Ratingen. : Die Ratinger Innenstadt im Wandel der Zeit

Ratingen. : Die Ratinger Innenstadt im Wandel der Zeit

In den 60er und 70er Jahren sah ein Einkaufsbummel durch Ratingen noch ganz anders aus als heute. Eine Erinnerung.

Neue Häuser, neue Läden, manche allerdings sind leer. Die Ratinger Innenstadt hat sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert. Manches ist aber auch geblieben, wie das Markt-Café Iland-Vogt und gleich daneben das Reisebüro Tonnaer.

Verschwunden sind dagegen viele Läden aus der Kindheit in den 1960er und 1970er Jahren. Was bleibt, sind die kindlichen Erinnerungen – ob sie immer 100-prozentig stimmen, ist ungewiss, zumindest sind sie eindeutig subjektiv.

Der Einkauf mit der Mutter begann an der Düsseldorfer Straße. Dort hatte die Familie Stüwe ihre Bäckerei. Und dort gab es den so herrlich leckeren Heidesand, der trotz seines Namens gar nicht trocken schmeckte. Heute gibt es ihn kaum noch zu kaufen.

Mit dem Gebäck auf der Hand ging’s Richtung Markt. Die nächste Richtung hing vom Wochentag ab. Wenn es auf den Freitag zuging, war die Bechmer Straße das Ziel, genauer gesagt, das Fischgeschäft Cant. Dort standen hinter der langen Glastheke die Verkäufer in Plastikschürzen und mit Gummistiefeln, während der Fisch auf grob zerstoßenem Eis lag. In der Erinnerung war der Laden bis unter die Decke gekachelt. Auf dem Einkaufszettel stand in der Regel Rotbarsch für die Pfanne oder Schellfisch zum Kochen. Der musste dann zuhause noch ordentlich geschuppt werden, bevor er in den Topf kam.

An anderen Tagen ging es zur Oberstraße, vor allem dann, wenn das Kind neue Schuhe brauchte, weil die alten zu klein geworden waren. Im Schuhhaus Stuke gab’s nämlich Salamander-Schuhe. Bevor die Kartons mit den entsprechenden Modellen herausgesucht wurden, wurden erst einmal die Füße vermessen, um die genau richtige Schuhgröße zu ermitteln. Doch noch spannender als die neuen Schuhe waren die Salamander-Hefte, in denen der Hauptdarsteller Lurchi, ein Feuersalamander, mit seinen tierischen Freunden wie dem Igel Abenteuer erlebte. Ein Heft gab es nämlich zum Einkauf dazu.

Das Mädchenparadies beherbergte Puppen

Die Oberstraße war ein Paradies für Kinder, denn dort, ganz in der Nähe des Schuhgeschäfts, lockte Spielwaren Irlich den Nachwuchs magisch an. In den Glasvitrinen vor dem Eingang gab’s schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was sich hinter den Ladentüren alles verbergen mochte. Hinter den hölzernen Ladentheken, auf denen die Verkäuferinnen die gewünschten Spielsachen präsentierten, türmten sich die Regale mit Modellautos und -flugzeugen, die Jungs selber zusammenbauen konnten und auch Gesellschaftsspiele und Baukästen. Das Mädchen-Paradies lag im Untergeschoss, das über eine Treppe zu erreichen war. Dieses Geschoss beherbergte Puppen und deren Anziehsachen. Später gab’s dort auch Kleider für die Barbie-Puppe. Der gesamte Laden verströmte einen speziellen, angenehmen Geruch. Vielleicht ein Gemisch aus Holzpolitur und Bohnerwachs?

Aus diesem Kindheits-Paradies zurückgekehrt, führte der Nachhauseweg an der Metzgerei Poßberg an der Oberstraße vorbei. Die hatte neben der eigentlichen Metzgerei noch eine kleine Verkaufsstelle für Pommes frites. Die frisch frittierten Kartoffelstäbchen gab’s damals noch in der Tüte, die dann durchs Verkaufsfenster gereicht wurde, wahlweise mit Mayonnaise oder Ketchup.

Hübsch anzusehen, aber für Kinder nicht so interessant war das Feinkostgeschäft Holland. Dort gab es alles, was vor allem Erwachsenen schmeckte, hübsch in Dosen verpackt in den Verkaufsregalen.

Während es all diese Läden nicht mehr gibt, hat sich eines aber noch gehalten: das Schreibwaren-Geschäft Kellermann. Einmal im Jahr, zu Beginn des neuen Schuljahrs, wurden die neu ausgegebenen Bücher mitgenommen, um im Laden an der Düsseldorfer Straße die passenden Klarsichtumschläge zu besorgen. Dort wurden auch der erste Füller gekauft und die Schreib- und Rechenhefte für den Schulunterricht.

Mehr von Westdeutsche Zeitung