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Die Lehren aus dem kleinen Desaster um Curevac

Curevac-Impfstoff scheint nur wenig wirksam : Die Lehren aus dem kleinen Desaster um Curevac

Dieser Rückschlag lehrt Demut im Umgang mit Hochtechnologie und einer gesellschaftlich bisweilen laxen Interpretation unseres Wettlaufs um die Gesundheit von Abermillionen Menschen in dieser Corona-Pandemie.

Der Rückschlag ist heftig, den das Tübinger Unternehmen Curevac bei der Bewertung seines potenziellen mRNA-Impfstoffs gegen Covid-19 hinnehmen muss. Eine 47-prozentige Wirksamkeit als Zwischenergebnis ist nichts, was den deutschen Impfstoff mitsamt der Investition von 300 Millionen Euro Steuergeld katapultartig nach vorne bringen wird. Aber: Dieser Rückschlag lehrt Demut im Umgang mit Hochtechnologie und einer gesellschaftlich bisweilen laxen Interpretation unseres Wettlaufs um die Gesundheit von Abermillionen Menschen in dieser Corona-Pandemie.

In vielerlei Hinsicht: Nichts ist selbstverständlich, ganz sicher nicht, dass nach relativ kurzer Zeit eine Vielzahl von wirksamen Impfstoffen zur Verfügung stehen. Dass der Curevac-Investor Dietmar Hopp das Tübinger Vakzin bereits im Herbst 2020 erfolgreich auf dem Markt sah und Tübingens Oberbürgermeister Palmer mehrfach lautstark nach einer Sonderzulassung schrie, weist nach, dass Abläufe über Prüfungen und empfehlende Impfkommissionen keine bürokratischen Monster, sondern notwendig sind.

Und: Ankündigungs- und Verschleierungstaktiken stehen Hoffnungen und Vertrauen gegenüber. Letztere Werte sind unerlässlich im Umgang mit Impfung. Jetzt scheint ein wichtiger Impfstoff aus dem Rennen, zudem sind Investoren enttäuscht, die wir alle sind: Der Bund ist mit 23 Prozent an Curevac beteiligt. Und in Wuppertal hofft die Stadt über die Produktion bei Bayer auf positive Strahlkraft, Arbeitsplätze und Gewerbesteuer.

Der Curevac-Rückschlag, der dem Erfolg von Biontech in Deutschland quasi diametral gegenüber steht, hat aber auch eine andere Botschaft: Dass die Freigabe der Patente für die Impfstoffe vorschnell gefordert wurde, verkennt, mit welchem Wagnis die Biotechnologie-Firmen bei der komplizierten Erforschung solcher Vakzine ins Rennen gehen. Curevac hat das an diesem Tag bitter erfahren müssen – und muss jetzt daran festhalten, dass die spezielle mRNA-Technologie des Unternehmens künftig auf anderem Gebiet zum Tragen kommt.