei Bahnhöfen mit „ausgezeichnet“ ab.

Die Haltestelle Düsseldorf-Derendorf schneidet im Stationsbericht des VRR als einer von drei Bahnhöfen mit „ausgezeichnet“ ab.

Foto: Kim-Khang Tran

Einmal im Jahr gibt der Verkehrsbund Rhein-Ruhr (VRR) einen Stationsbericht heraus. Darin werden alle von der VRR angefahrenen S-Bahnhöfe nach festgelegten Kriterien bewertet. Das Ergebnis liegt dann in einem vierstufigen Bewertungssystem vor.

Wie schneidet Düsseldorf ab?

In der Gesamtbewertung der Bahnhöfe gibt es in Düsseldorf eine Verbesserung: Drei (Vorjahr: 0) erreichen die Wertung „ausgezeichnet“: Hauptbahnhof, Flughafen und Derendorf. Zwölf (ebenfalls zwölf) werden wie im Vorjahr mit „ordentlich“ bewertet, die zehn (13) verbleibenden mit „entwicklungsbedürftig“. Keiner fällt unter die schlechteste Position „nicht tolerierbar“. Zusammengesetzt werden die Ergebnisse aus den vier Bewertungen zur Aufenthaltsqualität, Fahrgastinformation und Barrierefreiheit, die pro Bahnhof einmal im Quartal erhoben werden.

Aufenthaltsqualität

Hier werden die Sauberkeit und der bauliche Zustand sowie die Ausstattung bewertet. Die Prüfer gehen nach festen Vorgaben vor und überprüfen unter anderem auf Graffiti, Müll, Geruchsbelästigung und Feuchtigkeit, außerdem auf die Fahrkartenautomaten, Aufzüge und Wetterschutz sowie einiges mehr. „Das sind Momentaufnahmen“, betont ein Sprecher der Deutschen Bahn, die für die Bahnhöfe zuständig ist. Nur Düsseldorf-Derendorf wurde dabei eine ausgezeichnete Aufenthaltsqualität attestiert, Rath-Mitte schneidet am schlechtesten ab und erhält in dieser Wertung ein „nicht tolerierbar“. Neun Bahnhöfe erhalten ein „ordentlich“, die restlichen 14 ein „entwicklungsbedürftig“. Ein Sprecher des VRR erklärt dies mit einer „konstant hohen Abwertung in allen Quartalen“. Dabei gab es aber auch einige Verbesserungen im Vergleich zu 2022: Angermund und Düsseldorf-Zoo haben sich beide aus der schlechtesten Kategorie um zwei Stufen verbessert, Düsseldorf-Wehrhahn immerhin um eine Stufe.

Fahrgastinformation

Dabei werden die Fahrplanaushänge, Stationsnamensschilder, die elektronischen Anzeigetafeln und die Zeitanzeigen bewertet. 13 Bahnhöfe schließen dabei in Düsseldorf mit „ausgezeichnet“ ab, nur fünf mit „entwicklungsbedürftig“.

Barrierefreiheit

Die Barrierefreiheit spielt eine wichtige Rolle und prüft auf das Vorhandensein eines stufenlosen Zugangs zu den Bahnsteigen und einem taktilen Leitsystem und einer Bahnsteighöhe von mindestens 76 Zentimetern für einen stufenlosen Zustieg in die Bahn. Hier gibt es dreimal „ausgezeichnet“ für Düsseldorf, kein Bahnhof ist „nicht tolerierbar“. Dennoch besteht auch hier noch bei zehn Bahnhöfen „Entwicklungsbedarf“. Die Abwertung erfolgt auch dann, wenn nur ein Teil der erforderlichen Bausteine nicht vorhanden ist.

Fahrgastbefragung

Der VRR führt daneben auch eine Fahrgastbefragung durch, die allerdings nicht in einzelne Städte aufgeschlüsselt ist. Die Gesamtzufriedenheit erreicht demnach zwar nicht mehr den Höchststand von 2021, ist aber im Vergleich zum vergangenen Jahr leicht gestiegen. In einer Art Schulnotensystem liegt die Zufriedenheit damit bei einer 2,38, für die Zustände an den Stationen gibt es immerhin eine 2,72 von den Fahrgästen.

Kritik

Andreas Schröder, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn NRW, kritisiert, dass es zwar „laut VRR-Eigenbewertung keinen Totalausfall“ gebe, dennoch seien einzelne S-Bahnstationen aus Fahrgastsicht untragbar. Er merkt an, dass es nur wenige Verbesserungen gebe. „Oft hat sich nur die Fahrgastinformation verbessert und dadurch steigert sich die Gesamtbewertung.“ So könne man den Bericht „wundersam von Sorgenkindern befreien“. Er sieht vor allem die fehlende Barrierefreiheit in vielen Stationen sehr kritisch. Er stellt insbesondere die Situation in Gerresheim in den Fokus: „Der Bahnhof ist veraltet und nicht barrierefrei, es gibt keinen Ersatzhalt für Mobilitätseingeschränkte, der enge Tunnel ist gruselig und stinkt. Besserung ist nicht in Sicht.“ Auch in Oberbilk könne die künstlerische Wandmalerei nicht von dem schlechten Gesamtzustand ablenken. Die Verbesserungen in Angermund sollen erst mit dem RRX-Ausbau kommen, das könne aber noch Jahre dauern.

Verbesserung

Der VRR gibt in seiner Tabelle auch geplante oder im Bau befindliche Förderprogramme und Ausbaumaßnahmen an. An zehn Stationen in Düsseldorf sind Bauarbeiten geplant, darunter der RRX-Ausbau in Angermund und Reisholz, aber auch verschiedene Modernisierungsmaßnahmen und andere Ausbauförderung. Derzeit wird allerdings aktiv nur am Bahnhof Düsseldorf-Wehrhahn modernisiert. Ein Sprecher der Deutschen Bahn konkretisiert die Pläne: Die Station Gerresheim werde in Abstimmung mit der Stadt, dem VRR und dem Land NRW barrierefrei ausgebaut; ebenso der Bahnhof Eller-Mitte. „In Benrath plant die DB die Verlängerung des Bahnsteigs an Gleis 3/4. Auch die Stationen Völklinger Straße und Friedrichstadt erhalten barrierefreie Zugänge.“ Noch stehe bei allen Bahnhöfen die Bauzeiträume noch nicht fest. „In Oberbilk können die Ausbauarbeiten eventuell schon in diesem Jahr starten“, erklärt der Sprecher. Dies sei abhängig von der Ausschreibung. Die Deutsche Bahn plant dort die Aufhöhung des Mittelbahnsteigs und den Bau eines neuen Aufzugs.

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