NRW: Dramatische Lage im Forst: Waldbesitzer fordern mehr Hilfe

NRW : Dramatische Lage im Forst: Waldbesitzer fordern mehr Hilfe

Hitze, Trockenheit, Borkenkäferbefall - der NRW-Wald leidet wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Was tun: massenhaft aufforsten oder besser der Natur freie Hand lassen? Bei einer Tagung zur Zukunft des Waldes liegen auch solche Grundsatzunterschiede auf dem Tisch.

Angesichts dramatischer Dürre- und Borkenkäferschäden in den nordrhein-westfälischen Wäldern fordern die privaten Waldbauern mehr Hilfe vom Land. Fördergelder - etwa für den Abtransport der vom Borkenkäfer befallenen Stämme - müssten in der aktuellen Krise viel unkomplizierter und auch rückwirkend bewilligt werden. Das sagte die Geschäftsführerin des Waldbauernverbandes NRW, Heidrun Buß-Schöne, der Deutschen Presse-Agentur. Unsinnig sei die bisherige Höchstgrenze von 15 000 Euro pro Antragsteller und die Beschränkung nur auf Fichtenbestände.

Am Montag (10.00) veranstaltet das Umweltministerium in Düsseldorf unter dem Motto „Der Wald im Klimastress“ eine große Tagung zur Zukunft der Waldwirtschaft in NRW.

Das Landesministerium verweist auf den Bund. Der hatte auf einem nationalen Waldgipfel Ende September 547 Millionen Euro für die Behebung der Waldschäden angekündigt. Allerdings stehe die Verteilung auf die Länder noch nicht fest, erklärte das Düsseldorfer Ministerium. Eine Anhebung der Fördersätze in NRW könne erst geprüft werden, wenn der Länderverteilungsschlüssel feststehe.

Der Wald befinde sich hier im schlechtesten Zustand seit Beginn der Untersuchungen 1984, schreibt Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) in ihrem Tagungsvorwort. Sie verweist allerdings auch auf bestehende Hilfen wie das 100-Millionen-Euro-Programm zur Wiederaufforstung sowie gut neun Millionen Euro für die akute Schadensbewältigung im laufenden Jahr. Von den bislang beantragten Fördermitteln in Höhe von fast 7,8 Millionen Euro seien bereits gut 7,1 Millionen Euro bewilligt worden, teilte das Ministerium mit.

Bei der Tagung geht es auch um die langfristige Strategie der Waldbewirtschaftung. Die Landesregierung setzt als Reaktion auf das massenhafte Baumsterben auf ihr über zehn Jahre gestrecktes 100-Millionen-Euro-Programm. „Wer aufforstet, hilft dem Klima“, schreibt Heinen-Esser in ihrem Vorwort.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte dagegen vor kurzem, auf „flächige Wiederaufforstungen“ zu verzichten, kranke oder tote Bäume nicht mehr aus dem Wald zu holen und stattdessen der natürlichen Vermehrung heimischer Baumarten Vorrang zu geben.

„Die beiden letzten Dürresommer haben uns eindrücklich vor Augen geführt, dass Aufforstungen und Plantagen keine ökologische und ökonomische Zukunft haben“, sagte der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht laut Mitteilung.

Buß-Schöne warf dem BUND vor, sich mit solchen Positionen „ökologisch aufs hohe Ross zu setzen“. Umweltschutz höre nicht an den Grenzen auf. Wenn heimische Waldbauern das Handtuch werfen müssten, werde mehr Holz importiert, das zu schlechteren Standards im Ausland produziert werde - von den Transport-Lasten ganz abgesehen. Kranke oder tote Bäume gehörten so schnell wie möglich aus dem Wald heraus, damit der Borkenkäfer sich nicht noch weiter fortpflanze.

Ziel müsse es sein, robuste, naturnahe und klimastabile Mischwälder zu entwickeln, sagte Heinen-Esser der dpa. Dabei müssten alle Funktionen des Waldes - Naturschutz, Erholung und wirtschaftlicher Nutzen - im Auge behalten werden. „Sie gegeneinander auszuspielen, führt nicht zu einer Waldpolitik mit Zukunft.“

Viele Waldbesitzer im Land stünden kurz davor, die Bewirtschaftung ganz aufzugeben, weil es sich nicht mehr rechne, sagte Buß-Schöne. Bundesweit fordern die Waldbauern neben der akuten Unterstützung im Kampf gegen den Borkenkäfer eine „Baumprämie“ von 125 Euro pro Jahr und Hektar. Damit solle die zentrale Bedeutung des Waldes bei der Speicherung von CO2 honoriert werden, hatten die Familienbetriebe Land und Forst vergangenen Mittwoch ihre Forderung begründet.

NRW hat mit rund 935 000 Hektar - rund 27 Prozent der Landesfläche - eher wenig Wald; der Bundesschnitt liegt bei 32 Prozent. Die wichtigsten Baumarten in NRW sind Fichte (30 Prozent), Buche (19 Prozent) und Eiche (17 Prozent).

Nach den Hitze- und Trockenheitssommern 2018 und 2019 sind die Schadensmengen durch den Borkenkäfer in NRW explosionsartig in die Höhe geschossen. Bei der besonders betroffenen Fichte verfünffachte sich die Menge des sogenannten Kalamitätsholzes in der kurzen Zeit zwischen Ende 2018 und September 2019 nach Zahlen des Ministeriums auf 15,8 Millionen Festmeter und lag damit sogar über den Schadensmengen des Orkans Kyrill 2007 (15,7 Millionen in NRW).

Waldbaukonzept NRW

Forderung Familienbetriebe Land und Forst

Mitteilung BUND

Infos des Umweltministeriums

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