Artenschutz in Tönisvorst Welche Möglichkeiten es gibt, damit der Garten zum Bienenparadies wird

Tönisvorst · Wie ist der Garten oder Balkon fit zu machen, um Wildbienen und Hummeln gute Bedingungen zu bieten? Welche Gäste sind wann zu erwarten? Das erklärt der Nabu-Vorsitzende in Tönisvorst, Reimer Martens.

 Eine Wildbiene schläft festgebissen an einer Samenhülse. Um Gärten und Balkone für die Tiere interessant zu machen, braucht es Vielfalt.

Eine Wildbiene schläft festgebissen an einer Samenhülse. Um Gärten und Balkone für die Tiere interessant zu machen, braucht es Vielfalt.

Foto: Annika Dzuballe

Der Frühling ist endlich da. Mit etwas Glück lassen sich auch schon die ersten Wildbienen beobachten. „Seit einiger Zeit ist die gehörnte Mauerbiene bereits aktiv“, erklärt der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Tönisvorst, Reimer Martens. Bei der gehörnten Mauerbiene handelt es sich um eine Wildbiene mit tiefschwarzem, dicht bepelztem Körper und einer rostroten Hinterleibsspitze. Namensgebend sind die Hörnchen, die nur die Weibchen tragen. Die große Wildbienenart lebt vor allem in Siedlungsräumen und nutzt zur Brut gerne langgestreckte Hohlräume unterschiedlichster Art, beispielsweise Mauerspalten, Pflanzenstängel oder vorhandene Gänge in Totholz. Daher ist die gehörnte Mauerbiene auch in Insektenhotels anzutreffen, sofern diese fachgerecht gestaltet worden sind.

Viele Insektenhotels, die im Handel vertrieben werden, seien jedoch für Wildbienen gänzlich ungeeignet. An scharfkantigen Holzröhren könnten sich die Wildbienen ihre Flügel verletzen und Tannenzweige oder Holzwolle als Füllung lüden Fressfeinde ein. Zudem seien viele angebotene Stängel entweder zu kurz oder viel zu groß, um von Wildbienen gerne angenommen zu werden.

Um summende Gäste im Insektenhotel begrüßen zu dürfen, sei es daher wichtig, auf die Qualität eines Insektenhotels zu achten. Eine passende Brutmöglichkeit selbst zu bauen, sei ebenfalls nicht schwer.

Dazu könnten beispielsweise markhaltige Stängel, wie von Brombeeren oder Holunder, senkrecht am Zaun oder an einer Wand befestigt werden. Beliebt seien auch alte Konservendosen, die mit Bambusstängeln gefüllt werden. Dabei sei zu beachten, dass die Stängel eine Länge von mindestens sechs Zentimetern aufweisen und abstehende Splitter abgeschmirgelt werden. „Über 50 Prozent der Wildbienen nisten allerdings im Erdreich“, betont Martens. Diese Bodenbrüter benötigten meist einen offenen Sandboden, in den sie stabile Brutröhren bauen können. Um Hosenbienen, Seidenbienen oder die gemeine Sandbiene zu unterstützen, lohne sich die Anlage eines sogenannten Sandariums. Dabei handelt es sich um eine Sandfläche, die von Bewuchs freigehalten wird und so Bodenbrütern Nistmöglichkeiten bereitstellt. Wichtig sei dabei, dass der Untergrund über eine gute Drainage verfügt, damit sich im Winter keine Staunässe bilden kann.

Eine Wasserstelle kann
zur Artenvielfalt beitragen

Zudem sollte auch das passende Nahrungsangebot für die jeweilige Wildbiene in der Umgebung vorhanden sein, damit das Sandarium angenommen wird. „Am wichtigsten ist es insgesamt, Lebensräume zu schaffen, beispielsweise in Form von Totholz oder Laubhaufen“, macht der Experte deutlich. Martens beobachtet, dass Gärten zunehmend aufgeräumter seien und damit keinen Lebensraum mehr böten. „Gärten werden immer mehr zum Wohnraum“, sagt der Nabu-Vorsitzende. Ein Garten, der für Tiere attraktiv ist, zeichne sich allerdings durch seine Vielfalt aus. Neben Totholz und Laubhaufen könnten auch Elemente wie Steinhaufen, wilde Ecken oder eine Wasserstelle zur Artenvielfalt beitragen. Der Experte macht jedoch deutlich: „Man muss etwas Geduld aufbringen. Neue Pflanzen brauchen erst etwas Zeit, um gut anzuwachsen und ein Gartenteich braucht sogar bis zu zwei Jahre, damit er richtig läuft“. Besonders wichtig sei es zudem, auf ein vielfältiges Blühangebot zu achten. Bunte Stauden mit ungefüllten Blüten, Sträucher und Bäume machen einen artenreichen Lebensraum aus. Hierbei sei es besonders ratsam, auf heimische Pflanzen zu achten, denn viele Wildbienen seien auf bestimmte Blüten spezialisiert. So sei die Glockenblumen-Scherenbiene, wie der Name schon verrät, auf Pollen und Nektar der Glockenblumen angewiesen.

Eine der wichtigsten Pollen- und Nektarquellen im Frühjahr seien die Blüten der Weide. Aber auch Krokusse, Wildtulpen, Schlüsselblumen oder Vergissmeinnicht seien für Insekten im Frühjahr sehr wertvoll. „Aktuell ist es für viele Insekten allerdings noch etwas zu kalt“, betont Martens. Es bleibt also noch etwas Zeit, den eigenen Balkon oder Garten für die kleinen Lebewesen vorzubereiten.

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