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DGB-Ausbildungsreport: Die Mängelliste der Auszubildenden

DGB-Ausbildungsreport 2019 : Die Mängelliste der Auszubildenden

Laut DGB-Umfrage sind zwar zwei Drittel mit ihrer Ausbildung insgesamt zufrieden. Aber es gibt auch einige Problemfelder.

Verwaltungsfachangestellte, Bank- und Industriekaufleute, Industriemechaniker und Elektroniker für Betriebstechnik erhalten bei den Auszubildenden in NRW die besten Bewertungen. Am Ende der Skala stehen unter anderem Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Hotelfachkräfte, Friseure, Köche und Kfz-Mechatroniker. Der jährliche Ausbildungsreport des DGB gibt die Einschätzungen von gut 5000 Auszubildenden der 25 gefragtesten Ausbildungsberufe wieder. Bei knapp zwei Dritteln von ihnen fällt die Beurteilung der Ausbildungsqualität gut aus.

Dennoch sagt die DGB-Landesvorsitzende Anja Weber: „Aus unserer Sicht gibt es nach wie vor zwei Probleme: fehlendes auswahlfähiges Angebot und fehlende Qualität der Ausbildung.“ Auswahlfähiges Angebot ist ein Fachbegriff, der nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts dann greift, wenn auf 100 Bewerber statistisch mindestens 112,5 offene Ausbildungsplätze kommen. Das aber sei nur in fünf von 30 Arbeitsagenturbezirken der Fall. „Der in der Öffentlichkeit erweckte Eindruck, dass es genügend Ausbildungsplätze gibt, ist nach wie vor nicht zutreffend“, sagt Weber. Nur ein Fünftel der Betriebe in NRW bilde aus.

„Das Handwerk kann der DGB mit der Kritik nicht meinen“, sagt dagegen Andreas Oehme, Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT). „Unsere Betriebe sagen uns: Bringt uns junge Leute. Wir finden keine Auszubildenden.“

Bei den Schlusslichtern im Ausbildungsberuf sieht der DGB eine lange Mängelliste: Sie reicht von unterdurchschnittlicher Vergütung und Berufsschulzeiten, die im Betrieb nachgeholt werden müssen, bis zu schlechter Betreuung und ausbildungsfremden Tätigkeiten. Bei der Ausbildungsvergütung reicht das Spektrum im ersten Ausbildungsjahr von monatlich 510 Euro (Friseure) bis zu 1100 Euro (Chemielaboranten).

Bei Köchen und Friseuren Abbruchquoten von 50 Prozent

Auch da ist Oehme skeptisch: „Es gibt vielleicht statistische Zusammenhänge zwischen der Vergütung und der Zufriedenheit, aber keine kausalen.“ Viel habe mit den Erfordernissen zu tun, die der Beruf mit sich bringe. „Friseure arbeiten immer am Menschen und haben die Kunden ständig um sich. Man muss immer freundlich sein und kann sich nicht zurückziehen.“ Das falle Auszubildenden je nach Typ schwer. Laut Eric Schley, Abteilungsleiter der DGB-Jugend NRW, liegt die Abbruchquote bei Köchen und Friseuren um die 50 Prozent und damit doppelt so hoch wie im Durchschnitt.

In einem anderen Kritikpunkt sind sich Gewerkschaft und Handwerk dagegen einig: bei der Qualitätsbeurteilung der Berufsschule. „Das Berufskolleg als zweiter Lernort im dualen System der Berufsausbildung wird von den Befragten weitaus kritischer beurteilt als der Betrieb selbst“, sagt Weber. Sie fordert eine umfassende Evaluation. Noch fristeten Berufskollegs in der bildungspolitischen Debatte ein Schattendasein.

Auch Oehme sieht bei einem Teil der Berufsschulen systemische Defizite. Zum einen gebe es in bestimmten Fächern einen Fachlehrermangel, zum anderen je nach finanziellen Möglichkeiten der Kommunen auch eine schlechte Ausstattung. Denn für das Personal ist das Land zuständig, aber für die Ausstattung die Schulträger, also in der Regel die Kommunen. „Die Entschuldung der Kommunen ist daher auch ein Schritt, um die Qualität der Berufskollegs zu verbessern“, so die DGB-Vorsitzende. Sie warnt zugleich davor, Berufskollegs zu verteufeln.

Ein Ärgernis aus Sicht des DGB wird zum Jahreswechsel abgestellt. Dann tritt eine Änderung im Berufsbildungsgesetz in Kraft, die die Rückkehrpflicht in den Betrieb nach der Berufsschule unterbindet. „Wir hoffen, dass es dann mit dem Nacharbeiten der Berufsschulzeit vorbei ist“, sagt Schley. „Die Berufsschule ist klar Teil der Ausbildungszeit.“

Defizite sieht der DGB auch beim diesjährigen Schwerpunktthema Digitalisierung. 80 Prozent der Azubis sehen das Thema als wichtig für die Zukunft ihres Berufs an. Aber nur die Hälfte der Auszubildenden wird gezielt dafür qualifiziert. „Kompetenzen, die da sein müssten, sind oft nicht da“, bestätigt auch Oehme.