Discounter-Duell auf der „Kö“: Aldi und Lidl kämpfen um jeden Kunden

Innenstadtläden : Discounter-Duell auf der „Kö“: Aldi und Lidl kämpfen um jeden Kunden

Ob am Stadtrand oder in der Innenstadt: Die beiden größten deutschen Discounter machen sich überall die Kunden streitig. Auf der Königsallee in Düsseldorf rückt Lidl dem Rivalen Aldi jetzt ganz nah auf die Pelle.

Düsseldorfs Königsallee ist eigentlich kein Revier für Discounter. Mit ihren Shops von Prada, Hermes und Armani zielt sie eher auf Luxuskonsumenten. Doch seit Donnerstag schmückt sich nicht nur Aldi, sondern auch der Rivale Lidl mit einer Filiale unter der renommierten Adresse. Die Geschäfte liegen in Sichtweite voneinander - nur durch eine Straßenkreuzung getrennt. Der immer schärfer werdende Zweikampf der Discounter - hier wird er deutlich sichtbar.

Für den Handelsexperten Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der „Lebensmittel Zeitung“ hat die enge Nachbarschaft der Discounter auf der „Kö“ durchaus symbolischen Wert. „Lidl rückt Aldi immer mehr auf die Pelle.“ Seit Jahren verkleinert der Discounter aus Neckarsulm Schritt für Schritt die Distanz zum deutschen Marktführer Aldi.

Gekämpft wird mit Sonderangeboten, aber auch mit starken Sprüchen. So reizte der Neckarsulmer Konzern kürzlich den Rivalen mit Plakaten mit dem Motto: „Lidl lohnt sich. ALDI anderen sind teurer“. Aldi feierte sich im Gegenzug nur wenige Tage später in einer Digitalkampagne als der „Erfinder von günstig“. Die kaum versteckte Botschaft: Lidl sei eigentlich nur ein Nachahmer.

Beide Discount-Ketten stehen unter erheblichem Druck. Denn nach einer Marktanalyse der Gesellschaft für Konsumforschung verloren die Billiganbieter insgesamt in den ersten sechs Monaten spürbar Marktanteile an die großen Supermarktketten wie Edeka oder Rewe. „Während die Super- und Verbrauchermärkte ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2019 um gut zwei Prozent, die Drogeriemärkte sogar um knapp drei Prozent steigern konnten, müssen sich die Discounter um eine „schwarze Null“ bemühen“, berichtet die GfK.

Dabei investieren die Discounter seit Jahren Milliarden, um ihre Geschäfte attraktiver zu machen und mehr Kunden anzulocken. Wo einst Holzpaletten und kaltes Neonlicht die Läden prägten, sorgen jetzt aufwendige Backstationen, immer mehr Obst und Gemüse und eine immer großzügigere Ladengestaltung für ein angenehmes Einkaufsambiente. Neueröffnete Discounter am Rand der Wohngebiete haben inzwischen oft Verkaufsflächen von 1200 Quadratmetern und mehr. Sie sind damit so groß wie klassische Supermärkte.

Gleichzeitig suchen die Discounter aber auch immer öfter nach neuen Standorten in den Innenstädten wie etwa an der Düsseldorfer „Kö“ - und nehmen dabei auch Abstriche bei der Ladengröße in Kauf. „Die Discounter müssen dahin gehen, wo die Kunden sind“, erklärt der Handelsexperte Queck die Entwicklung. Schließlich sei der Trend zur Urbanisierung gerade unter den jüngeren Leuten ungebrochen. Und die seien die Zukunft – auch für Aldi, Lidl und Co..

Erst im Februar eröffnete Lidl am Isartor in München eine Filiale mit gerade einmal 503 Quadratmetern. Das neue Geschäft sei damit „zwei Nummern kleiner“ als eine normale Filiale, berichtete damals die „Lebensmittel-Zeitung“. Dennoch machte die Neueröffnung in den Augen von Lidl Sinn. Durch den Zuzug in die Großstädte würden die Flächen knapper. „Wenn wir trotzdem nahe bei den Kunden sein wollen, müssen wir uns anpassen“, betonte damals ein Lidl-Manager.

Auch die neue Lidl-Filiale an der „Kö“ hat nur rund 700 Quadratmeter. Attraktiv sind für den Discounter vor allem die hohen Kundenfrequenzen in der belebten Innenstadtlage. Die Filiale liege ideal, um sich im Vorbeigehen schnell und unkompliziert mit frischem Obst und Gemüse, Fertigprodukten oder Waren für den täglichen Bedarf einzudecken, heißt es bei Lidl. Und dass der Konkurrent Aldi in direkter Nachbarschaft präsent sei, sei auch ein Vorteil. „Mehr Händler bedeuten eher, dass die Anziehungskraft dieses Standortes insgesamt noch weiter steigt.“

Dennoch sind derartige Filialen in den Innenstädten eine Herausforderung für Aldi und Lidl, ist Handelsexperte Queck überzeugt. „Innenstadtlagen sind für Discounter nicht einfach zu handhaben. Sie sind schwieriger zu bekommen, die Läden oft deutlich kleiner als üblich, die Mieten dafür in der Regel deutlich höher als an den klassischen Discounter-Standorten.“

Trotz aller Herausforderungen sind die Preise in den Innenstadtläden aber bislang die gleichen wie in den Filialen am Stadtrand. Ob dies allerdings auf Dauer so bleibt, daran hat Handelsexperte Queck seine Zweifel. „Mittel- oder langfristig könnte das Einkaufen in den Innenstadtläden durchaus etwas teurer werden als in den Geschäften auf der grünen Wiese“, glaubt er. Aldi habe ein solches Modell im besonders teuren London mit seinen „Aldi local“- Läden bereits vorexerziert. „Dort kosten die Produkte schon heute etwas mehr als im normalen Aldi.“

(dpa)
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