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Der Schulplan für NRW in Corona-Zeiten

Fragen und Antworten : Der Schulplan für NRW in Corona-Zeiten

Ab kommender Woche beginnt in NRW die Schule. Zuerst aber nur für Abschlussschüler aus den Klassen 10, 12 und 13. Unterricht nach Stundenplan wird es erst später geben – und nur schrittweise.

Ab wann sind die Schulen wieder geöffnet?

Ab Montag bis Mittwoch kommender Woche öffnen die weiterführenden Schulen in NRW wieder. Zunächst allerdings nur für Lehrkräfte, Schulleitung und Schulträger. Die nämlich sollen innerhalb von drei Tagen gemeinsam die organisatorischen Bedingungen für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs schaffen. Ab kommendem Donnerstag können dann angehende Abiturienten und Schüler, die vor mittleren Abschlüssen in den Jahrgangsstufen 10, 12 und 13 stehen, zurück in die Schulen kommen – freiwillig. Ihnen werden unter den dann gesetzten verschärften Sicherheitsvorschriften gezielte Unterrichtsangebote gemacht. Einen regulären Unterricht wird es zunächst nicht geben. Zunächst sind in NRW also nur 148 000 von insgesamt 2,5 Millionen Schülern gefragt. Ab 4. Mai sollen dann die Jahrgänge, die 2022 vor dem Abschluss stehen, mit Unterricht beginnen. Sukzessive werden dann weitere Jahrgänge in die Schulen geholt werden.

Was ist der Leitgedanke der aktuellen Krisenpolitik für Schulen?

„Der Wunsch ist, dass wir so viele Schüler als möglich in die Klassen zurückbekommen“, sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Es werde angesichts der bevorstehenden Beschränkungen wohl nicht zu normalem Unterricht an fünf Tagen in der Woche nach altem Stundenplan kommen. Ihr sei es aber wichtig, dass „Lehrkräfte wieder den persönlichen Kontakt mit Schülern bekommen. Wir wollen zurück in die Normalität für die Schüler“.

Was sind die Unwägbarkeiten für diese Lösung?

Kurse und Klassen müssen aufgeteilt werden, gebraucht werden dann für jede Klasse mehr als ein Klassenraum. Genaue Vorschriften, wie viele Quadratmeter Platz pro Schüler benötigt werden, sind noch zu klären. Offen ist auch, wie viele Lehrkräfte zur Verfügung stehen: Ältere und vorerkrankte Lehrer werden als Risikogruppe vorerst nicht in die Schule zurückkehren. Die genaue Definition dieser Gruppen werde in den kommenden Tagen bundesweit einheitlich erarbeitet, hieß es.

Was passiert mit den Grundschulen?

Grundschulen sollen ab dem 4. Mai schrittweise wieder den Unterricht aufnehmen, zuerst allerdings nur mit den vierten Klassen, die sich auf den Übergang auf die weiterführende Schule vorbereiten können sollen. Das Notbetreuungsprogramm für die Klassen eins bis sechs werde aufrecht erhalten und gegebenenfalls um weitere Bedarfsgruppen erweitert, sagte Gebauer. Dazu folgen Angaben. Aber: Derzeit werde diese Notbetreuung nur für etwa ein Prozent der Schülerschaft in Anspruch genommen. Selbst die zuletzt vorgenommene Erweiterung dieser Gruppe habe diese Zahlen kaum erhöht.

Werden die Abiturprüfungen auf jeden Fall stattfinden?

Davon ist auszugehen. Berlin und Brandenburg starten bereits am 20. April mit ihren Abiturprüfungen, Schleswig-Holstein und Hamburg am 21. April, Bremen und Sachsen am 22. April – NRW dagegen erst am 12. Mai. Nur für einen absoluten Notfall komme die Absage von Prüfungen infrage. Gebauer will sich deshalb auch nicht den Vorwurf gefallen lassen, sie sei mit der Schulöffnung in NRW bundesweit vorgeprescht. Man habe in den Verhandlungen eher eine einigende Rolle gespielt, befand die FDP-Ministerin am Donnerstagmorgen in der rund dreistündigen und monothematischen Sitzung im Schulausschuss des NRW-Landtags. Um ihre klare Richtlinie für stattfindende Abiturprüfungen zu untermauern verwies Gebauer auf Hessen und Rheinland-Pfalz, wo schon vor Wochen – auch schon in Corona-Zeiten – die Abiturprüfungen komplikationsfrei verlaufen seien. Nur 3,8 Prozent der Schüler hätten hier gefehlt.

Wird auf andere Prüfungen verzichtet?

Auf die zentrale Prüfung nach der zehnten Klasse (ZP 10) wird in diesem Jahr in NRW an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen verzichtet. Stattdessen sollen die Lehrkräfte der Schulen eine Klassenarbeit schreiben lassen, die stärker auf den tatsächlich erteilten Unterricht Bezug nimmt. Die Fristen können verschoben werden. Auch auf das sonst übliche Abschlussverfahren mit Vornoten und Abweichungsprüfungen wird ausnahmsweise verzichtet.

Wer sichert in den Schulen künftig den Infektionsschutz?

Die Zuständigkeiten samt Ausstattung lägen bei den Schulträgern, sagte Gebauer. Es brauche für jede Schule einen Hygieneplan. Das Land schaue sehr genau mit den Schulträgern auf die jeweilige Situation. Es fänden tagesaktuell Begehungen von Schulträgern und Schulleitungen statt, Uneinigkeit würde an die obere Aufsichtsbehörde gemeldet. Gebauer mahnte, der Schulbeginn komme für die Kommunen nicht überraschend, sie seien angehalten gewesen, in den Ferien Voraussetzungen zu schaffen. Sollten Schulträger für Desinfektionsmittel nicht sorgen können, halte das Land einen Zulieferer vor.

Kann man im laufenden Schuljahr sitzenbleiben?

Nein, Schüler sollen in diesem Schuljahr grundsätzlich in die nächsthöhere Jahrgangsstufe versetzt werden. Eine freiwillige Wiederholung des Schuljahrs, die dann nicht als sitzenbleiben gewertet würde, so Gebauer, sei aber möglich. Auch nach Ende der Erprobungsstufe nach Klasse 6 soll niemand in eine andere Schulform wechseln müssen.

Wie steht die Opposition zum Handeln der Landesregierung?

Die Grünen kritisierten die Freiwilligkeit des Schulbesuchs für die Prüflinge. Das sei „verantwortungslos“, die Abwägung zwischen Infektionsrisiko und Fürsorge für sich und Familienmitglieder auf die Schüler abzuwälzen, sagte Sigrid Beer. Die SPD findet das Konzept „nicht schlüssig“ und ist gegen Abschlussprüfungen. Außerdem zeigten sich Beer und der SPD-Abgeordnete Jochen Ott darüber entsetzt, dass es etwa über hygienische Standards und andere Sicherheitsregelungen keine Klarheit gebe. Ott befand, erst danach hätte man über die Terminierung von Schulöffnung sprechen dürfen. Beer schimpfte: „Das ist fahrlässig, was Sie vorgelegt haben.“ Der AfD-Abgeordnete Helmut Seifen hingegen kritisierte SPD und Grüne, sie hätten sich vor den Karren jener Schüler spannen lassen, „die keine Prüfungen wollen“.

Wie fällt die Kritik von außen aus?

Die Schulverbände sind froh darüber, dass die „realitätsfernen Empfehlungen der Leopoldina-Akademie“ vom Tisch sind (Lehrer NRW). Zweifel gibt es daran, ob Schulen innerhalb von drei Tagen auf die Anforderungen herzurichten sind. Die Schulträger seien hier in der Pflicht. „Angesichts der miserablen baulichen und hygienischen Zustände ist an dieser Stelle Skepsis angebracht“, sagte Lehrer-NRW-Vorsitzende Brigitte Balbach. Auch Schülerverbände kritisieren das „unkalkulierbare Gesundheitsrisiko“, dem sie sich ausgesetzt sehen. Stefan Behlau vom Verband für Bildung Erziehung in NRW sagte: „Fragwürdig bleibt der Start auf der Überholspur für die Prüfungsjahrgänge nach der Vollbremsung vom 13. März.“