Die Sehnsucht nach lokalen Ampelmännchen wächst in NRW

Ampelmännchen-Trend : Wie die Sehnsucht nach lokalen Ampelmännchen in NRW wächst

Ein Bergmann in Duisburg und ein Esel in Wesel - allerorten wächst die Sehnsucht nach regionalen Figuren auf den Ampeln. Auch in Wuppertal oder Düsseldorf gibt es Vorschläge - aber der NRW-Verkehrsminister sieht den Trend kritisch.

Wenn man nach Symbolen für regionale Unverwechselbarkeit sucht (um nicht wieder den Heimatbegriff zu bemühen) – Verkehr wäre nicht gerade die erste Idee. Aber vielleicht ist es auch kein Zufall, dass inmitten globaler Haltlosigkeit gerade dort das Bedürfnis nach Selbstvergewisserung wächst, wo Menschen sich auf den Weg machen und ihr vertrautes Umfeld verlassen. Das wäre zumindest eine erste Erklärung, warum auf die Renaissance der alten Autokennzeichen aus der Zeit vor der Gebietsreform jetzt die Stunde der lokalen Ampelmännchen schlägt.

Der Esel in Rot und Grün darf in Wesel kommen

Seit dieser Woche Donnerstag erhalten Fußgänger an der Mülheimer Straße vor dem Duisburger Zoo ihr Signal von roten und grünen Bergmännchen (oder klingt das zu despektierlich?). Fünf weitere Stellen im Stadtgebiet sind schon auserkoren, um wenigstens über Tage den Berufsstand zu ehren, der unter Tage zum Jahresende ausgedient hat.

Mainz hat die Mainzelmännchen als Ampelmännchen. Foto: picture alliance / Torsten Boor//Torsten Boor
Bergbau-Ampelmännchen: Fußgängerampel zeigt einen Bergmann

Vorschläge dieser Art schießen derzeit allerorten aus den lokalen Gremien wie Pilze aus dem Boden – mal mehr, mal weniger erfolgreich. In Wuppertal konnte sich die Idee, in der Nähe der Absprungstelle die Umrisse des legendären Elefanten Tuffi auf eine Ampel zu bekommen, bisher nicht durchsetzen. Auch der schon seit Jahren in Düsseldorf kursierende Vorschlag einer Radschläger-Ampel harrt noch der Umsetzung. Dafür hat die alte Hansestadt Wesel am Niederrhein ganz aktuell sogar die Zustimmung der Bezirksregierung Düsseldorf bekommen, um künftig im Stadtgebiet – ja, wen wohl? – einen Esel die Fußgängerströme leiten zu lassen.

Foto: dpa/Christophe Gateau

Die neue Sehnsucht nach identitätsstiftenden Ampeln ist nicht auf Nordrhein-Westfalen beschränkt. Der Prototyp und Vorkämpfer der Bewegung ist das Ost-Ampelmännchen, das nach der Wende wie so vieles eigentlich auf dem Schrotthaufen der Geschichte entsorgt werden sollte. Der Austausch gegen die West-Ampelmännchen rief dann aber einen solchen Protest hervor, dass die Ost-Figur nicht nur verspäteten Einzug in die Richtlinien für Lichtsignalanlagen erhielt, sondern später auch westdeutsche Städte eroberte. Heute ist das Männchen längst einer der größten Sympathieträger der alten DDR und führender Marketingbotschafter Berlins.

In Wuppertal bleibt es für die Schwebebahn bei einer Fotomontage. Foto: KLXM

Ideologisch verwandt zeigt in Trier seit diesem Jahr das Konterfei von Karl Marx 200 Jahre nach dessen Geburt erstaunlicherweise nicht nur Rot, sondern auch Grün. In Mainz haben es die Mainzelmännchen schon vor zwei Jahren auf einige örtliche Ampeln geschafft, in Hameln signalisierte das niedersächsische Verkehrsministerium im Sommer nach anfänglichem Zögern, nun doch eine Rattenfängerampel zu dulden. In Köln-Ehrenfeld weist gar eine Ampelfrau den emanzipierten Rheinländer(inne)n den Weg. Und in Bremen setzte die dortige Touristik-Zentrale vor Jahresfrist die Bremer Ampel-Musikanten durch. Schwerer mit den Behörden hatten es die Mainzelmännchen im baden-württembergischen Ehingen und die Comicfiguren „Äffle & Pferdle“ in der Landeshauptstadt Stuttgart: Sie wurden mit Hinweis auf die Erlasslage ausgebremst.

Und auch den Elefanten Tuffi wird es nicht in Grün auf einer Ampel geben. Foto: KLXM

Auch im NRW-Verkehrsministerium von Hendrik Wüst (CDU) hat die lokalpatriotische Ampelbewegung noch nicht Fuß gefasst. Im Juni erging ein vierseitiger Erlass über „Sinnbilder für Fußgänger in Lichtsignalanlagen“ an alle Bezirksregierungen, den Landesbetrieb Straßenbau, das Innenministerium und die Kommunalverbände. Tenor: Es bestünden „erhebliche grundsätzliche und vor allem sicherheitstechnische Bedenken gegen jedwede Modifikation amtlicher Verkehrs- und Lichtzeichen“.

Eher zähneknirschend wird darauf verwiesen, dass „die örtlichen Straßenverkehrsbehörden zwar in Einzelfällen von den Gestaltungsgrundsätzen abweichen“ könnten, allerdings liege dann auch die Beweislast bei ihnen, dass die Alternativlösung „den gebotenen Sicherheitsstandard auf andere Weise gewährleistet“. Und sollte etwas schiefgehen, beispielsweise durch einen Unfall und eine anschließende Klage, stellt das Ministerium klipp und klar fest: „Die für die örtliche Lichtzeichenregelung verantwortliche Straßenverkehrsbehörde und die Straßenbaubehörde als Betreiber der Lichtsignalanlage stehen dann für ihre von den Grundsätzen abweichende Entscheidung in der Haftung.“ Um das zu vermeiden, empfiehlt der Erlass, „eine unabhängige Prüfstelle mit einer lichttechnischen Untersuchung der modifizierten Sinnbilder zu beauftragen“.

Vermutlich zu viel Bürokratie für das Duisburger Bergmännchen. Es weiß Volkes Stimme hinter sich – und wirbt bereits mit einer eigenen Internet- und Facebookseite um eine Abstimmung mit den Füßen.